Viele Sammler von kleinen Dingen oder wenn es um Details geht, die kaum erkennbar sind, wünschen sich ein vergrößertes Abbild. Gedacht sei hier an Dokumente, Briefmarkenabarten, Banknoten, Münzen sowie kleinste Mineralien. Und diese Abbildung sollte möglichst schnell auf dem Bildschirm sein, um mit der Bearbeitung des Bildes die Einzelheiten noch deutlicher zu machen. Nachfolgend die Darstellung eines alternativen Mittelweges. Und diese Bezeichnung betrifft das Ergebnis des Bemühens, den technischen sowie auch den Kostenaufwand. Die Handhabung ist relativ einfach und das Ergebnis steht sofort im PC zur Bearbeitung zur Verfügung.
Der Flachbettscanner
Hier soll auf den Einsatz oder Anschaffung eines hochwertigen Gerätes hingewiesen werden. Zu den erforderlichen Leistungsparametern gehört in erster Linie eine optische Auflösung von 4800 x 9600 dpi. Diese Auflösung ist nicht zu verwechseln mit den utopisch anmutenden Werten der interpolierten Auflösung. Mindestens ein derartiges Gerät wird im Handel von jedem der größeren Hersteller angeboten und liegt derzeit in der Kostengrößenordnung einer einfacheren digitalen Kompaktkamera.
Die erforderliche Scann-Software ist bei Neugeräten immer Bestandteil des Paketes. Und zur Bearbeitung der gewonnenen Bilder kann jedes Bildbearbeitungsprogramm empfohlen werden, welches mit Ebenen arbeitet. Da wären auch die älteren Versionen von Photoshop, Photoshop Elements genauso wie Photoimpact zu nennen. Bedingung wäre allerdings, dass man sich mit den Programmen bereits etwas angefreundet hat.
Arbeitsweise
In erster Linie ist zu beachten, dass die Glasscheibe des Scanners peinlich sauber sein muss, denn bei den beabsichtigten Vergrößerungen würde jeder Fussel zum Seil werden. Mikrofasertücher leisten hier gute Dienste. Ein weiterer Punkt, dass die Glasscheibe ein wichtiger Bestandteil des optischen Systems ist, schreit förmlich nach dem Hinweis, das Glas verletzlich ist. Sollten also Gegenstände gescannt werden, die hart sind oder scharfe Kanten haben, so ist eine glasklare Folie als Unterlage auf dem Glas sehr zu empfehlen. Das ist auch gültig, wenn die Objekte Flüssigkeits- oder Fettspuren hinterlassen können. Dass mit der Folie der Abstand zwischen Objekt und Fotosensor um einen winzigen Teilbereich vergrößert wird, ist unerheblich.
Der Scanner verfügt nicht im fotografischen Sinne über den Begriff „Tiefenschärfe“, sondern bildet einfach alles scharf ab, was er „sieht“. Das ist zwar auch nicht viel, aber bei den möglichen Vergrößerungen gegenüber der Vorlage, mehr als beim üblichen fotografieren. Das bietet auch die Möglichkeit, den Deckel des Scanners etwas anzuheben, um nicht das Objekt platt zu drücken. Nun könnte nur noch die immer mitgescannte Deckelunterseite mit dem einheitlichen Grau störend wirken. Es ist hilfreich den Deckel ganz hochzuklappen oder zu entfernen - falls möglich - und das Objekt mit einer Dose aus einfärbten Kunststoffmaterial oder einem Schächtelchen zu bedecken. Hierbei kommt die „Rückwand“ nicht mehr zur Geltung, da sie außerhalb der Abbildungsfläche liegt. Auch entfallen bei dieser Form der Abdeckung lästige Schattensäume. Das wirkt sich vorteilhaft aus, wenn man im Rahmen einer Bildbearbeitung das Objekt freistellen will.
Achtung: Beim Scannen ohne völlige Abdeckung nicht in die Leuchte sehen. Es besteht starke Blendgefahr, die Ihre Augen schädigen könnte.
