Klöster – Kirche, Kreuzgang, Klausur und mehr

Welche Gebäude gehören in ein mittelalterliches Kloster?

Die Kirche des Klosters Maria Laach - Sabine Peitz
Die Kirche des Klosters Maria Laach - Sabine Peitz
Das Mittelalter war die große Zeit auch der Klöster. Ihre Kirchen zeugen bis heute von ihrem einstigen Selbstverständnis. Doch zu einem Kloster gehört mehr.

Darauf angesprochen, welche Gebäude zu einem – nicht nur mittelalterlichen – Kloster gehören, fällt einem wohl zu allererst die Klosterkirche ein. Ihre Architektur folgt nicht nur repräsentativen Zwecken, sondern muss vor allem den Anforderungen, die sich aus den täglichen Gebeten der geistlichen Gemeinschaft ergeben, entsprechen.

Die Kirche des Kloster Maria Laach – ein Musterbeispiel

Die Kirche des Klosters Maria Laach am Ufer des Laacher Sees inder Eifel ist ein Musterbeispiel für eine solche Klosterkirche. Sie ist eine romanische Basilika. Viele Elemente erinnern an die großen Kaiserdome in Speyer, Mainz und Worms. Diese Anspielung auf die nicht ganz unbedeutende Stellung des Klosterstifters, Pfalzgraf Heinrichs II., hat man im Mittelalter gut verstanden.

Im Osten wird das Langhaus der Kirche mit seinen beiden Seitenschiffen vom Querhaus begrenzt, an das sich wiederum der Chor mit der Apsis anschließt. Über der Vierung, der Kreuzung von Lang- und Querhaus, und an den Chorflanken erheben sich Türme.

Im Inneren der Kirche war im Mittelalter der Chor, also der Bereich, in dem sich die Mönche zum Gebet versammelten, durch die Chorschranke, eine mehr als mannshohe Wand, abgetrennt. Das Chorgebet konnte folglich von der Gemeinde der Laien im Langhaus der Kirche nur mit den Ohren, nicht aber mit den Augen verfolgt werden. Heute sind die Chorschranken in fast allen Klosterkirchen entfernt.

Bollwerk gegen das Böse: das Westwerk

Als Besonderheit und abweichend von der allgemeinen Grundform einer Klosterkirche, jedoch durchaus nicht einmalig, ist der anderen Seite ein mächtiges Westwerk vorgelagert, ebenfalls durch drei Türme bekrönt. Wie eine Burg stellt es sich dem aus der Richtung des Sonnenunterganges drohenden Bösen entgegen.

Der ursprüngliche Zweck des Westwerkes ist bis heute nicht klar. Möglicherweise war auf seiner Empore eine Herrscherkapelle eingerichtet, in der die Familie des Stifters dem Gottesdienst der Mönche beiwohnen und diesen von der erhöhten Position aus auch wirklich beobachten konnte. Doch auch eine Rolle in der Liturgie an ausgewählten Festtagen ist nicht auszuschließen.

Eine Eigenheit der Kirchen von Kanoniker- und Kanonissenstiften – also von nichtklösterlichen geistlichen Gemeinschaften –, ist der zusätzlich zum Ostchor vorhandene Westchor, oft auf einer Empore über dem Westportal gelegen. Der Westchor spiegelt jedoch nicht, wie vielfach angenommen, den Gegensatz zwischen kaiserlicher und päpstlicher Macht wider, sondern diente ausschließlich liturgischen Zwecken.

Doch zu einem Kloster gehört mehr als nur die Kirche, denn die Menschen im Kloster verbringen ihre Zeit ja nicht nur im Gebet. Eine Vielzahl von Gebäuden und Einrichtungen dient dem Leben und der Arbeit der Brüder beziehungsweise Schwestern.

Das Ideal: Der Sankt Gallener Klosterplan

Die Bauten der frühen klösterlichen Gemeinschaften waren noch sehr uneinheitlich. Dies blieb auch noch lange so, nachdem Augustinus und nach ihm Benedikt von Nursia ihre Regeln aufgestellt und der mönchischen Bewegung einen festen Rahmen gegeben hatten. Ausgehend von den Erfordernissen des klösterlichen Lebens entwickelten die Mönche im Laufe der Zeit jedoch die Vorstellung von einem idealen Kloster. Diese Idee ist der Nachwelt in Form des Sankt Gallener Klosterplanes überliefert. Obwohl der Plan nie in die Realität umgesetzt wurde, ist er doch Vorbild für nachfolgende Klosterbauten. Entstanden ist der Plan um das Jahr 819 auf der Insel Reichenau. Der dortige Abt Heito I. wollte wohl seinem Amtskollegen Gozbert von St. Gallen eine Anleitung für seinen geplanten Klosterneubau an die Hand geben.

Zentrum eines jeden Klosters: die Klausur

Kernstück des Planes ist die Klausur, also der nur den Mönchen zugängliche Bereich. Das Zentrum der Klausur ist der Kreuzgang, der auf dem St. Gallener Plan südlich an die Kirche anschließt. Er verbindet die einzelnen Gebäude der Klausur und dient als Wandelgang der inneren Einkehr der Mönche. Um ihn herum sind von Ost noch West der Schlafsaal, das Dormitorium, mit Bad und Abort, der Speisesaal, das Refektorium, mit Küche und der Vorratsraum angeordnet. Der Kapitelsaal, sozusagen der „Tagungssaal“ der Klosterleute, der später zur Standardausstattung der Klöster gehören sollte, fehlt noch. Seine Aufgabe übernimmt im St. Gallener Plan der Nordflügel des Kreuzganges. Auch ein Sprechraum, das Auditorium, ist noch nicht eingeplant, da im Kreuzgang noch keine strenge Schweigepflicht herrschte.

Alle anderen Einrichtungen sind um die Klausur herum geplant. Novizenschule und Krankenhaus verfügen gemeinsam über eine eigene kleine Kirche, die im Osten in der Verlängerung der Hauptkirche liegt. Auch der Friedhof liegt im Osten, da aus dieser Richtung das Heil kommt. Werkstätten und Wirtschaftsgebäude, die der Versorgung des Klosters dienen, sind im Süden und Südwesten angeordnet, das Gästehaus liegt westlich der Klosterkirche.

Mit den Klosterreformen des Mittelalters, aber auch der Gründung neuer Orden, differenzierten sich die Anforderungen an die klösterlichen Anlagen. So entwickelte im Laufe der Zeit jeder Orden seine eigenen architektonischen Eigenheiten.

Lesetipps

Theodor Bogler: Maria Laach. Regensburg 1997.

Yves Christe, Hanna Losowska, Roland Recht und Tania Velmans: Handbuch der Formen- und Stilkunde – Mittelalter. Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz 1992.

Joan Evans: Blüte des Mittelalters. Eltville 1986.

Gudrun Gleba: Klosterleben im Mittelalter. Darmstadt 2004.

Clemens Kosch: Kölns romanische Kirchen. Architektur und Liturgie im Hochmittelalter. Regensburg 2000.

Bernhard Schütz: Klöster. München 2004.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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