Memleben: Kloster und Kaiserpfalz an der Straße der Romanik

Der hohe Chor der Klosterkirche Memleben - Harald Rossa
Der hohe Chor der Klosterkirche Memleben - Harald Rossa
Memleben war unter den Ottonen ein vom Herrscher oft besuchter Ort. Das Kloster Memleben war das bedeutendste in der Region.

Memleben war im Mittelalter ein bedeutender Ort. König Heinrich I. und Kaiser Otto der Große haben sich beide mehrfach in Memleben aufgehalten. Heinrich I. starb 936 in Memleben. Auch sein Sohn Otto der Große starb 973 in Memleben. Daraus wird geschlossen, dass es in Memleben eine Königspfalz gegeben haben muss. Doch Reste dieser Pfalz sind bis heute nicht gefunden worden. Der Wendelstein mit seiner Burg wird als Standort vermutet.

Das Kloster Memleben

Deutlich realer ist das Kloster Memleben als eine Station an der Straße der Romanik durch Sachsen-Anhalt. Das trägt heuten die Bezeichnung „Kloster und Kaiserpfalz Memleben", hat ein Tor mit einer Kasse und kann besichtigt werden. Hier haben zwar nur einige Bauten die Zeiten überstanden. Doch selbst die Ruinen sind wirklich beeindruckend. Und der Klostergarten ist immer einen Besuch wert.

Geschichte des Klosters Memleben

Nach dem Tod von Kaiser Otto I. im Jahr 973 gründeten sein Sohn Otto II. und seine Gemahlin Theophanu das Kloster der Benediktiner in Memleben. 979 wurde dieses Kloster erstmalig urkundlich erwähnt.

Dem Mönchskonvent war aufgetragen, im Gebet das Andenken an Kaiser Otto I. und an das Stifterpaar zu bewahren. Dank der großzügigen Förderung durch seine Stifter und deren Sohn Otto III., der dem Kloster 994 Markt-, Münz- und Zollrechte verlieh, wurde das Kloster Memleben reich und gehörte zu den vornehmsten Reichsabteien. Zum Ausdruck kam diese besondere Stellung durch die erste Klosterkirche in Memleben. Sie maß 82 Meter in der Länge und 39,5 Meter in der Breite. Damit gehörte sie zu den größten Gotteshäusern im Reich zu ottonischer Zeit.

Schon vier Jahrzehnte nach seiner Gründung verlor das Kloster Memleben seine Stellung als Reichsabtei. Kaiser Heinrich II. unterstellte es im Februar 1015 dem Konvent der Abtei Hersfeld und übertrug Teile des Memlebener Besitzes auf das von ihm neu gegründete Bistum Bamberg. Als Hersfelder Propstei bestand in Memleben weiterhin ein Kloster. Doch war es im Hoch- und Spätmittelalter in seiner Geltung auf die Region Saale-Unstrut begrenzt. Wo es aber nach wie vor zu den bedeutendsten Klöstern gehörte. Der Memlebener Konvent konnte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts neben der Klosterkirche des 10. Jahrhunderts ein neues Gotteshaus und Klausurbauten errichten. Die wurden um 1700 umgestaltet. Von diesen Bauten sind umfangreiche Teile bis heute erhalten.

Nutzung der Klosteranlagen in Memleben nach der Reformation

Mit der Reformation neigte sich das Klosterleben in Memleben dem Ende zu. Am 1. Mai 1525 plünderten aufständische Bauern das Kloster. 1551 wurde der Besitz des Klosters Memleben durch den Kurfürsten Moritz von Sachsen der neu gegründeten Landesschule Schulpforta übertragen. Die Klostergebäude wurden nun vielfältig genutzt und zum Teil abgetragen.

1722 wurde durch einen Blitzeinschlag das Dach der Klosterkirche beschädigt und nicht mehr instand gesetzt. 50 Jahre später war die Substanz der Kirche weitgehend zerstört. Die Mauern wurden nun zum Steinbruch. Am Anfang des 19. Jahrhunderts regte Preußens oberster Baubeamter Karl Friedrich Schinkel, der auch einer der ersten Denkmalschützer war, den Erhalt der Ruinen des Klosters Memleben an. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) folgte diesem Rat und ließ die Krypta durch Sandsteinplatten abdecken. Die Gebäude der ehemaligen Propstei Memleben blieben bis 1945 Eigentum der Landesschule Pforta und wurden von Pächtern bewirtschaftet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Domäne verstaatlicht und war bis 1991 ein volkseigenes Gut. Seit 1991 wurden schrittweise die ehemaligen Klostergebäude für Besucher begehbar gemacht. Heute hat hier das Museum „Kloster und Kaiserpfalz Memleben" seinen Standort und zieht Besucher von nah und fern an.

Ausstellungen im Kloster Memleben

Mehre Ausstellungen beschäftigen sich mit Teilsaspekten zur Entwicklung des Klosters Memleben:

  • Unter dem Titel „Memleben - Sterbeort Kaiser Ottos des Großen“ wird die Geschichte des Ortes seit dem Mittelalter dargestellt. Schwerpunkte sind die Bedeutung des Herschergeschlechtes der Ottonen für Memleben und das im 10. Jahrhundert gegründeten Benediktinerkloster.
  • Die „Baugeschichte des Klosterbezirkes“ wird in einem eigenen Ausstellungsteil ausführlich dokumentiert.
  • Im Skriptorium wird die Herstellung von Büchern m Mittelalter gezeigt. Alle Arbeiten von der Herstellung von Papier und Tinten bis zum Schreiben der Texte durch die Mönche werden im Rahmen dieser Ausstellung abgehandelt.
  • Ein weiterer Ausstellungsteil beschäftigt sich mit dem Alltag der Mönche und ihrem Leitwort „ora et labora“.
  • Der Ausstellungsbereich „Vinest“ ist im Abtshaus unter den mittelalterlichen Resten des westlichen Kreuzganggewölbes zu finden. Hier ist der Wein das Thema. Denn die ältesten Zeugnisse des Weinanbaus in der Region Saale-Unstrut führen in das Benediktinerkloster Memleben. Die kleine Ausstellung präsentiert sechs kleine Weinanbaugebiete Europas.

Der neue Klostergarten

Der Klostergarten in Memleben folgt in seiner Anlage den mittelalterlichen Vorbildern. Zahlreiche Hochbeete, ein Flechtzaun und sogar ausgewählte Pflanzen des 10. Jahrhunderts können hier in historisch nachempfundener Umgebung betrachtet und deren Duft zur Blütezeit genossen werden.

Lage und Anreise

Das Klostergelände ist im Ort Memleben nicht zu verfehlen.