
- Klangweg Norderstedt - Echo - Silke Schlüter
Im Mai 2010 wurde in Norderstedt bei Hamburg der „Rundweg der Klänge“ eröffnet. Das Besondere an diesem rund sieben Kilometer langen Pfad: An 13 Klangstationen gibt es etwas auf die Ohren – sanfte Töne, satte Klänge, ganze Melodien und manchmal auch ein Summen oder ein anderes interessantes Geräusch.
An 13 Klangstationen gibt es etwas auf die Ohren
Wer den „Klangweg“ kennenlernen möchte, sollte sich Zeit nehmen und ihn gegebenenfalls auch in mehreren Etappen erobern, denn: Nur wer stramm durchmarschiert, ohne sich an den einzelnen Stationen aufzuhalten, schafft den Weg in einem Rutsch. Sollen die Klangobjekte aber ausgiebig ausprobiert und ihre Geheimnisse erkundet werden, dann braucht man wesentlich mehr Zeit. Vor allem, wenn Kinder dabei sind...
Für die "kleine Runde" bieten sich die Stationen 9 bis 6 an
Der „Klangweg“ ist von allen Stadtteilen aus leicht erreichbar und trotzdem weit genug entfernt von den stark befahrenen Straßen. Für alle, die mit dem Auto nach Norderstedt kommen und sich einen Spaziergang von etwa einer Stunde vorgenommen haben, ist der große Parkplatz des Arriba-Erlebnisbades, an dessen Ende eine kleine Brücke direkt auf den Klangweg führt, ein sehr bequemer Startpunkt. Folgt man dem Weg nach rechts, erreicht man auf einer sehr schönen Wegstrecke in kürzester Zeit die Klangstationen Nr. 9 bis 6. Rund fünf Kilometer lang und ebenfalls sehr schön ist die Route von Station 10 bis 13 sowie 1 bis 3 (siehe Artikel Klangweg Norderstedt II - Sieben auf einen Streich)
Summstein für therapeutische Zwecke
Den Anfang macht auf dieser Teil-Etappe der kleine „Summstein“ an Station Nr. 9, der in alter Zeit angeblich aufgrund seiner tief vibrierenden Töne therapeutischen Zwecken diente. Und tatsächlich: Steckt man den Kopf in das Loch dieses Steins und brummelt etwas vor sich hin, so summt der steinere Doktor mit und erzeugt ein angenehmes Vibrieren im Kopf.
Alle 300 bis 500 Meter eine Überraschung
Der Summstein macht neugierig auf die anderen Klangstationen, die alle 300 bis 500 Meter am Wegesrand zu finden sind und mit Bänken und teilweise auch mit überdachten Unterständen zum Verweilen einladen. So zum Beispiel an der Klangstation Nr. 8, die sich als „Steinharfe“ entpuppt: Neben dem eindrucksvollen, schwarzen Granitblock hängt an einem Band ein Klöppel, mit dem auf den kleinen Elementen des blank polierten Blocks wie auf einem Xylophon Töne erzeugt werden können – und mit etwas Geschick sogar eine komplette Melodie.
Wer hören kann, der höre - und staune
Spannend ist auch die Station 7 nahe der Ulzburger Straße. Sie ist schon von weitem sichtbar und lässt die Wanderer neugierig das Tempo erhöhen: Das dort befindliche „Echospiel“ besteht aus zwei Teilen. Je drei miteinander verbundene Rohre kommen aus der Erde und enden in einem Trichter, der mit einem Gitter verschlossen ist. Was auf der einen Seite hinein gesprochen wird, ist auf der anderen deutlich zu hören. Diese gut funktionierende Technik überrascht Kinder und lässt bei den Erwachsenen Erinnerungen an den Physikunterricht wach werden.
Mit Körperbeherrschung die Glöckchen zum Klingen bringen
Weiter geht es zur Station 6, einer Art Gummilaufband, das beim Betreten ordentlich zu schwanken beginnt und die darunter befindlichen Glöckchen zum Klingen bringt. Das Balancieren auf der „Glockenhängebrücke“ erfordert eine gute Körperbeherrschung – für die Lütten ist das natürlich ein Kinderspiel, für die Großen hingegen eine echte Herausforderung.
