Klitschko gegen Mormeck - WM Boxen im Schwergewicht auf RTL

Boxen auf RTL mit Dr. Stahlhammer Klitschko - BoxingPress
Boxen auf RTL mit Dr. Stahlhammer Klitschko - BoxingPress
Profiboxen: Wladimir Klitschko und Jean-Marc Mormeck kämpfen am 03. März 2012 live bei RTL um die Schwergewichtsweltmeisterschaft der WBA, IBF, WBO und IBO.

„Boxen ist ein Lügengeschäft“, gestand einst der ehemalige Halbschwergewichtsweltmeister Jose Torres ein, „Ein guter Boxer muss etwas vom Lügen verstehen. Eine Finte, ein Bluff - ohne Täuschung läuft im Boxring gar nichts.“ Wladimir Klitschko, der amtierende IBF- und IBO-Schwergewichtsweltmeister sowie WBO- und WBA-Superchampion, setzt noch einen drauf: Er täuscht nicht nur seine Gegner, sondern das gesamte Publikum, in dem er seinen Gegner Jean-Marc Mormeck stark redet und den Schwergewichtsboxkampf am 03. März 2012 als gefährliche und sportliche Herausforderung anpreist.

Wladimir Klitschko gegen Jean-Marc Mormeck - Die Schwergewichtsboxweltmeisterschaft auf RTL

Klitschko gegen Mormeck: Die Farce bei der freiwilligen Titelverteidigung des mehrfachen Boxchampions: Wladimir Klitschko (35 Jahre) hat vor dem Franzosen Jean-Marc Mormeck so etwas wie "Angst". Das jedenfalls verkündete „Dr. Stahlhammer“ gegenüber der Presse. „Mormeck will der erste Schwergewichtweltmeister in der Geschichte Frankreichs werden. Das nehme ich sehr ernst und machte mir Sorgen“, unkte der Träger der WBA-, WBO- und IBF-Gürtel. Während solche Äußerungen die Klitschko-Fans bangen lassen, entlocken sie dem Boxkenner ein müdes Lächeln. Denn: der Boxrekord mit 36 Siegen und vier Niederlagen von „The Marksman“ ist alles andere als furchteinflössend. Mormeck hat seine besten Boxzeiten lange hinter sich. Stark war er vor allem zwischen 2002 und 2007, als er in WM-Kämpfen im Cruisergewicht einige namhafte Boxer besiegen konnte. Ende 2007 wurde er als WBA-Champ vom Engländer David Haye entthront. Erst 2009 kehrte Mormeck als Schwergewicht in den Ring zurück, bestritt allerdings nur ganze drei Kämpfe, die er gänzlich unspektakulär und zum Teil diskussionswürdig gewann.

Klitschko gegen Mormeck - WM Boxen im Schwergewicht, live bei RTL

„Mormeck ist ein Kraftpaket. Er marschiert 12 Runden lang nach vorne. Außerdem ist es unglaublich schwer, gegen einen körperlich Kleineren zu boxen. Die sind automatisch schneller, beweglicher und sie brauchen weniger Kondition. Die Gefahr besteht darin, die Balance zu verlieren. Man muss immer irgendwie nach unten boxen, deshalb ist die Größe nicht immer ein Vorteil“, belehrt der unumstrittene Weltmeister die Boxfans und widerspricht damit sämtlichen Boxsportlehrbüchern, Boxexperten und der Boxpraxis. Dabei ist die Sache eindeutig. Klitschko (198 cm) braucht nur die Führhand auszustrecken und Mormeck (181 cm) „verhungert“ allein an der Linken. Der Reichweitenvergleich (206 cm zu 188 cm) und die Gesetze der Physik „bevorteilen“ allein den Ukrainer, zumal Mormeck, die von Klitschko angedeutete Explosivität, Beweglichkeit und Schnelligkeit in seinen letzten Fights mehr als vermissen ließ.

Klitschkos Gegner Mormeck ist klarer Außenseiten im Weltmeisterschaftsboxkampf

Klitschkos Ausführungen hinken gewaltig, denn Mormeck zeichnete sich noch nie als gewaltige Schlagmaschine a la Mike Tyson aus. Dazu fehlen ihm die entsprechenden Boxfertigkeiten. Die Optik allein macht noch keinen gefährlichen Schwergewichtsboxer aus. Auch bei der Schlagkraft kann Mormeck nicht überzeugen: Er hat zwar 22 Knockout-Siege vorzuweisen, doch in der Königsklasse konnte seine Power die Kontrahenten wenig beeindrucken. Der Herausforderer kann allenfalls als ehrlicher, tapferer und solider "Boxarbeiter" punkten. Boxerisch sind seine Mittel beschränkt. Mormeck ist verhältnismäßig leicht zu treffen, arbeitet wenig mit taktischen Feinheiten, technischen Finessen und braucht Pausen. Er ist „alt“ und trotz seiner rund 100 Kilogramm kein echtes Schwergewicht. Womit die nächste Klitschko-Lügengeschichte angerissen ist: Nach den Siegen über die ehemaligen Cruisergewichtchampions David Haye und Tomasz Adamek dozierten die Klitschko Brüder über den Unterschied zwischen „hochgefressenen Cruisern“ und „natürlichen Schwergewichtlern“. Sie gaben den Boxern den Rat zurück ins Cruisergewicht zu gehen oder gleich dort zu bleiben. Und was kommt jetzt als Gegner? Mormeck, ein Boxer aus dem Cruisergewicht: noch älter, noch kleiner, noch chancenloser.

Klitschko gegen Mormeck - Der Sieg des Weltmeisters ist vorprogrammiert

Die Titelverteidigung gegen Mormeck ist als Galavorstellung für Wladimir Klitschko gedacht, um zu glänzen und eingefleischte Klitschko-Fans einmal mehr zu beeindrucken. Natürlich kann man „Dr. Stahlhammer“ nicht die Schuld daran geben, dass es in der aktuellen Schwergewichtsszene nur wenig weltmeisterschaftswürdige und verfügbare Gegner gibt. Klitschko selbst tut sich aber keinen Gefallen, wenn er die zahlenden Zuschauer und die zig TV-Konsumenten an der Nase herumführt, indem er einen sportlich wertlosen Boxabend als Selbstbeweihräucherungsshow inszeniert, in der die prominenten VIP-Gäste wichtiger sind als der Faustkampf und die Rahmenboxkämpfer. Wenig deutet im Programm auf eine echte sportliche Herausforderung für den Schwergewichtsweltmeister hin. Dazu ist Mormeck zu handverlesen und berechenbar. Spannung bezieht die WM höchstens dadurch, dass jeder Wettkampf ein gewisses Restrisiko bereithält und sich der Ausgang nie mit einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit vorhersagen lässt. Doch die Chancen auf eine Überraschung sind bei Klitschko gegen Mormeck äußerst gering.

Nachlese zum WM Boxen zwischen Klitschko und Mormeck

Klitschko siegte vorzeitig über einen erschreckend schwachen Mormeck und fuhr damit seinen 50. Knockout als Profiboxer ein.

Quelle: Boxdatenbank „BoxRec“

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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