Klischees in Fernsehserien

Realitätsferne und gleichförmige Handlungen sind häufig

Trotz vielfach durchaus passablen Unterhaltungswertes wird in vielen Serien häufig mit Klischees oder gleichförmigen Handlungsabläufen gearbeitet.

Klischees und flache Handlungsstränge ziehen sich nicht nur durch deutsche, sondern auch durch beliebte US-Serien wie etwa "Cold Case – kein Opfer ist je vergessen" (Kabel1). Bei der genannten Serie steht zunächst das Aufrollen ungeklärter Mord- oder Vermisstenfälle, die viele Jahre zurück liegen, im Vordergrund, wobei die Ausgangssituation zumindest variabel ist.

Gleichförmiger Handlungsablauf bei "Cold Case"

Danach folgen allerdings die immer wieder gleichen Handlungsabläufe: Zunächst wird eine Person ausfindig gemacht, die etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnte, wobei diese dann eine weitere Person der Tatbeteiligung bezichtigt. In einer Art Schneeballsystem wächst der Kreis der Verdächtigen, weil jeder Verdächtige einen neuen möglichen Täter präsentiert, bis sich schließlich heraus kristallisiert, wer tatsächlich für ein Verschwinden oder einen Mord verantwortlich ist. In der Regel endet die 60-minütige Folge mit einem Happy End, bei dem sich Leute, die sich über viele Jahre nicht gesehen haben, glücklich wiedervereint in die Arme schließen können.

Unrealistische Charaktere: Geliebte(r) vs. verständnisvolle Ehefrau

Im normalen Leben würde kaum eine Frau mit halbwegs normal entwickeltem Selbstwertgefühl gelassen darauf reagieren, wenn sie erfährt, dass ihr Lebenspartner eine (heimliche) Geliebte hat. In vielen Serien reagieren die betrogenen Frauen jedoch meist noch mit Verständnis für den untreuen Partner und seine Gründe, sie zu betrügen.

Beispiel 1: Tatort-Folge "Reifezeugnis"

Ein Beispiel hierfür ist die Tatort-Folge "Reifezeugnis" aus dem Jahr 1977, die Klaus Kinskis Tochter Nastassja über Nacht populär machte. Die Lehrerin (Judy Winter) findet heraus, dass ihr Mann (Christian Quadflieg), ebenfalls Lehrer an der gleichen Schule, ein Verhältnis mit seiner noch minderjährigen Schülerin Sina (Nastassja Kinski) hat. Sie bittet ihren Mann zwar, mit Sina Schluss zu machen und leitet zeitgleich eine gemeinsame Versetzung an ein Jungengymnasium nach Lübeck ein, sagt ihrem Mann aber mit erstaunlicher Gelassenheit für eine betrogene Ehefrau, Sina bei Beendigung der Beziehung nicht das Gefühl zu geben, dass sie für ihn nur ein nettes Spielzeug gewesen sei.

Beispiel 2: ZDF-Serie "Schwarzwaldklinik"

Auch in der einst sehr populären ZDF-Serie "Schwarzwaldklinik" mit Klaus-Jürgen Wussow und Gaby Dohm in den Hauptrollen gibt es eine Folge, in der ein Mann (Werner Kreindl) zeitgleich seine Geliebte und seine Ehefrau (Marieluise Marjan) geschwängert hat. Durch einen Zufall kommt dieser Schwindel heraus, aber anstatt auszuflippen, reagiert die Gattin des untreuen Ehemannes mit Verständnis gegenüber der Geliebten und freut sich darüber, dass sowohl sie als auch die Geliebte ein Baby von ihrem Mann bekommen. Es stellt sich die Frage, welche Frau im wahren Leben in der gleichen Situation so reagieren würde.

Beispiel 3: "Soko Leipzig" und "Der Alte"

Vor allem in Krimiserien gibt es im Plot immer häufiger den Fall, dass eine Frau schließlich dahinter kommt, von ihrem Mann nicht mit einer anderen Frau, sondern mit einem Mann betrogen zu werden – beispielsweise in einer Folge der "Soko Leipzig" (Freitag, 21.15 Uhr, ZDF) oder in der aktuellen Folge von "Der Alte" (Freitag, 4. September 2009, 20.15 Uhr). Auch hier reagieren die Ehefrauen häufig eine Spur zu gelassen, obwohl sie jahrelang und trotz eventuell gemeinsamer Kinder nicht bemerkt haben, dass ihr Mann eigentlich homosexuell ist.

Klischees bezüglich Homosexualität in Fernsehserien

In der bereits erwähnten Folge "Absturz" aus der ZDF-Serie "Der Alte" wurde zudem das Klischee bedient, dass Dorfbewohner viel weniger tolerant gegenüber Schwulen und Lesben sind als Großstädter. Auch unter den Einwohnern von Großstädtern gibt es in der Realität eine Menge Menschen, die Homosexualität leider nach wie vor als Geistesstörung oder Abnormalität sehen, so dass sich diese antiquierte Sichtweise nicht nur auf überwiegend katholische Dorfbewohner bezieht.

Erfreulich hingegen: Realitätsnähe in der "Lindenstraße"

In der ARD-Familienserie "Lindenstraße" werden die Reaktionen von Menschen auf Homosexualität oder Ehebruch häufig viel realitätsnäher dargestellt. Beispielsweise ist Gaby Zenker (Andrea Spatzek) vollkommen ausgeflippt, als sie erfahren hat, dass ihr Mann Andy (Jo Bolling) mit Frau Stadler rumgeknutscht hat. Auch Mutter Beimer reagierte in einer Folge aus dem Jahr 1987 nicht gerade erfreut, als sie feststellen musste, dass ihr "Hansemann" eine heimliche Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Anna Ziegler unterhielt und sogar mit ihr ein Kind gezeugt hatte. Diese Reaktionen sind jedoch wesentlich näher an der Realität als viele Klischees der verständnisvollen betrogenen Ehefrau, die in anderen Serien präsentiert werden.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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