Kinofilm: "Wenn Träume fliegen lernen" mit Johnny Depp

Passend zur Weihnachtszeit ein schöner, besinnlicher Film über Träume von Marc Forster. Es brillieren die Schauspieler Johnny Depp und Kate Winslet.

Der Regisseur Marc Forster hat das hundertjährige Jubiläum von „Peter Pan“ zum Anlass genommen, die Entstehungsgeschichte des Märchens zu verfilmen. Dies ist ihm wunderbar gelungen.

Kein kindischer Unsinn

Es brauchte schon einige Zeit, bis ich mich in den Film einfühlen konnte. Ich kann also empfehlen, nicht zu früh abzuschalten, sondern über anfängliche Kritik hinwegzusehen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, es würde ein langweiliger Film werden, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es ging mir genauso, wie Leuten im Film, die erst davon überzeugt werden müssen, dass das neue Stück des bekannten schottischen Schriftstellers J. M. Barrie (Johnny Depp) „Peter Pan“ kein kindischer Unsinn, sondern etwas ganz Besonderes ist. Nach und nach werden die erwachsenen Theaterbesucher von der Begeisterung der Waisenkinder mitgerissen, die der Schriftsteller ins Theater eingeladen hat. Das Stück wird ein voller Erfolg, das Publikum erlebt teilweise lachend, gespannt oder fasziniert die Abenteuer von Peter Pan, seinen Freunden, Indianern und Piraten in der Phantasiewelt Nimmerland mit.

Vorbild für Peter Pan

Inspiriert wird Barrie von den vier liebenswerten Söhnen der hübschen Witwe Sylvia Llewelyn-Davis (Kate Winslet), mit denen er viel Zeit verbringt. Vorbild für Peter Pan, der Junge, der wie Barrie nicht erwachsen wird, ist der kleine, desillusionierte Peter Llewelyn-Davis. Er erobert schnell das Herz der Kinobesucher. Die Familie belastet nicht nur der Tod des Vaters, sondern auch eine schwere, schleichende Krankeit der Mutter. Der phantasievolle Mr. Barrie gibt den Jungen durch seine ehrliche Aufmerksamkeit und Liebe ein Stück weit ihre Lebensfreude und Kindheit zurück. Diese Freundschaft wird jedoch weder von der snobistischen Gesellschaft, noch von Sylvias Mutter oder Barries Frau toleriert. Das Verhältnis der Eheleute Barrie ist oberflächlich und frostig, tiefe Gefühle verbinden sie nicht.

Nach einer wahren Begebenheit

Der Film, welcher auf wahren Begebenheiten beruht, wird von Szenen durchzogen, die sich in der Phantasie des Protagonisten abspielen und anfangs etwas befremdlich wirken, aber dann die angenehme und träumerische Atmosphäre noch verstärken. Das tröstet auch darüber hinweg, dass an sich nicht viel passiert. Es gibt zwar kein Bilderbuch-Happy-End, aber es ist rührend, traurig und einfach schön. Insgesamt ist der Film zwar etwas schnulzig, obwohl es nicht um Liebesbeziehungen geht. Er regt aber auch zum Nachdenken an ohne belehrend zu sein und bringt Erwachsenen die Kinderwelt näher ohne albern zu wirken. Johnny Depp überzeugt diesmal weniger als sexy Frauenheld, sondern als empfindsamer, junggebliebener Träumer. Insgesamt ist "Wenn Träume fliegen lernen" ein absolut empfehlenswerter Film.

Finding Neverland, USA/Großbritannien 2004, Regie: Marc Forster, FSK: Ohne Altersbeschränkung, 101 Min