
- Klaus der Geiger - Christa Kaddar
Alle paar Jahre tritt Klaus der Geiger im Kultur- und Tagungshaus in Eltville-Rauenthal auf, wo er jedes Mal von einem begeisterten Publikum empfangen wird, zuletzt am 8. September 2011. Klaus der Geiger ist nach wie vor ein großartiger Musiker, ein begnadeter Provokateur und mit 71 Jahren immer noch ein einzigartiges Energiebündel, eine Naturgewalt. Begleitet wurde er diesmal von seinem Freund „Fliege“, der mit richtigem Namen Hermann Josef Wolf heißt und mit ihm in den 1970-er Jahren auf der Straße gespielt hat. „Nach 35 Jahren haben wir wieder zusammengefunden“, erklärte Klaus der Geiger. „Fliege“ ist ein hervorragender Gitarrist und Mundharmonikaspieler.
Klaus der Geiger verließ den klassischen Musikbetrieb
Bei aller Rebellion bringt Klaus der Geiger Lebensfreude und Lebenslust in seinen Liedern, in seinem Auftreten und seiner ganzen Ausstrahlung zum Ausdruck. Eigentlich heißt er Klaus von Wrochem, kommt aus einer großbürgerlichen Familie und hat klassische Musik studiert. Mit dem Aufbruch der 68-er kam es bei ihm zum Bruch mit dem bürgerlichen Leben. Nach einem Aufenthalt in den USA stieg er endgültig aus dem etablierten, klassischen Musikbetrieb aus. Er wurde Straßenmusiker und engagierte sich gegen Ungerechtigkeit und Missstände jeglicher Art. Seinen Stil hat er konsequent durchgehalten und bei all seiner Popularität glaubwürdig gelebt. An Themen mangelt es ihm nie. Wortgewaltige, freche Lieder wechseln sich ab mit nachdenklichen Texten und anspruchsvollen Instrumentalstücken.
„Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt“
In Rauenthal fehlte natürlich nicht sein Klassiker „Lust auf Leben, Lust auf Liebe, Lust auf Bratkartoffeln …“, in dem unbändige Lebensfreude zum Ausdruck kommt. Auch ein neues Lied hatte er mitgebracht: „Wir sind die schweigende Mehrheit.“ Darin heißt es: „Wir haben stets keine Meinung, was hätten wir auch davon?“. „Ich dachte, mit dem Lied könnte ich mal groß ins Geschäft kommen“, merkte Klaus der Geiger an – doch leider traf er damit nicht den Geschmack der Massen und der Musikindustrie. Mit „Fliege“ spielte er bekannte und auch weniger bekannte Lieder aus der gemeinsamen früheren Zeit, dazu gehörte ein Lied über eine Pleitebank der 1970-er Jahre und ein Lied über die „Drückeberger“, wie damals die heute so schmerzlich vermissten Zivildienstleistenden genannt wurden. Auch den vom Publikum erwarteten Klassiker spielte das Duo: „Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt, wir woll’n nicht eure Macht, wir wollen nicht euer Geld …“
Am Ende wollte das begeisterte Publikum Klaus den Geiger und seinen Begleiter „Fliege“ gar nicht gehen lassen. Doch nach der dritten Zugabe war Schluss. Mit „Das Leben ist schön“ verabschiedete sich das Duo.
