Kloster Neuendorf, ein Ortsteil der Stadt Gardelegen in der Altmark, trägt seinem Namen wegen der Bauten des einstigen Klosters der Zisterzienserinnen. Der Ort liegt wenige Kilometer östlich der Hansestadt Gardelegen zwischen Jävenitzer Moor und den Kellerbergen an der Bundesstraße B 188. Hier führte früher einer der wichtigsten Handelswege der Hanse von Braunschweig nach Stendal vorbei.

Die schlichte Backsteinkirche mit dem niedrigen Kreuzgang und einige kleine Klausurgebäude sind noch erhalten. Ein besonderer Schmuck der Kirche sind die kunstgeschichtlich bedeutsamen Buntglasfenster. Sehenswert sind auch einige gut erhaltene Bürgerbauten aus längst vergangener Zeit. Darunter sind das Gutshaus und das Königshaus von 1745.

Die Bauten des Klosters Neuendorf

Die Klosterkirche St. Marien, Benedikt und Bernhard ist ein Saalbau mit glattem Ostabschluss und folgt in ihren Formen den Reformgedanken der Zisterzienser. Der für die Kirchen der Zisterzienser typische Dachreiter wurde 1749 durch einen barocken Turm abgelöst. Der Innenraum wird zu 2/3 durch die Nonnenempore eingenommen. Die erhielt ihre heutige Form im 15. Jahrhundert. 1900 wurde sie um ein Joch verkürzt und an der Stirnseite mit einem Maßwerk aus Tonplatten versehen. Ältestes Stück der Ausstattung ist ein romanischer Taufstein. Die Kanzel wurde im Barock eingebaut. Eine Kostbarkeit sind die acht Fenster mit mittelalterlichen Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert im Chor. Dazu gibt es in der Kirche ein große Zahl von mittelalterlichen Grabplatten.

Die Klausurgebäude des Klosters befinden sich westlich der Kirche. Das Untergeschoss war das Refefektorium, das Obergeschoss das Dormitorium. Von dort gab es einen Zugang zur Nonnenempore in der Kirche. Hier hat sich ein Teil des gewölbten Kreuzgangs erhalten.

Gegenüber der Kirche steht das ehemalige Malz- und Brauhaus. Das um 1860 erbaute Gebäude birgt noch Gewölbe aus der Renaissance. Daneben steht das so genannte Hundeloch von 1561, das u. a. als Gefängnis des Amtes Neuendorf diente. Neben dem ehemaligen Gut steht das barocke Königshaus. Das wurde 1733 vom Baumeister Friedrich Wilhelm Diterichs für Preußens König Friedrich Wilhelm I. als Jagdhaus und Rasthof auf dem Weg nach Westfalen gebaut.

Geschichte des Klosters Neuendorf

Das um 1200 gegründete Kloster Neuendorf wurde 1232 erstmals urkundlich erwähnt. ES galt als Familienkloster derer von Alvensleben. Die hatten einen Stammsitz auf der Burg Isenschnibbe bei der Stadt Gardelegen.

Die Klosterkirche und die Klosterbauten im Stil der norddeutschen Backsteingotik entstanden in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Das Kloster Neuendorf gehörte dank großzügiger Schenkungen der Markgrafen und des märkischen Adels im 14. Jahrhundert zu den größten Grundbesitzern in der Altmark. 18 Dörfer und Teile von weiteren 17 Orten gehörten neben dem großen Wald im Nordteil der Letzlinger Heide dem Kloster.

1289 wurde das Tochterkloster Heiligengrabe in der Prignitz gegründet. 1360 wurde das reiche Kloster Neuendorf wegen rückständiger Zahlungen mit dem päpstlichen Bann belegt. Hintergrund war vermutlich, dass die Aufwendungen für die Ausstattung der Kirche die Möglichkeiten selbst dieses Klosters fast überstiegen. Dann im Gegensatz zu den Regeln des Ordens wurden der Kirche Glasfenster mit Bildmotiven spendiert. Und die waren recht teuer.

Es gab dazu eine weitere von den Ordensregeln abweichende Besonderheit im Kloster Neuendorf. Es war im 14. und 15. Jahrhundert das Hauskloster und die Kirche die Grablege der Familie von Alvensleben auf Kalbe.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging es mit dem Kloster Neuendorf bergab. Von Misswirtschaft, verfallenden Bauten und Zuchtlosigkeit der Nonnen wurde berichtet. 1481 ordnete Erzbischof Ernst von Magdeburg eine Visitation an und unter der Äbtissin Anna von Schulenburg wurde wieder die Ordnung nach den Regeln des Ordens hergestellt.

Die Reformation kam erst mit großer Verzögerung in Neuendorf an. Die Nonnen hielten am alten Glauben fest. Doch 1544 setzte der Kurfürst einen Verwalter ein und ab 1555 war die Klosterkirche die Pfarrkirche des Dorfes. 1579 wurde das Kloster dann zu einem evangelischen Damenstift. Doch die Bauten verfielen. 1810 wurde das Damenstift aufgelöst und die Klosterbauten übernahm eine königlich-preußische Brennerei. 1862 wurde der Ostflügel zum Schulgebäude. Das Gut wurde dann 1834 verkauft.

Literatur

  • Jürgen Weinert und Heiderose Engelhardt: Das ehemalige Zisterzienser-Nonnenkloster Neuendorf in der Altmark. Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2003

Quellen

  1. Hansestadt Gardelegen