Kinovorschau und Rezension des Comicfilms »Werner – Eiskalt«

›Werner – Eiskalt‹, Ab Sommer 2011 im Kino - © 2011 Constantin Film Verleih GmbH
›Werner – Eiskalt‹, Ab Sommer 2011 im Kino - © 2011 Constantin Film Verleih GmbH
Zurück zu den Wurzeln: Der fünfte Werner-Kinofilm verbindet erneut Zeichentrick- mit Realfilm-Elementen und beleuchtet die Frühzeit des ewigen GWS-Lehrlings

Lebenslange Rivalität, postmortaler Ruhm, sowie die tiefschürfende Frage, wie wir zu dem wurden, was wir sind: Der fünfte Film um den wurstnasigen »Gas-Wasser-Scheiße«-Lehrling Werner lässt die Latte hoch auflegen. Reifer, stringenter und doch klassisch-chaotisch soll der Bogen von den ersten unfreiwilligen, aber willkommenen Rennerfahrungen der Kontrahenten Werner und Holgi im Windelbomber bis zum ewigen Zweikampf um den entscheidenden Zentimeter, selbst nach dem Tod, gespannt werden. Das Mittel der Wahl sind routiniert choreographierte Tricksequenzen mit gewohnt pointierter Detailverliebtheit, historische Aufnahmen des zur Legende stilisierten »Rennens von Hartenholm« sowie zum ersten Mal eine Realfilm-Handlung, die uns die Figur des Werner-Schöpfers Brösel und ihre Lebenswirklichkeit als brotloser Künstler näher bringen soll. »Öl in die Höhle des Löwen« gegossen also, um mit »Werner – Eiskalt« im Kinosommer 2011 einzuheizen?

Neuer Kinostart, um Knöllerup frisches Leben einzuhauchen?

Die erste Trickfilmsequenz des der Presse vorab gezeigten Films erinnert an die Glanzzeiten der Werner-Historie mit einem Rennen, dessen Ursprung erfolglos den 2. Weltkrieg begründet und bereits im Klassenkampf der frühen bürgerlichen Gesellschaft Knöllerups angelegt ist – Na ja, jedenfalls werden wie gewohnt reichlich lustiger Lokalkolorit, Kollateralschäden, das erste garantiert wirkungsvolle Abführmittel für Hunde sowie die erwartbare Situationskomik, auch fäkaler Slapstick genannt, vorgeführt. Und das recht schwungvoll zu RocknRoll-Sounds, die den Entwicklungsstufen der beiden Kontrahenten Werner und Holgi in fortschreitenden Rennszenen einen stilvollen Rahmen geben. In verschachtelten Zeitsprüngen, denen zu folgen einem nach den ersten drei Flaschen Bölkstoff schwer fallen dürfte, wird die Realfilmhandlung mit einem Einblick in Brösels Atelier fortgesetzt, in dem so interessante Erfindungen wie die »Satte Literschüssel«, das aus dem letzten Werner-Trickfilm bekannte Oldsmobile und natürlich der »Red Porsche Killer« der legendären Schraublust des Lehrlings die reale Entsprechung gegenüberstellen (im Ruhe zu bewundern auf der offiziellen Werner-Website unter »Schmiede«).

»Werner – Eiskalt« und der Mix aus Comic und Realfilm-Sequenzen

Bereits im ersten Kinoerfolg »Werner – Beinhart« von 1990 wurden Trickfilm- und Realfim-Szenen hintereinander gezeigt, allerdings ohne stringent miteinander verbunden zu sein. Ohnehin war das Spiel der Schauspieler eher füllendes Beiwerk zwischen den legendären Comic-Sequenzen, die all den Charme der Werner-Figuren und ihrer Lebensäußerungen – ja, auch den fäkalen – auf die Kinoleinwand projizierten. Drehbuchautor Thomas Platt sagte im Vorfeld über den fünften Werner im Interview: »Aber hier macht man – das ist das Erstaunliche – nach kurzer Zeit gar keine Unterscheidungen mehr zwischen Animation und Realfilm. Wir haben noch relativ spät in der Produktion Teile von Trick in Live-Action verschoben oder umgekehrt und das hat immer funktioniert.« Dem Zuschauer zeigt sich aber deutlich das Phänomen, dass diese Unterscheidung eben nicht zurücktritt, sondern um so deutlicher wird, je enger die beiden Filmarten nebeneinander existieren. Umso seltsamer, dass dabei die Handlungstränge im Zeichentrick duchaus nachvollziehbarer und logischer erscheinen als der geschauspielerte Plot.

Scheitern der Schauspieler, während die Landstraße zum Set wird

So muss jeder Schauspieler hinter der darstellerischen Leistung des gezeichneten Originals weit zurückbleiben – egal ob im Fall von Meister Röhrich, dem Präsi der Rockerbande des »MC Klappstuhl« oder den beiden Schutzmännern Bruno und Helmut, die sozusagen als ständige Kolbenfresser dem aufrechten Zweiradschrauber Werner seit Jahrzehnten das Leben schwer machen. Zudem fehlt Drehbuch und Schauspielern weitestgehend der trockene Wortwitz, der die Realfilm-Sequenzen des ersten Werner-Kinofilms vor über zwanzig Jahren erträglicher gestalteten. Werner ist eine klassische Comicfigur. Da kann auch das noch so bemühte Spiel des lebensechten Originals Rötger »Brösel« Feldmann nichts dran ändern. Ein Glücksgriff jedenfalls ist im Casting gelungen: Das rechte der beiden Mädchen, die den niedergeschlagenen Brösel im Hafen um ein Foto bitten, kommt tatsächlich der klassischen Blondine mit hyperaktivem Vorbau der Werner-Comics überaus nahe, so weit das im züchtig bekleideten Zustand zu beurteilen ist. Und auch die Landstraßen und Autobahnen, auf denen gefilmt wurde, sind so, wie sie sein sollten.

Die Trickfilm-Sequenzen des fünften Werner-Kinoabenteuers überzeugen

Ob Flugplatz-Tristesse, Milch-Lahar oder Senf-Gau – der gereifte Zeichenstil des Trickfilms bleibt trotz aller modernen Möglichkeiten und Detailverliebtheit bodenständig und wohltuend zweidimensional. Und das trotz einem albtraumhaften Ausflug in die verhasste Manga-Welt, wo niemand eine vernünftige Nase vorweisen kann! Während sich Schauspieler Brösel im Filmverlauf aufmacht, seinem Leben mittels folgenschwerem Flachköpper am Strand von Korsika eine neue Richtung zu geben (allerdings eindeutig nicht am Mittelmeer, sondern kostenbewusst an deutscher Küste gefilmt), entwickelt sich parallel die Trickfilm-Handlung über Biene-Maja-Mord und den ersten amtlichen Todesfall der Wernerwelt bis zum vorläufigen Showdown, bei dem bezeichnenderweise nicht mal ein Wernersen beteiligt ist: Dem Polizeifest. Wer wissen will, zu was eine nordnorddeutsche Hundestaffel tatsächlich fähig ist und was die legitime Steigerung des Wurstblinkers ist, der wird durchaus auf seine Kosten kommen. Somit kehrt Werner im Kino zu seinem Ursprung zurück und kann damit lediglich als Comicfigur überzeugen. Dann aber volles Wurst-MG voraus.

Bildnachweis: © 2011 Constantin Film Verleih GmbH

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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