Klassische Angriffsmuster von Haien

Fressmotivierte Attacken und Verteidigungsangriffe

Karibischer Riffhai - Maike Traute, Pixelio
Karibischer Riffhai - Maike Traute, Pixelio
Für Haie haben Forscher vier klassische Angriffsmuster definiert, wobei nicht alle fressmotiviert sind, sondern der Notwehr oder Revierverteidigung zugeschrieben werden.

Die Angriffsmuster der Meereräuber sind namentlich Hit-and-Run-Angriffe (Angreifen und Flüchten), Bump-and-Bite-Attacken (Anstoßen und Beißen), Überraschungs- und Verteidigungsangriffe.

Hit-and-Run-Attacken von Haien in flachem Wasser

Dieses Angriffsmuster beruht auf einem Versehen der Tiere. Angriffe nach diesem Schema finden meist in Wassertiefen von maximal 1,50 Meter statt, wobei bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein müssen. Beispielsweise ist die Sicht für jagende Haie aufgrund der aufgewühlten Brandung schlecht, so dass sie versehentlich in das Bein eines Badenden beißen, der seine Füße gerade auf den Grund gestellt hat, etwa weil der Hai das bleiche Bein des Schwimmers für das Aufblitzen eines Fisches gehalten hat. Sobald der Raubfisch zugebissen hat, bemerkt er seinen Irrtum und entfernt sich. Diese Angriffe ziehen meist keine schwerwiegenderen Verletzungen nach sich.

In diese Form der Angriffe sind meist Haiarten verwickelt, die auch in flacherem Wasser jagen, wie etwa Riffhaie oder kleine Arten wie beispielsweise einige Katzen- und Dornhaiarten.

Bump-and-Bite-Angriffe durch mittelgroße Haiarten

Diese Attacken haben nachhaltigere Folgen für das Opfer. Sie können fressmotiviert sein, wobei der Hai einen Menschen oder Surfer auf seinem Brett unter Umständen mit einem seiner natürlichen Beutetiere verwechselt. Diese Angriffe können jedoch auch dem Revierverteidigungsverhalten dienen. Sie können in tiefem Wasser, aber auch in einer Wassertiefe zwischen 1 und 2 Metern vorkommen. Oft werden Schwimmer von Haien angerempelt, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe von potentiellen Beutetieren wie Robben oder Meeresschildkröten aufhalten, weil der Hai den Schwimmer als unerwünschten Konkurrenten um die Beute betrachtet.

Der Hai stößt sein Opfer erst mit der Nasenspitze an, bevor er zubeißt. Auch wenn diese Bisse auf Identitätsirrtümern beruhen oder als Warnung an Eindringlinge zu verstehen sind, sind die Verletzungen oft schwerwiegenderer Natur. Die wenigen Opfer, die nach einem Bump and Bite-Angriff sterben, versterben meist an hohem Blutverlust oder am erlittenen Schock. Diese Angriffe gehen meist von mittelgroßen Haiarten wie etwa dem Zitronenhai, dem Düsteren Hai oder dem Bronzefarbenen Walfängerhai aus. Gelegentlich sind auch große Arten wie etwa der Tigerhai daran beteiligt.

Überraschungsangriffe

Diese Attacken, die in tieferem Wasser stattfinden, sind fressmotiviert. Wenn hierbei Menschen verletzt werden, führen in der Regel Identitätsirrtümer zum Angriff, das heißt, der Hai hat die Silhouette eines Schwimmers, Surfers oder Tauchers mit einer Robbe oder Meeresschildkröte verwechselt.

Diese Angriffe sind am gefährlichsten, weil die sich im Wasser befindliche Person keine Chance hat, die Anwesenheit des Hais vorher wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. Die Tiere schwimmen ihre Angriffe von unten, das heißt, der Badende bemerkt erst nach einem heftigen Schlag ins Bein, dass er von einem Hai angegriffen wird. Es ist das klassische Angriffsmuster von Weißen Haien, Makohaien, Tigerhaien und Weißspitzenhochseehaien. Insbesondere bei Weißen Haien ist oft bei der Jagd auf Robben beobachtet worden, dass sie völlig überraschend aus dem Wasser sprangen, um ein Tier zu erbeuten.

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney patroullierten Boote neben den Langstreckenschwimmern, die ihre Wettkämpfe im Meer austrugen, um sie vor den Angriffen von potentiell gefährlichen Haiarten, insbesondere dem Weißen Hai, zu schützen. Angesichts des beschriebenen Angriffsmusters und der Reflektion des Sonnenlichts auf der Wasseroberfläche hatte die Schutzpatrouille eher moralische Wirkung, zumal die Männer in den Booten einen angreifenden Hai auch erst bemerkt hätten, wenn er einen der Schwimmer tatsächlich attackiert hätte.

Verteidigungsangriffe

Eigentlich ist das Wort „Angriff“ in diesem Zusammenhang falsch, da der Hai in Notwehr handelt und nicht, um zu fressen. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein Badender im flachen Wasser versehentlich auf einen im Meeresgrund eingegrabenen Hai tritt. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, im Flachwasser nicht zu waten, sondern mit den Füßen über den Grund zu schlurfen, damit ein eingegrabener Hai vorher aufgestört wird. Die Tiere schwimmen in den allermeisten Fällen hinweg.

Haie beißen auch zu, wenn man sie stört oder ärgert. Es hat eine Reihe von gedankenlosen Tauchern gegeben, die sich eher rücksichtslos gegenüber den als harmlos eingestuften Arten wie beispielsweise dem Ammenhai oder dem Sandtiger verhalten haben, indem sie versucht haben, auf den Tieren zu reiten oder sie an der Schwanzflosse gezogen haben. Der Hai hat also nicht aus Bösartigkeit, sondern in Notwehr gehandelt.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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