Größe und AuflösungDamit zu dem mathematischen Teil des Vorhabens. Für welchen Zeck ist das Ergebnis unserer Bemühungen gedacht? Soll es am Bildschirm gezeigt werden, so ist eine Endauflösung von 72 dpi richtig. Ist ein Ausdruck mit dem Tintenstrahldrucker vorgesehen, so sind 150 dpi Endauflösung angebracht. Beabsichtigt man eine Veröffentlichung in den Printmedien oder möchte man vom digitalen Fotolabor ein gutes Bild, so ist eine Endauflösung von 300 dpi nötig.
Als Beispiel soll davon ausgegangen werden, dass die Vorlage eine Größe von 2cm x 2cm hat. Als Endergebnis wünscht man sich ein Bild in der Größe von 24cm x 24cm, welches mit 150 dpi mit dem Tintenstrahldrucker ausgedruckt werden soll. Die Frage ist nun mit welcher Auflösung die Vorlage von 2cm x 2cm gescannt werden muss.
Endgröße in cm geteilt durch Ausgangsgröße in cm mal Auflösung in dpi.
24,0 cm : 2,0 cm X 150 dpi = 12 X 150 dpi = 1800 dpi.
Damit wäre die erforderliche Mindestauflösung ermittelt. Ein Erhöhen der Scanauflösung schafft „Reserven“ für spätere Bildbearbeitung, etwa Ausschnitte.
Sollte unser Beispielbild nun mit 300 dpi zur Verwendung stehen, dann benötigte man 3600 dpi, anderenfalls wäre das endgültige Bild entsprechend kleiner. Dieses Beispiel zeigt bereits wie viel Reserven für weitere Vergrößerung oder Ausschnittsvergrößerung in der Leistungsfähigkeit eines Scanners stecken, der 4800 dpi schafft. Anderseits ermöglicht diese kleine Rechnung vor dem Scannen festzustellen, ob das gewünschte Vorhaben möglich ist.
Nachbearbeitung
In den meisten Fällen ist eine Nachbearbeitung erwünscht oder nötig. Über die TWAIN-Schnittstelle einer der o.a. Bildbearbeitungsprogramme liefert der Scanner damit das Scanbild gleich an das System der Bildbearbeitung. Das verlangt nach einem ersten wichtigen Schritt. Das Bild sollte dupliziert werden. Der Originalscan mit allen gewonnenen Daten wird abgespeichert und arbeiten sollte man in der Folge mit einer Kopie. So sind für alle Fälle die Ursprungsdaten gesichert.
Dazu noch ein weiterer Hinweis: Wird die Variante angewendet, dass der Scanner von dem Bildbearbeitungsprogramm über den Befehl Importieren, etwa bei Photoshop, aufgerufen wird, dann sollte man auch die Ursprungsdatei und alle Dateien, die Bearbeitungszustände der Kopie darstellen, im „hauseigenen“ Dateiformat zwischenspeichern. In Photoshop ist das ein PSD. So ist jederzeit eine weitere Bearbeitung in diesem Programm möglich. Erst wenn der endgültige Bearbeitungszustand erreicht ist, kann man in ein anderes Format verwenden. Für die verlustfreie, aber größere Dateien empfiehlt sich TIFF, sonst JPEG, besonders dann, wenn die Dateien nur für den Bildschirm gedacht sind oder im Internet genutzt werden. Das JPEG-Format komprimiert die Datei leider etwas zu Lasten der Bildqualität.
Zu den Methoden der Bildverbesserung können hier keine Ausführungen gemacht werden. Es würde den Rahmen dieser Darstellung überschreiten und es muss eigentlich vorausgesetzt werden, dass der Anwender die wichtigsten Funktionen nutzen kann. Besonders sei hier an die Bildeinstellmöglichkeiten Helligkeit/Kontrast und Farbton/Sättigung sowie den Kopierstempel und nicht zuletzt den Filter Unscharf maskieren erinnert. Dazu gehören weiterhin die Funktionen Auswahl erstellen und das Freistellen von Ausschnitten und Auswahlen.
