Klaxons "Surfing the Void": Rave, in den Rockzirkel geworfen

Klaxons legen neues Album Surfing the Void vor - (c) polydor records
Klaxons legen neues Album Surfing the Void vor - (c) polydor records
Die Klaxons gehen in Richtung Progrock - wer hätte das gedacht? Ein solides zweites Album, aber nicht so bombastisch und berückend wie das Debüt.

Es war eine schwere Geburt: Ganze drei Jahre benötigten Englands Ex-„New Rave“-Helden Klaxons, um den Nachfolger für ihr Debütalbum aufzunehmen. Nun ist es endlich soweit: Mit „Surfing the Void“ (VÖ: 20.8.2010 auf Polydor) haben die Klaxons ein respektables Nachfolgealbum für ihr ausgezeichnetes Debüt „Myths of the near Future“ (2007) vorgelegt.

Das harte Regime von Produzent Ross Robinson

Hypes und Trends: Sie sind so schnell wieder vorbei, wie sie aufgetaucht sind. So war es auch mit dem New Rave, und die Klaxons drohten, mit dem Trend wieder in der Versenkung zu verschwinden. Erste Sessions für „Surfing the Void“ wurden von ihrem Label Polydor als „zu experimentell“ abgelehnt. Die Band gab nach und sah es – zumindest offiziell – ein: Producer Tom Ford, der das Mercury Prize-gekrönte „Myths of the Future“ produziert hatte, wurde an die Luft gesetzt. Die Band flog nach L.A. zu Ross Robinson, einem Mainstream-Produzenten, der u.a. Korn, The Cure, Limp Bizkit und Slipknot produziert hat. Er gilt als der Produzent der – mittlerweile auch längst abgeflauten – New-Metal-Welle.

Unter Robinsons Knute wurde aus den Klaxons eine richtige Rockband. Sie wurden technisch besser und auch körperlich fitter: Angeblich mussten sie während der Aufnahmen jeden Tag einen Strandlauf machen. Und Drummer Steffan Halperin bekam einmal die etwas furchterregende Anweisung: „Dieses nächste Take wird dein Abschied von dieser Welt sein“. Das ist der Umgangston in der Metalszene: Aus den Klaxons wurden richtig harte Jungs.

Dichter Sound, mehr Gitarren, klingt wie Muse

Wie sein Vorgänger hat „Surfing the Void“ einen dichten Sound, aber weniger elektronisch, sondern mehr Gitarren. Eine totale musikalische Umkehr ist es nicht, es sind immer noch klar erkennbar die Klaxons, mit ihren mystischen Texten und ihrem zweistimmigen Oktaven-Gesang. Aber wo früher das Hauptaugenmerk auf dem Sound lag, geht es jetzt mehr um die Melodie und die Gitarren.

Die erste Single, „Echoes“, eröffnet das Album und erinnert ein wenig an die Progrock-Monster Muse. „Flashover“ hat ebenfalls dieselben heavy, bombastischen Gitarren wie Muse, ist aber immer noch Rave und tanzbar. Die Klaxons klingen hier wie Muse auf einem elektro-avantgardistischen Trip, ohne deren nervigen Queen-Pathos. Und der Piano-Part ist echt toll.

Jamie Reynolds: Hauptaugenmerk auf Pop

„Same Space“ verdeutlicht Sänger Jamie Reynolds Aussage „Wir sind eine Popband, und wir wollten ein Popalbum machen“. Das hier ist der Beweis. Das ist ein Popsong, und er zeigt einmal mehr das Talent der Klaxons für eingängige Melodien. Und dass Keyboarder James Righton eine sehr gute, poptaugliche Stimme hat, hört man auch.

„Surfing the Void“ erinnert stark an den Track „Atlantis to Interzone“ vom ersten Album, „Venusia“ hat einen starken Bass, sphärische Soundteppiche im Hintergrund, und zeigt die Klaxons so spacig wie gewohnt.

Klaxons vs. My Chemical Romance

Bei „Valley of the calm Trees“ hört man Ross Robinsons Einfluss am deutlichsten heraus. Der Song klingt ein bisschen dünn und luftleer, so als würden My Chemical Romance versuchen, das Debüt der Klaxons nachzuspielen. Mit „Extra Astronomical“ geht es wieder aufwärts, und der Song zeigt deutlich: Die Klaxons sind dort am besten, wo der Beat stolpert und die Sounds durch die Luft wirbeln.

„Cypherspeed“: Der Song im Karussell

„Twin Flames“ präsentiert James Righton und Bassist Jamie Reynolds in einem Frage-Antwort-Gesang und ist eine sehr rhythmische Nummer, die live sicher verdammt gut klingt.

Das Album schließt mit „Cypherspeed“, das mit einem Bass beginnt, der klingt, als ob ihm übel wäre. Mit den kreisenden Drums und den jaulenden Gitarren wird die sich drehende, Karussell-artige Stimmung noch verstärkt.

Eine Katze als Coverstar von „Surfing the Void“

Das Cover von „Surfing the Void“ zeigt eine Katze im Astronautenanzug: Sehr spacig, sehr surreal. Die Katze ist übrigens Jamie Reynolds Kater, der, so Reynolds gegenüber dem NME, die Musik der Klaxons liebt und offenbar durch das Fotoshooting an Selbstvertrauen gewann: „Seit er auf unserem Cover ist, braucht er noch mehr Platz im Bett“.

Wer sich fragt, was aus den „zu experimentellen“ Songs geworden ist, die vom Label abgelehnt wurden, kann hoffen: Laut Reynolds planen die Klaxons, diese Songs zu einem späteren Zeitpunkt als EP zu veröffentlichen.

Elisabeth Vock - Geboren 1978 in Wien, wuchs ich am Land auf, zwischen Musikinstrumenten und Pferden. Bereits im Grundschulalter begann ich, Geschichten zu ...

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