
- Das Lesen soll Spaß machen - Ruth Lisa Knapp
Nicht die Leistung steht bei den Übungsphasen im Mittelpunkt, sondern das eigene Tun und das Erleben von Erfolg. Wählen Sie die Methoden aus, die für Ihren konkreten Bedarf geeignet sind. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre, Abwechslung und gute Laune. Bevor es losgeht, vereinbaren Sie mit dem Kind, auf welche Weise und wie lange gelesen werden soll. Folgende Spielarten haben sich bei Kindern im Grundschulalter bewährt:
- Den Einstieg erleichtern: Sie beginnen damit, die Geschichte vorzulesen und erörtern im Anschluss an jeden Abschnitt oder jedes Kapitel die Frage, wie es wohl weitergeht. Später übernimmt das Kind das Vorlesen oder es liest still weiter.
- Anschieben: Sie lesen gemeinsam mit dem Kind, sozusagen „im Chor". Beginnen Sie laut. Wenn das Kind sicher mithalten kann, werden Sie leiser. Flüstern hat seinen Reiz , bis das Kind die Sache ganz übernimmt und Sie verstummen können.
- Doppelt hält besser: Sie lesen einen Satz vor, das Kind liest still mit. Danach liest es den gleichen Satz laut vor. Das lässt sich auch auf ganze Abschnitte ausdehnen, kann allerdings schnell langweilig werden.
- Halbe-Halbe: Beide lesen jeweils einen Satz, einen Abschnitt oder ein Kapitel abwechselnd vor. Dabei darf Ihre „Hälfte" ruhig länger sein als die des Kindes.
- Lesen nach Zeit: Stellen Sie eine kleine Sanduhr bereit. Wenn sie abgelaufen ist, wird sofort gewechselt. Wenn es sein muss, auch mitten im Satz.
- Selbständigkeit fördern: Das Kind liest einen vorher vereinbarten Abschnitt still für sich. Anschließend stellen Sie ihm ein paar Quizfragen dazu und notieren die richtigen Antworten. Ein Joker macht die Sache attraktiver.
- Auf langsames Tempo achten: Viele leseschwache Kinder lesen zu schnell. Sie lassen Wörter und Wortteile aus, um ihre Unsicherheit zu kompensieren. Wenn das passiert: Zurück auf Los! Eine Stoppuhr zeigt an, ob beim zweiten Mal mehr Zeit benötigt wurde.
- Hilfsmittel erlaubt: Wenn der Sprung von einer Zeile in die nächste Schwierigkeiten macht, kann ein selbst gefertigter Lesepfeil aus Pappe oder Plastik helfen. Er muss mit der Spitze nach rechts zeigen und wird unter der Zeile angelegt. Ist die Zeile gelesen, rückt er eine nach unten.
- Lob macht Laune: Loben Sie das Kind, wenn es einen Lesefehler selbst bemerkt, im Text zurückgeht und sich verbessert. Dies ist ein Fortschritt und zeigt, dass das Kind beim Lesen den Sinn im Auge behält.
- Belohnung garantiert: Bei Lesefehlern, die das Kind nicht selbst bemerkt, sollten Sie sanft und beharrlich auf das betreffende Wort deuten und es genau (l au t ie r e n d oder in Sil-ben) erlesen lassen. Wenn das klappt, kann eine Belohnung (Pluspunkt) notiert oder zugeteilt werden.
Versuchen Sie nie, etwas zu erzwingen! Sollte sich während der gemeinsamen Übungen herausstellen, dass der gewählte Text zu schwer und für dieses Kind also (noch) ungeeignet ist, brechen Sie die Lektüre ohne Bedauern ab. Vielleicht kann man ja später darauf zurückkommen. Auch wenn das Thema auf wenig Interesse stößt, sollte man wechseln und sich dabei an den Vorlieben des Kindes orientieren, auch wenn man diese selbst nicht teilt. Wenn der Erwachsene weiß, in welchen Phasen der Prozess des Lesenlernens normalerweise abläuft, kann er Hürden besser erkennen und die Geduld zu bewahren.
Über Frühförderung des Lesens und Schreibens informiert ein anderer Suite101-Artikel.
