Kirchenkonzert mit Wally Warning

Wally Warning mit Tochter Ami - Andrea Weber
Wally Warning mit Tochter Ami - Andrea Weber
Einen Teil seiner karibischen Musik hat der Reggae-Musiker Wally Warning seiner Liebe zu Gott gewidmet. Es ist ihm daher eine Ehre auch vor Gott zu spielen.

Am letzten Januar-Sonntag 2011, gegen 18 Uhr, kam es vor dem Kirchenportal von St. Michael in Wolfratshausen zu einer Menschentraube, die auf den Einlass wartete. Pfarrer Florian Gruber hatte zu einem außergewöhnlichen Abend eingeladen. Der fromme Mann ist auch ein rühriger Kulturförderer und organisiert deshalb regelmäßig Klassik- oder Chorkonzerte. Dieses Mal ging er einen Schritt weiter und holte zum ersten Mal heißen Latin-Rhythmus in sein evangelisches Gotteshaus. „Ich habe Wally Warning in der Kulturbühne Hinterhalt gesehen und dachte mir, der ist auch was für uns.“

Gospel und Reggae – eine Musik mit spiritueller Kraft

Für den Reggae-Musiker Wally Warning war die Bitte des Pfarrers eine Ehre, auch ohne Gage aufzutreten. Er selbst ist ein tiefgläubiger Mensch. Einen großen Teil seiner karibischen Musik hat Warning seiner Liebe zu Gott gewidmet. „Die Musik gibt den Menschen Kraft“, ist seine Meinung. Und von dieser mitschwingenden Energie war dann auch viel zu spüren. Nachdem der Jamaikaner Del Davis, ein Freund Wally Warnings, mit einer unplugged Gitarrenmusik das Konzert einleitete, führte Warning über den mitreißenden Gospel hin zum heißen Reggae. Unterstützt wurde der Musiker von der karibischen Insel Aruba, der schon seit seiner Jugendzeit in München lebt, von seiner Tochter Ami an der elektrischen Bassgitarre. Sie sang ihre eigenen, deutschsprachigen Lieder über die „Zeit“ und die „Hoffnung“ mit jugendlichen Ausstrahlung und geerbten Musikgefühl. Vater und Tochter wurden von Sänger Senad Behljuljevic unterstützt, dessen zweite Stimme mit starker Ausdruckskraft dem ganzen Konzert noch mehr Intensität verlieh.

Unplugged Konzert mit viel karibischem RhythmusWer Wally Warning kennt, der weiß, wie der Musiker am ganzen Körper bebt, wenn er auf der Ukulele oder der akustischen Gitarre mit seinem Melodie- und Taktgefühl seine bekannten Reggae-Stücke spielt, wie „Hand in Hand“ oder „Trying“. Warning braucht keinen Schlagzeuger, er begleitet sich einfach selbst, indem er per Fußpedal den Klang der Basstrommel elektrisch erzeugt und mit schruppen und schlagen auf den Korpus seiner Instrumente den Rest an Rhythmus schafft. Dieses Temperament steckte auch die Wolfratshauser an, die ihrer Mentalität entsprechend, sich mit verhaltenem Bewegen und Klatschen immer mehr der Musik hingaben. Spirituell wurde es bei dem Gospel „Questions“. Hier begann Wally Warning leise und steigerte sich zusehends zu einer fordernden Gesangpredigt, in der er immer wieder im Refrain „I Believe“ wiederholte und dabei das Publikum fast hypnotisierend in seinen musikalischen Bann zog. Am Ende zollte der langanhaltende Zugabe-Beifall den Respekt dieser Form von musikalischem Gebet im bis auf den letzten Platz gefüllten Wolfratshauser Gotteshaus.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

rss