Kloster Schäftlarner Kräuterlikör

Benediktiner Mönche brennen Schnaps und Likör im Klosterkeller

Das Kloster Schäftlarn - Kloster Schäftlarn
Das Kloster Schäftlarn - Kloster Schäftlarn
Der Verkaufserlös des "edlen Tröpfchens" aus Kräutern des hauseigenen Prälatengartens fließt in die Renovierung der spätbarocken Klosterkirche ein.

Die Mönche der Benediktinerabtei in Schäftlarn, südlich von München, haben ein „edles Tröpfchen“ in geheimer Rezeptur kreiert. Der Klosterlikör mit acht Kräutern aus dem hauseigenen Prälatengarten ergänzt das klösterliche Spirituosen-Sortiment im kleinen Klosterladen. Die Erträge fließen in die Renovierungskosten der spätbarocken Klosterkirche ein.

Im alten Klosterkellergewölbe steht ein moderner Schnapsbrenner – kupferfarben ist er und hochpoliert. Um ihn herum sind mannshohe Plastikkübel aufgestellt und mit Deckeln verschlossen. Darin sind Mazerate angesetzt. So wird das Verfahren genannt, das beispielsweise in reinem Alkohol eingelegte Kräuter in sechs Wochen zum Likör werden lässt.

Schon seit der Säkularisation 1803 habe man im Kloster Schäftlarn Schnaps gebrannt, erzählt Frater Alto, der seit 2004 für die neue Brennerei zuständig ist. Mit ihr wollen die Mönche eine alte Tradition ihres Klosters wieder lebendig machen und das Wissen weitergeben. Neben verschiedenen Obstbränden gehört der 38-prozentige Kräuterlikör mit der Eigenschaft „halbbitter“ ins klösterliche Spirituosen-Sortiment. „Das Rezept ist streng geheim“, sagt Stefan Rührgartner, der Verwaltungsleiter. Nur eines könne er verraten: „Unter den acht Kräutern ist Salbei, der wohltuend bei Halsbeschwerden wirkt und gut für die Stimmbänder ist.“ Und ganz beiläufig erwähnt er ein altes Heilkräuterbuch von 1626, das man im Kloster Schäftlarn fand. Irgendwie habe es die Auflösung des Kircheninventars während der Säkularisation überstanden. In dem Buch sind Heilkräuter beschrieben und vor allem klostereigene Rezepte aus jener Zeit dokumentiert. „Vielleicht eine Anregung für den nächsten Likör“, überlegt Rührgartner.

Klösterliche Schmankerl

Direkt unterhalb der Hauptpforte ist der kleine Klosterladen im urigen Kellergewölbe. Darin gibt es allerlei Dinge: Weine, Frischbier, Honig, Marmeladen und Spirituosen. Ausschließlich eigene Produkte und solche von anderen Klöstern werden angeboten. Eine Privatinitiative und der Orden selbst kümmern sich um den Verkauf – ehrenamtlich. Der Verkaufserlös des Klosterladens unterstützt die Renovierung der Klosterkirche St. Dionys und Juliana. Von sieben Millionen Euro Kosten für die Instandhaltung der spätbarocken Kirche, die der Freistaat Bayern trägt, muss das Kloster zwei Millionen Euro für die Innenrestaurierung selbst aufbringen.

Das Kloster und sein königlicher Auftrag

Das Benediktinerkloster Schäftlarn liegt etwa 20 Kilometer südlich von München direkt in der Senke des Isarbetts, in unmittelbarer Nähe der Isar und der Pupplinger Au. Die Gemeinde Schäftlarn gehört heute zu dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. 762 wurde das Kloster erstmals erwähnt und ab dem Jahre 1140 bis zur Säkularisation 1803 von den Prämonstratensermönchen bewohnt und bewirtschaftet. 1733 begann der Neubau der Klosterkirche St. Dionys und Juliana nach den Ausführungen des Baumeisters Francois de Cuvilliés d. Ä. Erst 1753 wurde das Bauwerk in seiner heutigen Form vollendet. Die Stuckaturen und Deckenfresken sind Spätwerke des berühmten Hofmalers und Stuckateurs Johann Baptist Zimmermann. Die Altäre und die Kanzel, mit dem Fischzugrelief sind Arbeiten des Münchner Hofbildhauers Johann Baptist Straub.

1865 hat König Ludwig I. die Klosteranlage erworben und ein Jahr später den Benediktinern übergeben. Sie bekamen von ihm den Auftrag sich um die Erziehung und Bildung der Jugend zu widmen. Bis heute erfüllt der Orden diesen königlichen Auftrag. Das Kloster unterhält heute ein Gymnasium mit rund 450 Schülern.

Der Prälatengarten

Der Garten aus dem die acht Kräuter des Klosterlikörs sind, ist umrandet von einer geschwungenen Mauer aus der Barockzeit. Das Zentrum des Gartens bildet ein Springbrunnen. Sein Wasser fließt aus einer Quelle, die im nahen Berghang entspringt. Das unaufhörliche Fließen des Wassers soll das Symbol Gottes ausdrücken. Ebenso wie der kreisrunde Brunnen und die sich ebenso fortsetzenden Wege und Rosenbeete des Prälatengartens. Achtzig verschiedene Rosensorten hegen die Mönche und viele ehrenamtliche Helfer und ebenso den Lavendel, Buchs, Stauden, Sommerblumen und die acht Kräuter des Klosterlikörs.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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