
- Prof. Dr. Dr. h.c. Udo Simonis (l.)im Fachgespräch - Wiebke Hilgers-Weber
"Oh nein, noch ist mein Lebenswerk längst nicht beendet!" Mit seinem freundlichen Lächeln, dennoch voller Entschiedenheit, wiegelt Prof. Dr. Dr. h.c. Udo E. Simonis (64) im Interview mit Suite 101 ab. Zwar werde er jetzt von dem Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) mit dem UmweltMedienpreis für sein Lebenswerk geehrt - noch aber gäbe es viel zu tun.
Eine Ehrung, die längst überfällig zu sein scheint
Die Ehrung scheint längst überfällig zu sein, wenn man erkundet, mit welch großem Engagement sich der emeritierende Professor dem Klimawandel, seinen Ursachen und Folgen verschrieben hat. Auf allen wichtigen Konferenzen weltweit ist er zu finden, ist Mitglied zahlreicher internationaler Gremien, zum Beispiel seit 2002 Ehrenmitglied des renommierten Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des PIK. Von 1992 bis 1996 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), anschließend Mitglied des Committee for Development Policy (CDP) der Vereinten Nationen (1999 - 2006) , Präsident der World Society for EKISTICS (WSE) (2000 - 2002) und Co-Chair der Task Force on Environmental Governance for China (2004 - 2007).
Kein Weg ist ihm zu weit, um auf den Klimawandel hinzuweisen
Dennoch beschränkt sich Prof. Simonis nicht auf die Präsentation seiner Erkenntnisse in Öffentlichkeit, Gremien und Studentenschaft, sondern ist auch ein gern gesehener Gast in kleineren Ortschaften, sofern dies sein Terminkalender zulässt. Als er in 2007 gebeten wird, an der Eröffnungsdiskussion der Meldorfer Klimaschutztage als Diskussionspartner teilzunehmen, sagt er sofort zu. Kein Weg ist ihm zu weit oder zu nah. Er möchte wirklich was bewegen. Also erklärt er auf der Veranstaltung in leicht verständlichen, klaren Worten die gravierenden Vernachlässigungen in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umweltpolitik und erläutert immer wieder den von ihm entwickelten und geprägten Begriff des "Ökologischen Strukturwandels".
Als erfahrener Dozent weiß er seine Zuhörer zu begeistern
Als erfahrener Dozent, der seine Klientel zu interessieren vermag, nimmt er kein Blatt vor den Mund, spricht Tacheles, lässt die Besucher der Veranstaltung erschaudern angesichts von Wetterkatastrophen, die auf uns zukommen, sofern wir nicht schnellstmöglich einschreiten. Prof. Simonis warnt ohne erhobenen Zeigefinger. Das ist nicht sein Ding. Aber mit Beispielen, die aus dem täglichen Leben stammen. Und wer jetzt liest, dass die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gerade bekanntgegeben hat, dass der Anteil schädlicher Treibhausgase in der Luft einen neuen Rekordwert erreicht hat, sieht die Warnung des Klimaexperten erneut bestätigt. Ja, es wird höchste Zeit, das sich was tut.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst erkennbar
Die Anzeichen sind für alle längst erkennbar: Ein Sommer 2011, der verregnet und kalt war in Deutschland, mehr Sturm, mehr Regen... Zukünftig können wir davon ausgehen, dass die Touristen irgendwann zu Hause bleiben oder in die Regionen fliegen, wo das Wetter beständig ist und die "schönsten Wochen des Jahres" tatsächlich auch so sein werden. Was aber wird dann bloß aus den Tourismuszielen Sylt, aus Nord- und Ostfriesland?
Der "Ökologische Strukturwandel" ist und bleibt sein Lebensthema
Das "Lebenswerk" des umtriebigen Wissenschaftlers wird ergänzt durch unzählige Schriften, die sich stets mit dem Thema "Ökologischer Strukturwandel" auseinandersetzen. Eine Buchreihe ("Beiträge zur kommunalen und regionalen Planung") gibt er heraus, bei den Jahrbüchern "Ökologie" ist er selbst Mitherausgeber, Redakteur und zuweilen auch Autor. Diese Tätigkeit, so sagt er, führe zu Ideen, die er anschließend weiter verfolgen würde.
Es gibt noch viel zu tun - überall auf der Welt
Von einem vollendeten "Lebenswerk" kann daher überhaupt keine Rede sein. Das weiß man inzwischen auch in den asiatischen Ländern, besonders in China, wo Prof. Simonis ein schnelles Umdenken für absolut erforderlich hält und wo dies bereits im Entstehen ist. Gleiches gilt für Vietnam, wo es erst seit einem Jahrzehnt überhaupt ein Umweltministerium gibt: "Da ist noch Einiges zu tun."
Natürlich würde der in Kiel lebende Klimaexperte wieder nach Ostasien fliegen, um dort über den Ökologischen Strukturwandel zu reden und die Menschen wachzurütteln. Anruf genügt, dann der Blick in den Terminkalender - und wenn da Raum für eine Fachreise nach Asien ist, kann es losgehen. Erst aber ist Berlin an der Reihe, wo der UmweltMedienpreis verliehen wird. Herzlichen Glückwunsch, Prof. Simonis!
Quellen:
- Deutsche Umwelthilfe e.V.
- DPA
- WZB
