
- Die Flussschifferkirche in Hamburg - Michael Kukel
Am Eingang der Hafencity, vor den historischen Backsteingebäuden der Speicherstadt dümpeln Schiffe und Barkassen einträchtig nebeneinander. Blau, wie die Farbe des Himmels, liegt die Flussschifferkirche hier am alten Hamburger Binnenhafen im grauen Wasser vor Anker. Flusi - so wird sie liebevoll von den Hamburgern genannt.
Wie die Geschichte von Jesus über das Wasser kam
Die ersten Prediger fuhren bereits schon um 1700 mit Schiffen zu den Seeleuten raus und lasen ihnen aus der Bibel vor. Aus dem Wunsch nach „richtiger“ Kirchengemeinschaft und nach feierlichen Gottesdiensten entwickelte sich im Laufe der Zeit das Amt des Seemannspastors. Die erste schwimmende Kirche in Hamburg, ausgestattet mit Kanzel und Orgel, gab es ab 1747. Gut 100 Jahre lang wurden für die Seeleute auf nachfolgenden Schiffen Gottesdienste abgehalten. Ab 1863 dann mussten die Seeleute mit ihren Familien zum Gottesdienst ins Seemannshaus an Land gehen. Von nun an fuhren Missionare mit kleinen Booten zu den Binnenschiffern.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Seelsorge für die Binnenschiffer in die evangelische Gemeinde auf der Veddel integriert. Es gab aber noch immer den direkten Kontakt der Seelsorger zu den Schiffern; sie waren nun mit Barkassen von Schiff zu Schiff unterwegs.
Die Geschichte von Flusi, der Flussschifferkirche
Die Geschichte der heutigen Flussschifferkirche begann im Jahr 1906 als Frachtkahn auf der Weser. Im Dritten Reich beanspruchte die Deutsche Wehrmacht das Binnenschiff für Kriegszwecke.
Nach dem Krieg, im Jahr 1951, fand die Gemeinde der Flussschiffer in diesem Kahn sozusagen den Grundstein ihrer schwimmenden Kirche. Für eine symbolische Monatsmiete von 1,- DM wurde das Schiff in Charter genommen und mit Hilfe von Spendengeldern aus Dänemark, Schweden und amerikanischen Organisationen nach architektonischen Plänen zu einer Kirche umgebaut. Im Laufe der Jahrzehnte lag die Flussschifferkirche an verschiedenen Anlegern in Hamburg. Seit 2006 hat das Schiff seinen vierten und festen Platz nun zentral im Binnenhafen. Das ist ein idealer Liegeplatz für die schwimmende Kirche, gut erreichbar für die Mitglieder der Kirchengemeinde, aber auch ganz allgemein für Besucher und vor allen Dingen für Touristen.
Die Flussschifferkirche, Symbol für Unterwegssein und Festmachen
Ein Förderverein kümmert sich seit 2007 um die Belange der schwimmenden Kirche. Ganz im kirchlichen Sinn erhält der Verein diesen Ort als spirituellen Raum für die Stadt und ihre Bürger und als Attraktion im alten Hamburger Hafen. Hauptengagement der seelsorgerischen Arbeit ist es, Begegnungen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen möglich zu machen. Die Gemeindemitglieder leben verstreut in der Stadt oder sind kreuz und quer auf deutschen Gewässern unterwegs. In diesem Sinn versteht sich das Kirchenschiff als Verbindungspunkt zwischen Wasser und Festland. Es repräsentiert nicht nur symbolisch das Unterwegssein, das Abschiednehmen und das Ankommen. Hin und wieder macht das Kirchenschiff die Leinen los und geht auf große Fahrt, zum Beispiel war das Schiff beim Kirchentag in Bremen.
"Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen kommen." Zweimal in der Woche begibt sich ein Team von Mitarbeitern der Seelsorge mit der alten Barkasse in das Hamburger Hafengebiet und besucht die Familien der Binnenschiffer. Nach alter Tradition bringen sie zur Begrüßung die jeweilige aktuelle Heimatzeitung und einen Apfel mit.
Willkommen in der Flussschifferkirche
Helles Glockenbimmeln lockt Besucher schnurstracks über eine Art Gangway runter zum Wasser und auf das Kirchenschiff. Regelmäßig werden hier Gottesdienste gefeiert, zum Beispiel jeden 4. Sonntag im Monat auf Plattdeutsch.
Konzerte in der Adventszeit
Sonntag 4. Dezember 2011 um 16.30 Uhr / Weihnachtskonzert des Kreutzer-Chores
Sonntag 11. Dezember 2011 um 16.30 Uhr / Vorweihnachtliches Konzert des Ensembles FarbKlang
Quelle: Flussschifferkirche
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