Das Open Air Kino im Burghof in Klagenfurt ist schon seit langem für sommerliche Unterhaltung, die Spaß und Niveau unter einen Hut bringt, bekannt. Dazu gehört auch die Vorführung zumindest eines Stummfilmes der Extraklasse, mit musikalisch anspruchsvoller Untermalung.
Am 23. Juli 2009 präsentiert Bernhard Gutschier vom Volkskino den seit 60 Jahren nicht mehr im Kino gezeigten Gruselklassiker „Der Zinker“ von Edgar Wallace in der Regie von Carl Lamac, produziert in Deutschland 1931.
Der Inhalt von "Der Zinker"
Der Schauplatz ist London. Der Zinker, den niemand kennt oder jemals gesehen hat, macht die Stadt unsicher. Er sieht alles, er hört alles – vor allem das, was die Mitbewerber so machen. Beteiligt einer ihn nicht an seinem Gewinn, „verzinkt“, also verrät er ihn der Polizei. Doch eines Tages kommt ihm einer auf die Schliche: Juwelen Larry, der sein Wissen allerdings schnell mit ins Grab nimmt. Mit diesem Mord, hat der Zinker nun aber Scotland Yard auf den Plan gerufen...
Musikalische Nachsynchronisierung – live
Als der Film entstand, erlaubte die Technik noch keine Synchronisation von Musikszenen im Film. So entstand die Idee das Werk erstmals zu vertonen. Die Filmmusik stammt vom niederösterreichischen Komponisten Florian C. Reithner, der schon 2006 die Musik zu „Der letzte Mann“ und 2007 zum Reisefilm „Der Kilometerfresser“ beigesteuert hat.
Für die musikalische Filmbegleitung im Burghof wurde das Symphonische Blasorchester Klagenfurt (Sbok), ausgewählt, das seit 1998 symphonische Bläserliteratur in Originalkompositionen und sensiblen Bearbeitungen, die zum Film und seiner Entstehungszeit passen, interpretiert. Speziell für die Stummfilmbegleitung nennt sich die Musikergruppe „Filmharmonie“.
„Gerade die symphonische Bläsermusik kann einen Lückenschluss zwischen Unterhaltungsmusik und Avantgarde leisten. Das beweisen zahlreiche Programme internationaler und heimischer Orchester immer wieder“, betont Obfrau Doris Janesch vom Sbok, die Kompositionsaufträge als wichtige Entwicklungsmöglichkeit für das Klassikkonzert-Geschäft ansieht, das schon seit Jahrzehnten auf ein und dasselbe Repertoire zurückgreift.
Das Ensemble Filmharmonie begleitet regelmäßig Stummfilme
„Das Ensemble Filmharmonie hat sich seit 2004 mit der musikalischen Begleitung von Stummfilmen einen Namen gemacht und ist im In- und Ausland, sowie auf Einladung von Firmen begehrter Gast“, ist der künstlerische Leiter Michael Seeber vom musikalischen Gestaltungsspielraum bei der Vertonung sehenswerter Filmklassiker begeistert. Das nächste Projekt, „Orlacs Hände“, ein Horrorfilm anno 1926 in der Regie von Robert Wiene, ist bereits in Arbeit. Mit ein bisschen Kontinuität in den Präsentationen, sieht Seeber auch das Interesse des Publikums wachsen – im Wiener Konzerthaus zum Beispiel werden pro Spielsaison bis zu vier Stummfilme gezeigt.
Bogen von Klassik zum Zeitgenössischen: Weitere Filmaufführungen
Weitere Gourmethappen versüßen Filmliebhabern den Sommer über im Burghof. In „Goldrauch“ (1925) stolpert Charly Chaplin als Goldsucher von einem absurden Abenteuer ins nächste. Das Thema, die Geldgier des Menschen, entstand, als Chaplin auf ein Foto stieß, das eine immens lange Schlange an Goldgräbern in einer Grenzsituation am Berg zeigte. Er recherchierte und fand die Geschichte des George Donner, der mit seinem Goldsuchertreck von Schneemassen in der Sierra Nevada eingeschlossen war. In ihrer Verzweiflung sollen die Teilnehmer auch vor Kannibalismus nicht zurückgeschreckt sein, einige haben, so wird es erzählt, sogar ihre Schuhe samt Schuhbänder verspeist. Dieses Motiv ist eine der bekanntesten Filmszenen aus „Goldrausch“.
Auf eine Zeitreise anderer Art begab sich Filmer Michael Pfeifenberger, als er Josef Winklers Essays zu den Todesriten in Mexiko, Indien und Österreich zum „Der Leinwandgeher“ in eine Filmfassung formte. Die Welturaufführung geht am 25. Juli 2009 im Burghof über die Leinwand, worauf sich Gutschier sehr freut. Sein Interesse und seine Wertschätzung für lebende Künstler vor Ort, stellt er auch mit der Präsentation von Thomas Woschitz preisgekröntem Film „Universal Love“ unter Beweis. Als ob das noch nicht Highlight genug in der Landeshaupt – und Geburtsstadt des Filmers wäre, gibt es dazu ein Live-Konzert der Kultband Naked Lunch, von der auch die Filmmusik stammt.
Die genauen Termine und weiteren Filmangebote sind im Kulturkalender des Volkskino Klagenfurt aufgelistet.
