Kinos in Münster - vom Filmtheater zum Großunternehmen

Ausverkauf des Kino-Inventars - Siegmund Natschke
Ausverkauf des Kino-Inventars - Siegmund Natschke
Münster als Studentenstadt ist der ideale Ort für Filmliebhaber. Doch die Kinolandschaft ist im Wandel begriffen.

Es war einmal in Münster. Die mittelgroße Provinzstadt Westfalens hatte alles zu bieten, was das Kinoherz begehrte. Die Innenstadt war übersät von unzähligen kleineren und größeren Kinos und das Programm war vielfältig: Sowohl der Kassenschlager aus den USA als auch der anspruchsvolle Autorenfilm hatte seine Zuschauer. Das Publikum war ganz speziell: Die vielen Studenten hatten einen anderen Geschmack als die Teenager, die in anderen Städten das Kino-Publikum ausmachten. In der Regel hatten in Münster Filme noch unbekannter Regisseure ihre Fans, und auch Spartenprogramme konnten sich hier halten.

Kinos machen dicht: Fürstenhof, Apollo, Roland und Metropolis

Doch die Veränderungen der Kinolandschaft machten auch vor Münster nicht halt. Zunächst war der Trend gewesen, bereits vorhandene, größere Kinos in viele kleinere einzuteilen. Diese "Schachtel-Kinos" konnten jedoch nicht das typische, cineastische "Feeling" vermitteln. Die Zuschauer waren wenig begeistert und so wurde dieses Konzept unwirtschaftlich.

Was keiner in Münster erwartet hatte, wurde Wirklichkeit: Die Kinos schlossen und zwar für immer. Hilfen seitens der Kommunalpolitik gab es nicht. Seit jeher verstand die Politik in Münster "Kultur" nur als Sache, die Theater betraf. Dass Kinos auch mal als "Filmtheater" angefangen hatten - davon wollte man nichts wissen. Hilfen gab es nicht. Und so kam es, wie es offenbar kommen musste. Der beliebte "Fürstenhof" mit seinem kleineren "Atelier" am Marienplatz machte dicht. Es folgte das fast gegenüber liegende "Apollo" am Ludgeriplatz. Hier zog ein Kaufhaus für Skateboards ein.

Auch am Bahnhof wüteten die Kinoschließungen. Betroffen war das "Roland", aus dem das Variety-Theater "GOP" wurde. Das "Beta", das in den 70er und 80er Jahren traditionell durch seine eindeutig zweideutigen Filme bekannt wurde, wandelte sich zunächst in das "Metropolis"-Kino. Doch auch dieses wurde geschlossen. Nun wird es als Veranstaltungsort benutzt, u. a. trat dort in jüngster Zeit DSDS-Gewinner Thomas Godoj auf.

Die neue Kinowelt Münsters: Großkino und alternatives Angebot

Das Kinosterben in Münster machte Platz für andere Angebote. Direkt gegenüber der Halle Münsterland entstand das Cineplex. Dieses ist unterteilt in zahlreiche Kinosäle auf verschiedenen Stockwerken. Fast das gesamte Kinoleben Münsters spielt sich nun dort ab. Filmpremieren und Filmfestivals finden nun vor allem hier am Rande Münsters statt, so z. B. die Erstaufführung von "Unter Bauern" mit Veronica Ferres.

Alternativen hierzu gibt es nur wenige. Hier ist das Cinema mit seiner Kurbelkiste zu nennen, welches vor allem kulturell interessante Filmangebote zu bieten hat. Man kann sich auch einen Filmsaal für seine eigene Vorführung mieten.

Vom großen Kinosterben übriggeblieben ist das "Schloßtheater". 1953 erbaut gilt es vor allem durch seinen großzügigen 50er-Jahre-Baustil als architektonisch wertvoll. Neben filmischen Leckerbissen gibt es auch kulinarische in einem eigenen Café. Besonders erwähnenswert ist auch das "Seniorenkino" des Schloßtheaters, das regelmäßig berühmte Filmklassiker zeigt und daher auch für Junge interessant ist.

Die Kinofülle Münsters ist einem überschaubarem Angebot gewichen. Die Zeit muss zeigen, ob aus Masse Klasse geworden ist.

Siegmund Natschke, Siegmund Natschke

Siegmund Natschke - Ich komme aus Münster/Westf. und habe dort Germanistik, Politikwissenschaft und Neuere Geschichte studiert. Meine Interessen sind ...

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