Knight and Day – Actionkomödie mit Tom Cruise und Cameron Diaz

Unterhaltsame Actionkomödie ohne Anspruch: Geheimagent Tom Cruise ("Krieg der Welten") rettet in James-Bond-Manier die Welt und Herzensdame Cameron Diaz.

Gleich zwei Déjà-vu-Erlebnisse auf einmal bietet der Actionkracher „Knight and Day“: Zum einen Tom Cruise als unbesiegbaren, stets die Fassung bewahrenden Geheimagenten in der Tradition eines von Sean Connery oder Roger Moore verkörperten James Bond. Spätestens seit „Mission: Impossible“ keine ungewöhnliche Rolle für den umstrittenen Strahlemann.

Zum anderen gemahnt der von James Mangold inszenierte Streifen an die Begleitumstände des 1993 in den Kinos angelaufenen „Last Action Hero“ des damaligen Box-Office-Königs Arnold Schwarzenegger. Nach einer Reihe enorm erfolgreicher Filme versank das Actionspektakel in globaler Kritikerhäme und blieb weit hinter den Einspielerwartungen zurück.

Nicht viel besser ergeht es fast zwei Jahrzehnte später Tom Cruise. „Knight and Day“ wurde von der Kritik durchwegs abgewatscht und konnte nicht an die finanziellen Erfolge seiner Welthits „Mission: Impossible“ oder „Krieg der Welten“ anknüpfen. Dabei erweist sich auch hierbei das verrissene Werk als bei weitem nicht so mies, wie beinahe einhellig von den Medien lanciert.

„Knight and Day“ in Salzburg? Buenos Diaz!

Eigentlich will Mechanikerin June Havens (Cameron Diaz) nur einen Flug in jene Stadt antreten, in der ihre Schwester heiraten soll. Doch das Schicksal in Form des attraktiven Roy Miller (Tom Cruise) macht ihr mittels durchaus beabsichtigten Remplers einen Strich durch die Rechnung. Denn was June nicht ahnt: Der Feschak ist ein vom FBI wegen Verrats gesuchter Geheimagent und hat den Prototypen eines streng geheimen Forschungsprojekts in Junes Gepäck versteckt, um diesen durch die Sicherheitskontrollen zu schleusen.

Auch an Bord der mit nur wenigen Passagieren besetzten Linienmaschine zeigt sich die Blondine ahnungslos naiv. Erst als sie entsetzt feststellt, dass Roy sämtliche Passagiere sowie die Piloten erschossen hat, geht ihr ein Licht auf. Zu spät: Bis über den Hals steckt sie bereits in einer Spionageaffäre internationalen Ausmaßes und weiß schon bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Ist Roy tatsächlich der aufrichtige Mann, für den sie ihn hält? Oder spielt er nur ein übles Spiel mit ihr und ist in Wahrheit ein fieser Landesverräter? Die Antwort auf ihre Frage liefert eine aufregende Reise an Roys Seite, die von den USA über die Azoren bis nach Salzburg und Spanien führt.

Cruise Control in „Knight and Day“ auf Höchstgeschwindigkeit

„Knight and Day“ ist ein ehrlicher Film und macht von Anfang an klar, was den Zuschauer während der rund zwei Stunden langen Hetzjagd über den halben Globus erwarten wird. In erster Linie Tom Cruise, der den Streifen ganz klar dominiert und prägt. In zweiter Linie darf sich das Publikum auf eine durchaus gelungene Actionkomödie freuen, bei der es nur eine Geschwindigkeit gibt: Höchsttempo bis zum Anschlag! Schon nach wenigen Minuten muss Cruise an Bord einer Linienmaschine mehrere Agenten ausschalten und mangels noch atmender Piloten das Metallvögelchen persönlich landen.

