Mit der erneuten Hinwendung zur römischen und griechischen Antike wurde die aufkommende klare Strömung Klassizismus (ca. 1760 – 1850) genannt. Mit dem Vernunftsbestreben und dem gestärkten Bürgertum wuchs auch die Sehnsucht nach dem Klaren und Einfachen. Die Stärkung des Natürlichen verdrängte die aufgesetzt verspielten Formen der vergangenen Epochen. Politisch gipfelten die Unruhen des Volkes in der Französischen Revolution. Die Grundsätze Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wurden mit dem Ausrufen der demokratischen Verfassung rechtskräftig. Mit der neuen Machtverteilung entwickelte sich auch ein neues Bildungsideal. An die Stelle des Glaubens gelangte die Wissbegierde; Gott wurde als Schöpfer angesehen. Dem entsprechend wurden nun kulturelle Einrichtungen wie Museen, Theater, Bibliotheken und Universitäten geplant und realisiert. Die klassische strenge Formgebung wendete sich gegen die arrogante Üppigkeit des Barock. Folglich wurden die geometrischen Grundformen des Kreises und der Kugel, des Quadrats und des Quaders und des Dreiecks und der Pyramide sowohl in der Kunst, als auch in der Architektur wieder bevorzugt angewendet. Bildkompositionen und räumliche Gestaltung ergaben sich aus dem Zusammensetzen dieser Formen.
Architektur
Die architektonischen Formen wendeten sich der blockhaft massiven Gestaltung zu. Die Gliederung der Bauwerke orientierte sich so stark wie kaum zuvor an den antiken Tempelbauten. Proportionen, Verhältnisstudien und Symmetrie dienten als Grundlage des Entwerfens und Inbegriff der Schönheit und Harmonie. Die Eingangssituationen wurden geprägt durch den Säulenportikus und einem Dreiecksgiebel. Dabei übernahm die Säule wieder eine tragende Funktion und diente als Lastabtrag der Deckenlast. Vertikale Pilaster und horizontale Gesimse gliedertenn den blockhaften Baukörper und lockerten das Erscheinungsbild auf. Auf weiteres Dekor wurde meist verzichtet.
Kunst
Beliebte Darstellungen waren auch in der Malerei Szenen aus der römischen und griechischen Antike. Christliche und mythische Abbildnisse sowie Verherrlichung der Monarchie sind durch die gesellschaftlichen Umbrüche gemieden worden. Die Kunst wurde nicht mehr als Auftragsarbeit für die Kirche oder den Herrscher durchgeführt, sondern Motiv- und Themenwahl wurden frei und individuell nach persönlichem Belieben gewählt. Die aufkommende Industrialisierung gab dem künstlerischen Schaffen einen altmodischen Touch.
Durch das Einsetzen und Konstruieren mit den bereits genannten Grundformen wurde eine klare Übersicht der Bildkompositionen geschaffen. Im Zusammenspiel mit der Gestik und Mimik und auch Licht- und Schattenwechsel erhielten die Gemälde oft eine theatralische Anmut. Die Art der Darstellung war dabei nüchtern und wirklichkeitsgetreu.
Literatur
So wie sich die Gesellschaft in einem starken Wandel befand, erfuhren auch die Vorgaben der Dichtung einen Bruch. Der Dichter erfährt sich als Genie, der sich seine eigenen Regeln und Vorgaben schuf. Die Natur galt als der Ursprung. Der Sturm und Drang war geprägt durch Einfallsreichtum und subjektives Empfinden und Darstellen. Der Verstand wurde um das Gefühl erweitert. Abgelöst wurde diese Strömung von der Klassik, die den Freigeist mit Harmonie und Vollendung zügelte. Wie schon in Bild und Bau, sollte Ruhe und Übersicht durch Gliederung geschaffen werden. Das Streben nach einem Ideal wurde zur Grundhaltung.
