Klettern und Natur erleben im Wald

Die eigenen Grenzen austesten in Abenteuer- und Kletterparks

Mit Hüftgurt und zwei Karabinern gesichert bewegt man sich im Abenteuerpark zwischen Bäumen, über wackelige Brücken und an Tarzanseilen.

Wer hat sich nicht schon ausgemalt, wie Tarzan an einer Kletterpflanze durchs grüne Dickicht zu schwingen? Auch wenn es in Deutschland keinen Dschungel gibt: Ein bisschen wie Tarzan kann man sich in Abenteuerparks, auch Kletterparks genannt, schon fühlen. Sie bieten körperliche Herauforderung, Nervenkitzel, Naturerlebnis und Spaß für Erwachsene und Kinder.

Die "hängenden Parcours" kommen eigentlich aus Frankreich, ihre Zahl steigt aber auch in Deutschland. In Kletterparks bewegt man sich in der Natur, im Wald. Das unterscheidet sie von Hochseilgärten, die in erster Linie einen pädagogischen Hintergrund haben: Hier trainieren Gruppen an künstlich errichteten Plattformen und Pfählen, um Teamwork, Selbstüberwindung und gegenseitiges Vertrauen zu üben. Vorherige Anmeldung ist erforderlich, ein Trainer begleitet die "Seilschaft".

Seilbahnfahrt als Belohnung

Kletterparks funktionieren dagegen wie ein Freizeitpark oder ein Museum: Kommen, Eintritt zahlen, loslegen. Eigene Grenzen kann man auch hier, mitten im Wald, austesten. An die Baumstämme sind Plattformen konstruiert und durch verschiedene Elemente miteinander verbunden. Mal hangeln sich die Besucher von Drahtschlinge zu Drahtschlinge, mal krabbeln sie durch aufgehängte Röhren, tasten sich über eine Seilbrücke, pendeln von Trapez zu Trapez. Am Tarzanseil schwingen sie von einer Plattform zur nächsten oder in ein Netz. Kletterwände oder Strickleitern sind weitere Elemente der Parcours, und als Belohnung ist immer wieder eine Seilbahnfahrt eingebaut: Da hängt man sich mit einer Doppelrolle am Drahtseil ein und fliegt manchmal mehr als 100 Meter weit zwischen Bäumen hindurch.

Besucher sind durchgehend gesichert

Die Besucher sind von zwei Karabinern am Führungsseil durchgehend gesichert. Am Start bekommen sie eine Einweisung, um den Parcours dann eigenverantwortlich und in ihrem persönlichen Tempo zu meistern. Geschulte Mitarbeitern beobachten vom Boden aus und greifen ein, wenn sich jemand fahrlässig verhält oder stecken bleibt und nicht mehr weiterkann. Wer sich an die Anweisungen hält, ist sicher. Trotzdem gilt: "Es ist ein Abenteuersport, man kann sich schon mal einen blauen Fleck oder einen Kratzer holen", sagt Frank Macha, Geschäftsführer des Abenteuerparks in Immenstaad am Bodensee.

Alters- und Größenbeschränkungen beachten

Ein bisschen Fitness und Selbstüberwindung gehören auf jeden Fall dazu. Aber man muss ja nicht gleich in zwölf oder fünfzehn Meter Höhe gehen. Alle Parks bieten Parcours in verschiedenen Schwierigkeitsgraden an. Familien sollten sich vorab über Mindestgrößen oder Mindestalter in dem Park, den sie besuchen wollen, informieren, um Enttäuschungen vorzubeugen.

In vielen, aber nicht allen Parks können schon Kinder ab fünf oder ab acht Jahren aktiv werden. In Immenstaad eröffnet diese Saison neu ein Parcours für Fünf- bis Siebenjährige. Seine Elemente sind denen der "großen" Strecken ähnlich, aber näher am Erdboden, so dass Erwachsene begleiten und unterstützen können. "Die Kinder machen das schon sehr gut, selbst in diesem Alter", sagt Macha. "Die sind ganz vorsichtig, auch beim Umhängen der Karabiner, und kommen nachher mit glänzenden Augen aus dem Parcours."

Modell Kletterpark ist aus Frankreich importiert

Immenstaad war der erste Park nach französischem Vorbild in Deutschland, er hat 2003 eröffnet und baut der Abwechslung halber jede Saison wieder ein bisschen um. "Es gibt eine Norm für den Bau dieser Anlagen", erklärt Macha. Auch in Sachen Naturschutz sind Auflagen zu erfüllen, deshalb ist die Anzahl der möglichen Parks eingeschränkt. Rund 70 Anlagen werden es wohl mittlerweile in Deutschland sein. Ein Teil davon hat sich 2007 zum Verband "IAPA - International Adventure Parc Association" zusammengeschlossen. Seine Mitglieder wollen Erfahrungen austauschen und Qualitätsstandards sichern.

Mehrere Anlagen in Baden-Württemberg

Die Abenteuerpark-Welle ist zuerst im Süden Deutschlands über die Grenze geschwappt, breitet sich aber immer weiter aus. In Baden-Württemberg findet man den Kletterspaß im Wald zum Beispiel in Immenstaad am Bodensee, bei Schloss Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb, in Laichingen und in Kenzingen im Schwarzwald.