Kirgistan, Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan sind die Länder Zentralasiens, die bis 1991 Satellitenrepubliken im Riesenreich der Sowjetunion waren. Mit der Auflösung der UdSSR und dem Zusammenbruch des Kommunismus erlangten diese Länder auch die faktische Unabhängigkeit, bilden jedoch nach wie vor, wie sich gerade in jüngster Zeit in Kirgistan gezeigt hat, ständig kriselnde Unruheherde, schwelenden Pulverfässern gleich. An dieser Stelle soll die Geschichte Kirgistans von der Steinzeit bis zur Gegenwart nachgezeichnet werden.
Kirgistan von der Steinzeit bis 1936 - ein kurzer Überblick
Die Geschichte Kirgistans ist eine bewegte. Schon in der Altsteinzeit waren Menschen im heutigen Kirgistan ansässig. Dies belegen Ausgrabungen am zweitgrößten Gebirgssee der Welt, dem Issyk-Kul (= warmer See) im Nordosten des Landes. Erstmalige namentliche Erwähnungen eines Volksstammes gehen auf das 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. In der Folgezeit diente Kirgistan aber hauptsächlich als Durchgangsland für verschiedene ethnische Gruppen, was zumeist mit kriegerischen Auseinandersetzungen untereinander einherging. Nach einigen Jahrhunderten war ab dem 6. Jahrhundert nach Christus eine gewisse Vorherrschaft von Nomadenstämmen aus dem Altai, einem Hochgebirge im Grenzgebiet von Russland, der Mongolei, Kasachstan und China, auszumachen. Das 7. Jahrhundert brachte die arabische Kultur und Religion nach Kirgistan. Etwa ab dem 13. Jahrhundert, nach dem Verschwinden des mongolischen Einflusses, bildeten sich erste unabhängige Khanate. Im weiteren Verlauf bestimmte Fremdherrschaft die Geschichte Kirgistans, in deren Verlauf die Kirgisen im 19. Jahrhundert immer wieder Hilfe bei Russland suchten. Diese wurde auch gewährt, führte jedoch im Jahr 1876 zur Einverleibung Kirgistans in das russische Reich. Die Gegensätze waren vorprogrammiert: während die Kirgisen Nomaden waren, ließen sich russische Siedler nieder und betrieben Landwirtschaft. Als der Zar 1916 die Kirgisen zum Wehrdienst einziehen wollte, war die Antwort ein Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Eine weitere Beschneidung der Selbständigkeit Kirgistans fand 1918 statt, als es Teil der Autonomen Sowjetrepublik Turkestan wurde. Widerstand scheiterte an der mangelnden Geschlossenheit in der Bevölkerung. Der Dezember 1936 brachte Kirgistan den Status einer Sowjetrepublik.
Kirgistan als Sowjetrepublik - 1936 bis 1991
Dieser Abschnitt in der Geschichte Kirgistans brachte den Menschen dort gravierende Einschnitte in beinahe alle Lebensbereiche. Als Nomaden war die erzwungene Ansiedlung der Kirgisen die grundlegendste Veränderung. Auch die damit einhergehende Umschulung von Hirten zu Bauern oder Industriearbeitern war existentiell. Die Religion wurde ins private Abseits gedrängt, Moscheen wurden geschlossen, der Religionsunterricht ebenso abgeschafft wie das traditionelle Adat-Gericht. Die kirgisische Bevölkerung wurde durch die Ansiedlung überwiegend europäischer Bevölkerungsgruppen ebenfalls ausgehöhlt: so waren 1989 nur noch 52% der Bevölkerung Kirgisen. Positiv zu erwähnen sei an dieser Stelle aber auch eine Anhebung des allgemeinen Lebensstandards durch Alphabetisierung und einer allgemeinen Gesundheitsgrundversorgung.
Obwohl die gesamte Zeit über ein Zahlungsempfänger des Unionshaushalts war Kirgistan als Sowjetrepublik die zweitärmste Republik. Insgesamt gesehen war jedoch eine enorme Steigerung vor allem in wirtschaftlicher, sozialer und bildungspolitischer Entwicklung zu verzeichnen. Turdukan Usubaliev war von 1961 bis 1986 erster Parteisekretär der Kirgisischen Kommunistischen Partei (KP) und forderte in dieser Funktion als Gegenleistung für kirgisische Loyalität wirtschaftliche Unterstützung von Moskau. Beate Eschment bezeichnet die Politik unter Usubaliev in ihrer Arbeit über Kirgistan als „eine Phase der Stagnation“. Sie sieht darin eine Parallele zur Politik Moskaus unter Leonid Breshnev. In der Zeit der Perestrojka stellte Kirgistan sich als eine der konservativsten Republiken der Sowjetunion heraus. Während sich in zahlreichen anderen Republiken Unabhängigkeitsbewegungen entwickelten und man sich gegen den Verbleib in der Union aussprach, war das in Kirgistan nicht der Fall. Die Entwicklung kam aus einer anderen Richtung: durch Streitigkeiten um den Zugang zu Schlüsselressourcen (z. B. Land, Wasser, Staatsämter) zwischen Usbeken und Kirgisen in der Stadt Osch, kam es zu Unruhen bei denen etwa 300 Menschen starben. Da die Regierung sich aus der Verantwortung stahl, musste Parteichef Absamat Masaliev seinen Posten räumen und wurde durch Askar Akajev ersetzt. Dieser verurteilte den Moskauer Putsch vom August 1991 schneller und schärfer als die übrigen zentralasiatischen Staatenführer. Er löste die KP auf und erklärte am 31. August 1991 die Unabhängigkeit Kirgistans. Dies geschah jedoch auf Grund der Ereignisse in Moskau, und spiegelte somit nicht unmittelbar den Wunsch der Bevölkerung wider. Zudem waren die Bedingungen für den neuen Staat nicht die besten: Kirgistan liegt geographisch weit abgelegen inmitten Eurasiens, dabei hat es keine Verbindungen zu den Weltmeeren, dafür aber einen mächtigen und nicht einfachen Nachbarn: China. Ebenso erschwerend kommen eine kaum wettbewerbsfähige Wirtschaft sowie nur wenige eigene Energieressourcen hinzu.
Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Kirgistans, einem Land in Zentralasien, von der Steinzeit bis zum Ende der Sowjetunion 1991. Für weitere Informationen:
- Kirgistan - der schwere Weg in die Unabhängigkeit nach 1991
- Kirgistan - eine zentralasiatische Republik kommt nicht zur Ruhe
