Klitschko vs. Chisora: Skandal auf der Pressekonferenz

Vitali Klitschko gewann gegen Dereck Chisora - RTL / Morris Mac Matzen
Vitali Klitschko gewann gegen Dereck Chisora - RTL / Morris Mac Matzen
Am 19.02.2012 kam es nach dem Boxkampf vom Vorabend zu einer Auseinandersetzung zwischen Dereck Chisora und David Haye. Update: Chisora wurde verhaftet.

118-110, 118-110 und 119-111: Mit dieser Wertung der Punktrichter endete am Samstagabend der Boxkampf im Schwergewicht zwischen Boxweltmeister Vitali Klitschko und Herausforderer Dereck Chisora um den WBC-Gürtel, aus dem der Ukrainer mit dem Kampfnamen Dr. Eisenfaust als Sieger hervorging. Bis zu 13,73 Millionen Zuschauer in Deutschland haben nach Angaben des übertragenden Senders RTL am späten Samstagabend den Kampf vor dem Fernseher verfolgt. Was sie nicht verfolgen konnten, war der Streit zwischen Chisora und dem als Kommentator für England anwesenden David Haye nach dem Fight, wie am 19. Februar 2012 bekannt wurde. Denn neben den sportlichen Ereignissen im Ring machte der Boxkampf auch durch die Pöbeleien von Dereck Chisora von sich reden: Schon beim Wiegen am Freitag verpasste der Herausforderer dem Titelverteidiger eine Ohrfeige. Vor dem Kampf im Münchener Olympiapark musste sich Wladimir Klitschko nach Ansage von RTL-Kommentator Florian König gefallen lassen, von Chisora angespuckt zu werden. Und nach dem sportlichen Teil des Abends folgte eine Auseinandersetzung zwischen dem Briten sowie seinem Landsmann, dem Ex-Schwergewichtsweltmeister David Haye, so RTL in einer Mitteilung an die Presse. Eine Konfrontation, wegen der Dereck Chisora von der Kriminalpolizei in München verhaftet wurde: Ermittelt werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung sowie eines Verdachts der Bedrohung. David Haye konnte dazu nicht befragt werden. Chisora wurde Sonntagabend wieder auf freien Fuß gesetzt.

Hier: Zusammenfassung zum Kampf, Fakten zu Klitschko und Chisora

Klitschko vs. Chisora: Streit auf der Pressekonferenz, Chisora vs. Haye

Durchschnittlich saßen 12,88 Millionen Fans ab drei Jahren vor den Bildschirmen; der Marktanteil lag bei überragenden 56,5 Prozent. Das bedeutet, dass 56,5 Prozent aller Geräte in Deutschland auf den Kölner Privatsender eingestellt waren. In der für die Privatsender wegen der darauf basierenden Berechnung der Werbeeinnahmen so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es sogar 56,5 Prozent. Sie alle haben noch sehen können, wie Vitali Klitschko noch im Ring stehend auf Chisoras Ausfälle einging: "Ich bin glücklich und unglücklich zugleich. Glücklich, weil ich meinen Titel verteidigt habe, unglücklich, weil ich Dereck nicht die Abrechnung gegeben habe, die er verdient hätte. Er hat einen starken Kampf abgeliefert, ist ständig nach vorne marschiert."

Skandal auf der Pressekonferenz

"Deshalb," so Vitali Klitschko weiter, "habe ich sportlich großen Respekt vor ihm. Menschlich aber bin ich zutiefst angewidert von ihm.“ Damit bezog sich der Weltmeister auf das nicht akzeptable Verhalten Chisoras im Vorfeld des Kampfes. Denn nachdem der Brite den Champion beim Wiegen am Freitag schon eine schallende Ohrfeige verpasst hatte, bespuckte er unmittelbar vor Beginn des Kampfes Wladimir Klitschko im Ring. Der unrühmliche Höhepunkt der Gehässigkeiten war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht erreicht. Denn was sich nach dem Kampf auf der Pressekonferenz abspielte, war ein Skandal, wie es ihn in dieser Form wohl noch nie gegeben hat, so RTL in einer eigenen Einschätzung.

Dort hielt sich auch Chisoras Landsmann David Haye auf, der den Boxkampf als Co-Kommentator des britischen Senders Box Nation am Ring verfolgt hatte. Als die Rede auf einen möglichen WM-Kampf Hayes gegen Vitali Klitschko kam, entwickelte sich zunächst ein Wortgefecht zwischen Bernd Bönte, dem Geschäftsführer der Klitschko Management Group GmbH (KMG) und Haye, der vehement einen WM-Kampf gegen den WBC-Weltmeister Vitali Klitschko einforderte. Angestachelt durch die offenkundigen Formschwächen des Ukrainers im Fight gegen Chisora? Als Bönte erklärte, Haye habe ein Angebot der KMG abgelehnt und stehe deshalb jetzt nicht mehr zur Diskussion, mischte sich Dereck Chisora ein.

Was war auf der Pressekonferenz geschehen?

Wenn er seiner Mutter versprochen habe, einem der Klitschkos eine Ohrfeige zu verpassen, so Chisora, so werde er Haye gleich zwei Ohrfeigen verpassen, weil der mit seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko den vorläufigen Rückzug des britischen Senders Sky Sports zu verantworten und damit auch die Chance junger britischer Boxer auf lukrative Kämpfe zunichte gemachte habe. Den Vorschlag von Promoter Frank Warren, der Sieger eines Kampfes zwischen den beiden Briten solle gegen Vitali Klitschko antreten, nahm Dereck Chisora allzu wörtlich. "Das können wir auch gleich erledigen“, drohte Chisora, stand vom Podium auf und ging schnurstracks mit einer Drohgebärde auf David Haye zu.

Jagd auf Haye, Attacke mit Kamerastativ

Sekunden später flogen zwischen den beiden die Fäuste, begleitet von tumultartigen und hässlichen Szenen. Die beiden Briten rauften sich zunächst auf dem Boden weiter, wurden dann kurzzeitig von den überforderten Security-Männern getrennt. "He glassed me, he glassed me“, schrie der aufgebrachte Chisora immer wieder und beschuldigte Haye damit, ihn mit einer Flasche verletzt zu haben. Dann machte Chisora inmitten der verschreckten Journalisten wieder Jagd auf Haye, der mittlerweile von Chisoras Trainer Don Charles attackiert worden war. Haye schnappte sich ein Kamerastativ und warf es auf seinen Angreifer, traf allerdings nur seinen eigenen Manager Adam Booth, der eine blutende Platzwunde davontrug.

Vorbericht: Wladimir Klitschko vs. Jean-Marc Mormeck, Düsseldorf 03. März 2012

Schulterverletzung bei Vitali Klitschko?

Irgendwann und irgendwie löste sich dieser einzigartige Tumult auf – zurück blieb ein einzigartiger Skandal, der vermutlich drastische Konsequenzen nach sich ziehen wird. "Das war eine Schande für den Boxsport“, sagte Vitali Klitschko später, „als Sportler haben wir doch eine Vorbildfunktion gerade für junge Menschen.“ Beim regulären Teil der Pressekonferenz hatte Vitali Klitschko angedeutet, dass er ab der 4. Runde durch eine Verletzung in der linken Schulter gehandicapt gewesen sei. „Ich konnte nur mit meiner Rechten arbeiten und wer meinen Boxstil kennt, der weiß, dass der linke Jab der Schlüssel zum Erfolg ist. Den konnte ich nicht mehr einsetzen.“ Für den Sonntag kündigte Klitschko an, sich einer Kernspintomographie unterziehen zu wollen.

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