Klimawandel fährt fort - Klimaschutz hört auf. Ein fataler Fehler

Klimaschutz ist nicht mehr populär aber notwendiger denn je vor allem zum Selbstschutz. Doch selbsternannte "Klimaskeptiker" machen Gegenstimmung.

Das was Umweltaktivisten bereits seit den 1990ern feststellten, schien in den letzten Jahren auch in den Chefetagen der deutschen Politik angekommen zu sein. Klimaschutz wurde zur Chefsache erklärt und Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich des Öfteren als „Klimakanzlerin“ darstellen.

Die Trendwende der Politik

Schon seit Jahren warnen Wissenschaftler, Forschungsinstitute und Umweltschützer vor den Folgen des Klimawandels und forderten eine Trendwende in der Politik: Die Apathie und Ignoranz müsse gestoppt, die rücksichtlose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die unumkehrbare Veränderung unseres Planeten aufgehalten werden. In jüngster Zeit schienen ihre Warnungen Gehör zu finden.

Doch was steckt wirklich hinter dem neuen „Trend“? Die Klimakonferenz in Kopenhagen hat – wie nahezu jede Klimakonferenz vor ihr – kaum etwas Bewegendes zustande gebracht und gilt als gescheitert. Keine verbindlichen Verträge, keine konkreten Richtlinien – allenfalls lockere Absichtserklärungen. Und auch gegenwärtig in Cancun ringen die Politiker in zähen Verhandlungen um Konzepte des Klimaschutzes.

Aber ein anderer Trend gesellt sich dazu: Immer mehr „Klimaskeptiker“ halten die Vorhersagen der Wissenschaftler und Umweltschützer für bloße Hysterie und glauben an eine Verschwörung zur Unterdrückung ihrer „Freiheit“.

Die Koalition der „Klimaskeptiker“

Es verwundert kaum, dass die selbsternannten Klimaskeptiker vornehmlich aus dem konservativ-liberalen Lager stammen und mit „Freiheit“ insbesondere die Sicherung freier Weltmärkte bedeuten. Das ewige Argument des freien Handels wird auch von aufstrebenden Industriestaaten wie China immer wieder hervorgebracht: Wachstum kommt vor Klimaschutz. So ist es kein Wunder, dass die Belange der Umweltschützer hinten angestellt werden.

Die Gegenoffensive erreicht jedoch nun eine neue Qualität. Mit pseudowissenschaftlichen Analysen, eigenen Konferenzen und Publikationen versuchen „Klimaskeptiker“ Stimmung zu machen, gegen die ohnehin bereits dürftige Klimaschutzpolitik. Kein Wunder, dass die entsprechenden Organisationen üppig von der Ölindustrie geschmiert werden. Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtete jüngst über diese Machenschaften.

Dubiose Argumente, skurrile Theorien und billige Meinungsmache – man könnte diese Zusammenschlüsse als bloße Spinnerei abtun. Doch sie gewinnen an Einfluss und auch in der schwarz-gelben Koalition scheint Klimawandel kein großes Thema mehr zu sein. Zweifellos ist jede zusammengesponnene Theorie, die Klimaschutzpolitik in Frage stellen könnte für Wirtschaftslobbyisten eine willkommene Unterstützung – kein Wunder, dass die „Klimaskeptiker“ jüngst erst von Vertretern der FDP auf eine Konferenz geladen wurden

Die Warnungen der Wissenschaft sind deutlicher als je zuvor

Seriöse Wissenschaftler sehen solche Entwicklungen mit Sorge und bemängeln die nicht vorhandene Faktenbasis der sogenannten „Klimaskeptiker“. Die Zeichen der realen und irreversiblen Folgen des Klimawandels sind dagegen durch zahlreiche Quellen und wissenschaftliche Fakten geprüft und belegt. Keine Verschwörung. Skeptiker können die zahlreichen Studien selbst einsehen.

Dass etwas getan werden muss ist fast allen Beteiligten klar. Allein der Wille fehlt. Und deshalb klammern sich viele an die Hoffnung, es könne ja doch nur eine „Verschwörung der Öko-Mafia“ sein. Allein aus dem Grunde ihre rücksichtslose Wachstumspolitik nicht aufgeben zu müssen. Und der „Fokus“ titelte jüngst sogar „Prima Klima – Umdenken: Die globale Erwärmung ist gut für uns“. Gut für wen? Wissenschaftler aus aller Welt können nur den Kopf schütteln.

Der Klimawandel ist kein Thema der Umwelt

Ein Umdenken ist allerdings in der Tat angebracht. Denn der Klimawandel ist keine Sache von verkappten Umweltschützern, Öko-Freaks oder Greenpeace-Aktivisten. Man schützt das Klima nicht wegen den Eisbären, sondern wegen der Menschheit.

Betrachtet man die Erdgeschichte aus naturwissenschaftlicher Sicht, so gehören klimatische Veränderungen, massenhaftes Artensterben, Veränderungen von Öko- und Biosphäre ohne Zweifel zu der Natur dazu. Nun erfolgt ein durch den Menschen verursachtes Artensterben sowie ein klimatischer Wandel mit Folgen. Nur: Der Natur ist das herzlich egal. Selbst wenn die Erderwärmung ungezügelt voranschreitet, werden Eisbären möglicherweise aussterben, Korallenriffe in Australien untergehen, zahlreiche Arten von der Erde verschwinden. Andere hingegen werden erscheinen, sich im Zuge der Evolution in Jahrtausenden anpassen und neue Nischen auf unserem Planeten besiedeln.

Nein, die Natur ist es nicht, die eine Klimapolitik schützt. Man schützt letztlich sich selbst. Denn Klimawandel bedeutet auch: Naturkatastrophen bislang unbekannten Ausmaßes, Dürreperioden, Überschwemmungen, Hungerkatastrophen und damit verbunden Aufstände, Massenmigration, Bürgerkriege und neue Kämpfe um knapper werdende Ressourcen, politische Instabililtät.

Die Folgen einer globalen Erderwärmung wird die Natur überleben. Aber die Folgen für den Menschen sind derart unvorhersehbar, dass sie alle bisherigen Normen und Lebensweisen auf den Kopf stellen könnte.

D.Harwardt, D.Harwardt

Darius Harwardt - Mein Name ist Darius Harwardt, ich bin 27 Jahre alt, Hochschulabsolvent der Ruhr-Universität Bochum in den Fächern Geschichte, ...

rss

Ähnliche Themen