Kindle KF8: Unterstützung für HTML und CSS wird ausgeweitet

Mit dem Kindl Format 8 gehen auch Kinderbücher gut - Amazon
Mit dem Kindl Format 8 gehen auch Kinderbücher gut - Amazon
21. 10. 2011. Amazon kündigt die Unterstützung von HTML und StyleSheets für ihr Lesegerät Kindle an. Dies dürfte den modernen Buchmarkt revolutionieren.

Die bisherige Klage über Kindle, ihr Format lasse nur wenig Gestaltungsspielraum zu, dürfte mit der Ankündigung, dass nun HTML und CSS umfangreich zugelassen sind, passé sein. Zunächst soll dieses Format für Kindle Fire eingeführt werden – oder ist schon eingeführt worden. In den nächsten Monaten sollen alle anderen Kindle-Geräte umgestellt werden.

Was bietet KF8?

Bisher waren zum Beispiel Kinderbücher auf Kindle ein großes Problem. War die Anzeige nicht auf das richtige Format eingestellt, konnten Texte zu einem Bild auf eine andere Seite rutschen. Auch Comics waren bisher nicht direkt mit Text versehbar. Das neue Format dagegen bietet feste Layouts und Text auf Hintergrundbildern. Neu ist auch, dass Listen wesentlich variabler gestaltet werden können. Bisher waren nur ganz schlichte Aufzählungen möglich und selbst eine nummerierte Liste machte Probleme. HTML kann dies schon lange. Insofern ist es nur sinnvoll gewesen, dass Amazon dieses Format übernommen hat.

Was passiert mit Mobi?

Das alte Kindle-Format Mobi wird vollständig ersetzt. Für die Autoren aller bisheriger E-Books bei Amazon dürfte das allerdings keine Rolle spielen. Die Bücher sind an das neue Format kompatibel, das interne Format von Amazon wird ohne Umstände übersetzt. Mobi ist ein Artefakt aus einer Firmenübernahme, die Amazon vor Jahren getätigt hat. Es war sehr eigenwillig und brauchte zusätzliche Programme auf dem Computer, um eine richtige Gestaltung zu erreichen. Mit der Umstellung können Bücher jetzt noch einfacher mit HTML-Programmen formatiert werden.

Kindle Reader werden bunt

Wer sich das einfache Lesegerät geleistet hat, wird nicht so viel Freude an den neuen Möglichkeiten haben. Es kann nur in schwarz-weiß und Grautönen darstellen, während die Neuerungen vor allem im Bereich der visuellen Elemente sehr interessant sind. So können Tabellen genauso variabel gestaltet werden, wie dies HTML bisher angeboten hat, mit Hintergrundfarben und farbig gestalteten Rahmen, Bildunterschriften (so genannte callouts) und farbige Formatierungen von Texten. Ab jetzt können auch nicht nur die bisher zugelassenen Schriftarten in das E-Book benutzt werden, sondern auch weitere Schriftarten eingebunden werden.

Was bedeutet das für die Autoren?

Zunächst werden sich alle Autoren von Sachbüchern freuen. Der bisherige Gestaltungsspielraum war so eingeschränkt, dass sich optisch teilweise sehr differenzierte Bücher auf dem Kindle gar nicht darstellen ließen. Freuen dürften sich auch alle Autoren von so genannten Abenteuerspielbüchern. Durch das HTML wird die Verlinkung wesentlich einfacher. Abenteuerspielbücher werden abschnittsweise gelesen und am Ende jedes Abschnittes kann der Leser entscheiden, was der Held als nächstes tut, manchmal wird auch der Ausgang eines Kampfes erwürfelt. Bisher, beim gedruckten Buch, musste der Leser blättern. Jetzt kann er einfach einem Link folgen.

Romane mit hypertextuellen Mitteln schreiben

Tatsächlich dürfte sich auch für die Autoren von Romanen eine Möglichkeit bieten, ihre Geschichten anders zu gestalten. Solche Erzählungen mit hypertextuellen Mitteln sind, entgegen dem Hype aus den neunziger Jahren, in der breiten Literatur noch nicht angekommen. Neben den Abenteuerspielbüchern, die schon seit langem in diese Richtung denken, könnten Fantasyromane zum Beispiel immer wieder auf Karten und besondere Personen verlinken und so Hintergrundinformationen einfließen lassen. Bei solch umfangreichen Werken wie etwa "Das Rad der Zeit" von Robert Jordan ist dies sicherlich hilfreich. Auch Parallelführungen von Handlungssträngen, wie sie bei romantischer Fantasy praktiziert wird, ließe sich im Hypertext noch ganz anders ausweiten.

E-Books oder Bücher?

E-Books sind gerade auch dann sehr komfortabel, wenn es zum Beispiel um Nachschlagewerke geht. Linguisten etwa besitzen entweder den Lewandowsky oder den Bußmann, klassische Nachschlagewerke der Sprachwissenschaft. In den einzelnen Artikeln finden sich teilweise zahlreiche Verweise auf andere Artikel. Diese lassen sich elektronisch sehr viel besser verfolgen als in einem Buch, vor allem, wenn es sich um ein mehrbändige Werk handelt.

Was die fiktive Literatur angeht, so wird sich der Markt auch in Deutschland auf das elektronische Buch einstellen. Zwar gibt es zur Zeit noch einen starken Widerstand dagegen. Doch natürlich spielt hier die Gewohnheit eine große Rolle. Vollends durchsetzen wird sich allerdings das neue Buch mit seinen Möglichkeiten erst, wenn sich diese Möglichkeiten auch in der Erzählweise niederschlagen. Das neue Kindle-Format ist dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Er muss nur noch von den Autoren richtig genutzt werden.

Link: Ankündigung von Amazon zum KF8

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Frederik Weitz - "Ich denke gern." hat der französische Philosoph Michel Foucault mal gesagt. Das ist zwar nicht mein einziges Lebensmotto, aber ...

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