Klaipeda, Litauens Stadt am Meer

Das beschauliche alte Memel ist heute eine Boomtown

Auf der Dange - B.Jäger-Dabek
Auf der Dange - B.Jäger-Dabek
Klaipeda hieß einst Memel. Heute ist die Stadt am Meer Litauens bedeutendster Seehafen und ein Touristenmekka.

Klaipeda, so der litauische Name der Stadt Memel im Westen Litauens, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, in der auch die Deutschen eine Rolle spielten. Seit 1990 gehört die Stadt zum unabhängigen Litauen und entwickelt sich zu einer richtigen Boomtown mit vielen Facetten.

Mit ihren 200 000 Einwohnern ist Klaipeda heute drittgrößte Stadt in Litauen und eine richtige Boomtown geworden, vor allem wenn man es mit dem beschaulichen Vorkriegs-Memel mit seinen 40 000 Einwohnern vergleicht.

Wechselvolle Geschichte

Schon zum Beginn unserer Zeitrechnung war diese Region an der Dangemündung von baltischen Stämmen besiedelt. Hier stand auch die alte Burg Klaipeda, die der Stadt ihren Namen gab.

Die Burg Klaipeda behinderte im 13. Jahrhundert die Verbindung der Territorien des Deutschen Ritterordens und des Livländischen Schwertbrüderordens und wurde nach erbitterten Kämpfen schließlich von den Ordensbrüdern erobert. Als die damit abgeschlossene Sicherung der Landverbindung zwischen den beiden Territorien über den Strandweg erreicht war, baute der Schwertbrüderorden hier 1252 eine Burg, die man fortan Memele nannte.

Solange die Ordensherrschaft bestand, wurde die strategisch wichtige Burg immer wieder von Kuren, Zemaiten und Aukstaiten angegriffen. 1323 vereinigten sich Zemaiten und Aukstaiten unter dem Großfürsten Gediminas erstmals zu einem litauischen Großreich und eroberten Stadt und Burg. Ein gut hundertjähriger Krieg um das Memelgebiet entbrannte, in dessen Verlauf die Stadt mehrmals zerstört wurde. Erst mit dem Frieden von Melno-See von 1422 kam das Memelland endgültig zum Orden. Memel, das seit 1254 Hansestadt war, blühte auf und wurde eine Stadt des Handels- und Schifffahrtswesens.

Bis zum Jahre 1923 blieben die Stadt und das Umland nun deutsch. Durch den Versailler Vertrag wurde das Memelland abgetrennt und 1923 von den Litauern besetzt. 1939 wurde das Memelland dann noch einmal deutsch, nachdem Hitler den Litauern ihre Ohnmacht demonstrierte und sie zur Rückgabe nötigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Memel der litauischen Sowjetrepublik eingegliedert und nahm den alten Namen Klaipeda wieder an. Die Stadt blieb für Ausländer gesperrt, bis Litauen 1990 ein selbständiger Staat wurde.

Klaipeda heute

Heute ist Klaipeda ein wachsendes Seehandelszentrum mit eisfreien Öl-, Handels- und Fischereihäfen, einem wichtigen Fährhafen sowie verschiedenen prosperierenden Industriezweigen.

Kulturell hat die Stadt zwar aufgerüstet aber von touristischer Bedeutung ist vor allem die Lage zentral an der Ostsee, ideal für Ausflüge in die ausgedehnten Kiefernwälder im Norden der Stadt, die sich 20 km landeinwärts erstrecken. Und natürlich die Ostsee: auf kilometerlangen Stränden mit festem Sand kann man hier stundenlang laufen. Gleich nördlich der Stadt geht es los. Die bekanntesten Badeorte sind hier Melnrage und Giruliai (Försterei) und dann natürlich die Kurische Nehrung. Von Smiltyne bis Nida Sonne, Sand und Wasser satt.

In Klaipeda gibt es eine Reihe lohnender Museen, das Klein-Litauenmuseum zur Geschichte der Region, das originelle Uhrenmuseum, aber auch das Meeresmuseum in Smiltyne.

Gleich hinter der Dange beginnt Klaipedas sehenswerte Altstadt mit ihren für Litauen gänzlich untypischen Fachwerkbauten, sie sind deutsches Erbe. Am Ufer herrscht buntes Treiben, Jazzbands und Folklore-Ensembles spielen auf und auf dem Fluss amüsieren sich Scharen fröhlicher Tretbootfahrer, Sommerstimmung, wie sie einer Stadt am Wasser zukommt.

Deutsche Spuren

Unvermeidliches Ziel sämtlicher Touristen sind der Theaterplatz und der Simon-Dach-Brunnen mit dem Standbild Ännchens von Tharau. Das Original-Ännchen hat den Krieg nicht überstanden, die neue Skulptur der von Simon Dach (1605-1659 ) - dem größten Sohn Memels- besungenen Pfarrerstochter ist eine originalgetreue Nachbildung. Der Platz vor dem Theater ist riesig, Restaurants und Straßencafés laden zum Verweilen und diverse Läden und Stände zum Bernsteinkaufen.

Nicht weit von den Resten der alten Memelburg stehen am Dangeufer die einzig erhaltenen Speicherhäuser, auf denen sogar noch deutsche Aufschriften erkennbar sind. Rechts neben den Speicherhäusern ist dann der Anlegeplatz der Fähren zur Kurischen Nehrung , einer einmaligen Landschaft, die man gesehen haben muss, wie schon Wilhelm von Humboldt meinte. Die Fähren fahren regelmäßig und besonders lohnend ist ein Radausflug.

Weitere sehenswerte Städte im Baltikum sind Tallinn, Riga und Vilnius.

Brigitte Jäger-Dabek, Brigitte Jäger-Dabek

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