
- Kloster Bronnbach - Judith Weibrecht
Wie überall so siedelten die Zisterzienser, ein 1098 von Robert von Molesme und anderen im Kloster Cîteaux gegründeter Reformorden der Benediktiner, auch hier am Wasser. Durch die Redegabe des in ganz Europa predigenden Bernhard von Clairvaux, wuchs die Gemeinschaft rasch. Alleine zu seinen Lebzeiten wurden 400 Klöster gegründet. „Kloster Bronnbach war die fortlaufende Nummer 321“, schmunzelt Klosterführer Heinz Wolf, der im Gewand des Jakobspilgers mit Stab, Hut, Umhang und Jakobsmuschel Besucher in die 1222 fertig gestellte, im spätromanischen Stil erbaute Abteikirche mit Barock- und Rokoko-Altären und einer Reliquie des Hl. Jakobus begleitet. Romanische Rundbögen und die teilweise barocke Innenausstattung bilden eine interessante Spannung.
Der Kreuzgang stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Charakteristisch sind auch hier die von Bronnbacher Baumeistern erbauten romanischen Rundbögen aus rötlichem Buntsandstein. Der Josephsaal im Refektorium ist ehemaliger Empfangsraum, verschwenderisch mit Wandbildern, Stuck und Fresken ausgestattet. Im kühlen ehemaligen Cellarium befindet sich heute die Vinothek.
Umgestaltungen und Wechselfälle der Geschichte im Kloster Bronnbach
Das 1151 gegründete Kloster Bronnbach, 1153 durch eine Urkunde Papst Urban III. bestätigt, für das drei Edelfreie ein Gelände gestiftet hatten, erlebte viele Wechselfälle der Geschichte und Umgestaltungen, wurde jedoch immer wieder neu belebt. Die Kirche wurde ab 1157 gebaut, da man sich aber schon in der Übergangszeit zur Gotik befand, nicht in rein romanischem Stil. „Auch südfranzösische Einflüsse finden sich hier, das ist einmalig in Deutschland!“, sagt Herr Wolf. Viele Male wurde hier neu gestaltet und eingerichtet. Zur Blütezeit um 1670 lebten 40 Mönche hier und das Chorgestühl wurde entsprechend ausgelegt. Die um 1770 entstandene Orangerie wiederum ist stark barockisiert. 1803 zu Zeiten der Säkularisation wurde Bronnbach schließlich aufgelöst und dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg zugesprochen. Das Kloster gehörte bis 1985 der Fürstenfamilie und war ziemlich marode und heruntergekommen, erzählt Herr Wolf. „Zum Beispiel war hier eine Brauerei untergerbracht, im heutigen Archiv war das Sudhaus, der Bernhardsaal war mal Pferdestall. ‚Wir lassen das Kloster verfallen’, soll der Fürst wortwörtlich so gesagt haben.“ Herrn Wolfs Großvater hat hier gelebt, sein Vater wurde hier geboren und war Verwalter des Gutshofs. Die Mutter war Kammerzofe. So lernten sich seine Eltern auf Klosterboden kennen. Gibt es eine besonders schöne Erinnerung? „Ja, bei Onkel Seppl und Tante Marie, die auch hier gelebt haben, wurde immer aufgetischt. Die haben sogar die sieben Fürstenkinder mit durchgefüttert, die immer knapp gehalten wurden.“
Kloster Bronnbach heutzutage: Veranstaltungen und Seminare
Heute beherbergt Kloster Bronnbach einige Institutionen und es finden um die 120 öffentlichen Veranstaltungen pro Jahr statt, Konzerte, Ausstellungen, Weinproben. Dazu kommen 340 interne Veranstaltungen wie Seminare oder Hochzeiten. Es ist ein geistiges und kulturelles Zentrum mit 25 Bewohnern, davon vier Patres der „Missionare von der Heiligen Familie“. Herr Wolf im braunen Wollumhang bringt uns zur Tür, öffnet und nimmt Haltung an: „Meine Frau lacht immer über mich, wenn ich Haltung annehme. Diese Unterwürfigkeit dem Fürsten gegenüber habe ich quasi mit der Muttermilch eingesogen.“ Aber in seinem ganzen Berufsleben habe er nie so viel Anerkennung gespürt wie hier, erzählt der 69-Jährige.
Informationen zu Bronnbach im Taubertal
Kloster Bronnbach gehört zu den schönsten Sehenswürdigkeiten des Taubertals. Die ehemalige Zisterzienserabtei aus heimischem Buntandsteinkalk mit sehenswerter Kirche und Kreuzgang und Vinothek liegt in der Nähe von Wertheim im Taubertal in Bronnbach. Direkt hier vorbei und entlang der vielen weiteren Sehenswürdigkeiten im Taubertal, wie zum Beispiel dem Heiligblut-Retabel von Riemenschneider in Rothenburg ob der Tauber, führt einer der schönsten Radwege Deutschlands "Liebliches Taubertal - Der Klassiker".