Präsentiert wird all dies mit dem nötigen Augenzwinkern, um den Plot genauso wenig ernst zu nehmen wie einen beliebigen James-Bond-Film. Wer sich in Arnold Schwarzeneggers legendärem Actiontrash „Phantom Commando“ wunderte, wie dutzende ausgebildete Söldner einen wenige Meter vor ihnen stehenden Hünen bei Tageslicht verfehlen können, darf sich in „Knight and Day“ an Szenen erfreuen, in welchen der Hauptdarsteller aufrechten Ganges und völlig ruhig durch einen Kugelhagel spaziert, ohne auch nur einen der im Genre beliebten Streifschüsse zu erleiden.

Zirkusshow für Erwachsene

Offen und ehrlich wie selten zuvor, präsentiert sich ein Big-Budget-Kracher als Zirkusshow für Erwachsene, die alle gewünschten Sensationen bietet: Ein attraktives Paar in den Hauptrollen, Explosionen, Sprünge aus großen Höhen oder von einem dahinbrausenden Auto auf dem Highway zum nächsten, böse Jungs, wilde Tiere – hier: Stiere – und zum Drüberstreuen einige Lacher und natürlich den obligatorischen Showdown.

Dass das Spektakel ohne Netz und doppelten Boden auskommt, versteht sich von selbst: Die Computertechnik macht mittlerweile so gut wie alles möglich! Leider schwächelt „Knight and Day“ ausgerechnet in diesem Punkt gehörig: Angesichts eines kolportierten Budgets von weit über 100 Millionen Dollar überraschen einige nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Spezialeffekte.

Drehbuch ohne den zündenden Dreh

Neben den szenenweise eher zweitklassigen Spezialeffekten erweist sich das Drehbuch als Schwachstelle. Die routiniert flotte Inszenierung von James Mangold („Walk the Line“, „Identity“) kann über das flaue Script nur bedingt hinwegtäuschen. Als hätte der verantwortliche Drehbuchautor Patrick O'Neill die Story rund um die Schauplätze herum entwickelt, führt die Flucht von Cruise und Cameron zwar zu exotischen Orten wie Salzburg – in der hiesigen Synchronisation am grausigen Pseudo-Dialekt zu erhören – oder in eine spanische Stierkampfarena.

Viel Sinn ergibt diese Rundreise abseits der Schauwerte jedoch nicht, zumal sich O'Neill auch noch erdreistet, dem Zuschauer die Reisen vorzuenthalten, indem Cameron Diaz jeweils erst am Zielpunkt erwacht, nachdem sie absichtlich oder unabsichtlich außer Gefecht gesetzt wurde. Schließlich wirft dies die Frage auf, wie es der sowohl von den Behörden, als auch von Waffenhändlern gesuchte Tom-Cruise-Charakter schafft, mühelos und unerkannt per Flugzeug zu reisen – samt bewusstloser Begleitung ...

„Knight and Day“: Belanglos, aber unterhaltsam

Sei’s drum: „Knight and Day“ kann zwar weder mit einem ausgeklügelten Drehbuch, noch mit revolutionären Effekten glänzen, überzeugt aber letztendlich durch die makellose Regiearbeit Mangolds und vor allem das bestens aufgelegte Protagonisten-Duo. Wie schon in ihrer ersten Zusammenarbeit „Vanilla Sky“ stimmt auch in „Knight and Day“ die Chemie zwischen den Superstars Tom Cruise und Cameron Diaz, was sich auf den Zuschauer überträgt, so dieser geneigt ist, das Drehbuch nicht auf die Goldwaage zu legen. Nach fast zwei Stunden dürfte die Handlung zwar schon wieder beinahe völlig vergessen sein. Doch was bleibt, sind einige witzige Dialoge, viel Action und ein sympathisches Darstellergespann, das hoffentlich in dieser Konstellation bald wieder auf der Leinwand zu sehen sein wird.

Fazit: Hervorragende Unterhaltung mit inhaltlichen und tricktechnischen Schwächen. Das genau Richtige für einen locker-leichten Filmabend für Herz, Hirn und Verstand.

Originaltitel: „Knight and Day“

Regie: James Mangold

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 109 Minuten

Verleih: 20th Century Fox

Deutscher Kinostart: 22. Juli 2010

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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