
- Büste der Kleopatra - Louis le Grand
Kaum eine Frau der Antike vermag so zu faszinieren wie die Ägyptische Pharaonin Kleopatra VII. (Cleopatra). Und noch immer ranken sich vielerlei Legenden um sie. Etliche Historiker bezeichnen sie als kluge und geschickte Herrscherin am Nil, andere allerdings gaben ihr die nur wenig rühmliche Bezeichnung einer skrupellosen und machthungrigen Verführerin. Auch die Geschichte ihres Todes ist nicht vollständig geklärt. Laut Plutarch und Cassius Dio beging sie Selbstmord durch den Biss einer Giftschlange. Doch ließ sie sich wirklich von einer Kobra beißen oder hat sie sich anders umgebracht oder war es letztendlich gar kein Selbstmord?
Das Leben der Kleopatra
Im Jahre 52 v. Chr. wurde die 17-jährige Kleopatra von ihrem Vater Ptolemaios XII. als Mitregentin bestimmt. Nach dem Tod dieses im folgenden Jahr regierte sie an der Seite ihres Brudergemahls Ptolemaios XIII. 49 v. Chr. muss sie allerdings aus Alexandria fliehen. Erst ein Jahr später kehrte sie an die Macht zurück, nachdem der römische Kaiser Julius Caesar, welchen sie verführt haben soll, sie als Mitregentin wieder einsetzte und unterstützte. Nach dem Tod ihres Bruders wird sie zur Alleinherrscherin. 44 v. Chr. fällt Caesar einer Verschwörung zum Opfer, woraufhin Kleopatra an den Nil zurückkehrt. Auf Caesar folge Marcus Antonius als Herrscher Roms. Auch er soll den Reizen der ägyptischen Königin erlegen sein. Er überlässt ihr und ihren Kindern etliche römische Provinzen und soll sie gar geheiratet haben. Dadurch jedoch wurde der Unmut gegen Antonius gesteigert, insbesondere durch Octavian, welcher ebenfalls Anspruch auf Rom erhebt.
Kleopatras Selbstmord laut Plutarch und Cassius Dio
Vor Alexandria schlägt Octavian Antonius vernichtend und auch der Palast Kleopatras wird belagert. Marcus Antonius soll durch Kleopatra die falsche Mitteilung ihres Todes überbracht worden sein, worauf dieser sich in sein Schwert stürzt, jedoch erst in den Armen seiner Geliebten stirbt. Kleopatra selbst wird daraufhin von Octavian in ihrem eigenen Palast gefangen gehalten und soll schließlich als Kriegsbeute in Rom vorgeführt werden. Am 10. August 30 v. Chr. findet Octavian jedoch nur noch ihren leblosen Körper vor. An ihrem Arm seien zwei winzige Einstiche entdeckt worden. Laut Plutarch und Cassius Dio hatte sie sich in einem Feigenkorb eine Giftschlange bringen lassen, von welcher sie und ihre beiden Dienerinnen sich beißen ließen. Kurz darauf wurde diese Todesursache allgemein anerkannt und auf etlichen Bildern dargestellt.
Was spricht gegen den Schlangenbiss?
Doch bereits damals gab es Zweifel an der Art ihres Todes. Plutarch bot die Möglichkeit eines in Nadeln versteckten Giftes, welche die Pharaonin sich injiziert haben soll. Als ziemlich sicher gilt, dass sich Kleopatra mit den Wirkungen von verschiedensten Giften auskannte. Gerade deshalb hätte sie laut dem Toxikologen Dietrich Mebs kaum das Gift einer Kobra gewählt. Als ihre Bewacher die Tür eintraten, schreibt Plutarch, habe Kleopatra bereits tot auf ihrem Bett gelegen. Schön und mit entspanntem Gesicht. Der Biss einer Kobra allerdings ruft massive Schwellungen hervor und erst nach stundenlangen Panikattacken, Übelkeit und Atemnot tritt schließlich der Tod ein, falls die Schlange überhaupt mit ihrem Biss Gift injiziert hat. Mebs ist hingegen der Überzeugung, Kleopatra habe für ihren Tod, das Gift der Schierlingspflanze gewählt, an welchem bereits Sokrates starb. Diese enthält eines der stärksten Toxine der Natur. Da der Schierling bei vollem Bewusstsein zu Atemlähmungen führt, ist es wahrscheinlich, dass die Pharaonin Opium und eventuell Eisenhut dazumischte, womit sie, wie von Plutarch beschrieben, friedlich im Schlaf gestorben wäre. Zudem wäre es nicht ganz so einfach gewesen, eine lebende Kobra in die Gemächer der Pharaonin zu schmuggeln. Doch auch der Verdacht, sie sei heimlich auf den Befehl Octavians ermordet worden, welcher auch ihren von Caesar stammenden Sohn Caesarion hinrichten ließ, tauchen vermehrt auf.
Kleopatra als unsterbliche Göttin – Symbolik der Schlange
Am wahrscheinlichsten erscheint heute die Theorie eines Giftcocktails, welchen sich Kleopatra verabreichte oder injizierte. Ihren Arzt und engen Vertrauten Olympos aber ließ die Schlangenbissversion verbreiten, denn die Schlange hatte im alten Ägypten eine religiöse Bedeutung. Die Kobra war heilig und sollte die Pharaonen vor Unheil schützen, so Historiker Ch. Schäfer. Kleopatra galt zudem bereits zu Lebzeiten als Inkarnation der Göttin Isis. Sie trug die Königskobra oder Uräusschlange auch als Stirnschmuck. Der Biss einer Schlange war somit der direkte Weg zu den unsterblichen Göttern und erschien als würdiger Tod der letzten Pharaonin.
Quellen und Weiterführende Informationen:
- Amun: Kleopatra
- Dieter Wunderlich: Kleopatra (Biografie)
- Michael Grant, Kleopatra, Biographie, 1998
- Abenteuer Wissen, ZDF, 2010
- Welt Online: Kleopatra starb nicht an Schlangengift