Leider verrät an dieser Stelle der Blick auf die Uhr, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist: Wer jetzt umkehrt oder sich zwischen den Häusern den Weg zurück zum Startpunkt am Schwimmbad sucht, ist auf jeden Fall pünktlich zur Kaffeezeit wieder zu Hause.
Musik der Regentropfen, Meeresrauschen und der Gesang des Windes
Aber egal, ob man den Spaziergang nun ausdehnen oder an einem anderen Tag fortsetzen will: Die anderen Stationen des Klangweges sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn sie werden die Wanderer beispielsweise mit der „Musik“ der Regentropfen überraschen, mit Meeresrauschen und mit dem Gesang des Windes. Auch der Spaß an der Bewegung kommt bei diesem Vergnügen nicht zu kurz: Vor allem Kinder lieben es, auf Kupferplatten herum zu hüpfen und mit den Füßen ein Lied zu spielen oder eine Wippe so lange zum Schwingen zu bringen, bis sie zu pfeifen beginnt...
Kurzbeschreibungen der einzelnen Stationen:
- Station 1 – Stadtmusikant: Wenn sich die Figur um die eigene Achse dreht, erklingt eine tiefe Glocke.
- Station 2 – Klangzylinder: Wird der Zylinder gedreht, ertönt ein leises Klingeln, denn in ihm sind kleine Glöckchen versteckt.
- Station 3 – Windmühle: Wenn der Wind die in drei Metern Höhe angebrachte Mühle in Bewegung setzt, erklingen überraschende Töne.
- Station 4 – Klangregner: Ein Rohr wird um die eigene Achse gedreht – je schneller, desto mehr wird aus dem sanften Nieselregen ein Gewitterschauer.
- Station 5 – Pfeifenwippe: Wird die Wippe in Bewegung gesetzt, wird fröhlich gepfiffen.
- Station 6 – Glockenhängebrücke: Kleine Glöckchen bimmeln, sobald der laufbandähnliche Parcours betreten wird.
- Station 7 – Echospiel: Wer das Ohr an den Trichter des einen Rohres liegt, hört was der Mitwanderer auf der gegenüberliegenden Seite sagt.
- Station 8 – Steinharfe: Zarte Melodien erklingen, wenn man mit dem Klöppel auf den schwarzen Granitblock schlägt.
- Station 9 – Summstein: In alter Zeit galten tiefe vibrierende Töne als heilend und „Summsteine“ als Therapeuten.
- Station 10 – Telefonanlage: 20 Meter weit werden geflüsterte Geheimnisse bis ans Ohr des Empfängers am anderen Trichter übertragen.
- Station 11 – Klangtrommel: Wer diese Trommel dreht, bringt die unsichtbaren Glöckchen in ihrem Inneren zum Klingen.
- Station 12 – Tanzglockenspiel: Die Töne müssen erhüpft werden.
- Station 13 – Meeresrauschen: Die runde Platte singt die Lieder der Ozeane.
Töne kann man nicht nur hören, sondern auch spüren
"Schuld" an diesem Klangweg-Erlebnis ist der Pädagoge und Forscher Hugo Kükelhaus, der aus vielen Objekten Musikinstrumente gemacht hat. Seine Intention ist leicht nachzuvollziehen: Töne kann man eben nicht nur hören, sondern auch spüren.
Die Radwegebeschilderung mit dem eingehängten Noten-Symbol hilft den Besuchern dabei, sich auf dem sieben Kilometer langen Rundweg zurecht zu finden. Auf den Infotafeln entlang des Weges gibt es zudem Erläuterungen zu den Objekten und den Themen „Was sind Töne?“ und „Wie höre ich?“.
Weitere Infos zum Klangweg gibt es hier, den Stadtplan samt Rundweg hier.
