Klaus Mohr: Stress, Erschöpfung und durchwachte Nächte, Rezension

Klaus Mohr: Fach-Hörbuch zu Schlafstörungen - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
Klaus Mohr: Fach-Hörbuch zu Schlafstörungen - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
Wer Fundiertes über Schlafstörungen erfahren möchte, deren Diagnostik und was man dagegen tun kann, ist mit diesem Fach-Hörbuch sehr gut beraten.

Schlafstörungen sind ein weites Feld. Fachleute wissen das und gehen entsprechend umsichtig mit diesem Thema um. Im Volksmund wird allerdings oft alles in einen Topf geworfen, was an Problemen mit dem Schlafen auftaucht. Prof. Dr. med Klaus Mohr bringt Licht ins Dunkel und zeigt in seinem Fach-Hörbuch, was als Schlafstörung gilt, welchen Einfluss die Bewertung des Betroffenen dabei hat und wann es welche Möglichkeiten gibt, pharmakologisch einzugreifen.

Stress, Erschöpfung und durchwachte Nächte. Schlafstörungen und was man dagegen tun kann ist bei der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Stuttgart erschienen. Das Hörbuch wird vom Autor selbst gelesen und ist ungefähr 38 Minuten lang.

Schlafstörungen: viele haben eine Meinung, Klaus Mohr hat was dazu zu sagen

Klaus Mohr ist Mediziner, leitet seit 1992 die Abteilung Pharmakologie und Toxikologie am Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn und hat mit dem vorliegenden Hörbuch eine Publikation herausgebracht, die sich an Fachleute wendet. Was aber auch anderweitig Interessierte nicht vom Hören abhalten sollte, denn der größte Teil des Werkes ist auch ohne profundes Fachwissen gut verständlich. Mit angenehmer und unaufgeregter Stimme begleitet der Autor durch eine Einführung zum gesunden Schlaf und dessen Störungen. Er thematisiert gleich zu Beginn das eigene Bewertungsverhalten und deren Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit dem Schlaf, um von dort den Bogen dahin zu spannen, dass ein gestörter Schlaf nur dann so genannt werden sollte, wenn Alltag, Beruf und die soziale Funktionalität erheblich eingeschränkt sind. Von hier ist der Schritt nicht weit zu den verschiedenen Arten von Schlafstörungen (Insomnie) und wie man diese diagnostiziert.

Schlafhygiene und genaue Diagnose ist wichtig

Klaus Mohr bringt Vorschläge zur Schlafhygiene auf der CD unter. Auch wenn diese nicht unbedingt neu sind, schafft er es mit freundlicher Stimme und in direkter Ansprache an den Hörer, das eigene Verhalten in Sachen Schlaf noch einmal zu überdenken. Auch pharmakologisch induzierte Schlafstörer werden aufgezählt, ein Fakt, der vielen Menschen nicht klar ist. Bestimmte Medikamente, die zur Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden, können den Schlaf erheblich stören, zum Beispiel Sympathomimetika wie Bronchodilatatoren bei Atemwegserkrankungen, MAO-Hemmer bei Morbus Parkinson und Depressionen. Auch andere körperliche oder psychische Grunderkrankungen können Schlafstörungen verursachen. Darüber hinaus gibt es primär schlafmedizinische Erkrankungen, die nicht auf derartige Ursachen zurückzuführen sind. Die Diagnostik dieser wird ebenfalls erklärt. Dem Autor ist die exakte Einteilung von Schlafstörungen sehr wichtig, was verständlich wird, wenn man erfährt, wie viele verursachende Faktoren es gibt. Dass eine Standardbehandlung für alle schlafgestörten Menschen unwirksam sein muss, ist spätestens nach dem Hören der CD sonnenklar.

Arzneimittel bei Insomnie

Bei Ausschluss von verursachenden Grunderkrankungen sind pharmakologische Maßnahmen hilfreich. Der Autor erklärt im Hörbuch umfassend die Wirkweise und die Einsatzmöglichkeiten von Benzodiazepinen, Z-Substanzen, sedierenden Antihistaminika, Melatonin-Rezeptor-Agonisten und Phytopharmaka. Auch nichtmedikamentöse Maßnahmen bekommen viel Raum auf diesem Hörbuch, hält der Autor sie doch für beste Lösung bei Schlafstörungen. Auch hier wird die Schlafhygiene angesprochen, die Stimuluskontrolltherapie und die Schlafeinschränkung. Auch schlafbezogene Bewegungsstörungen werden thematisiert (Restless-Legs-Syndrom) und deren pharmakologische Behandlung. Die Hypersomnie, das nicht zu verhindernde plötzliche Einschlafen am Tage, ist die letzte auf Medikamente ansprechende Schlafstörung, die vom Autor besprochen wird.

Warum ein Hörbuch?

Natürlich hätte der gleiche Inhalt auch als Buch seine Wirkung entfaltet. Aber auch als Hörbuch hat dieses Thema seinen Charme - es ist das Gefühl, dass man einem sehr gut strukturierten Vortrag zu einem komplexen Sachverhalt zuhört. Der Autor spricht den Leser direkt an und bei einigen Fachtermini ist man doch froh, dass man diese nicht lesen muss, sondern vorgelesen bekommt. Wer über Ecstasy oder Gamma Hydroxybuttersäure noch nicht stolpert, wird spätestens bei Catechol-O-Methyltransferase-Inhibitor darüber glücklich sein.

Das auch äußerlich angenehm aufgemachte Hörbuch schließt mit folgendem Satz des Autors: "Wenn Sie nun später einmal bei einem Rezept mit einem Narkolepsiemedikament an dieses Hörbuch denken und sich sagen: "Von dieser Erkrankung habe ich eine Vorstellung.", oder wenn Sie bei einer dopaminergen Medikation auch ein Restless-Legs-Syndrom in Betracht ziehen - ja, dann hätte ich meine Mission erfüllt." Und dem ist unbedingt zuzustimmen, Mission erfüllt!

Mohr, Klaus: Stress, Erschöpfung und durchwachte Nächte. Schlafstörungen und was man dagegen tun kann. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2011. Audio-CD, ca. 38 Minuten. ISBN 978-3-8047-2916-2. Euro: 19,80.

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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