Knut, der Eisbär, bekommt eine Untermieterin

Knut, eine Handaufzucht, lernt von Gianna endlich Eisbärisch

Knut am Gitter - ChristinaM
Knut am Gitter - ChristinaM
Ein Bericht über die erste Zeit des Zusammenführens von Knut, dem Eisbären, und Gianna, einer jungen Eisbärin aus dem Zoo München.

Nachhilfestunden im Fach: Eisbärisch, so könnte man die ganze Geschichte übertiteln, denn wie lernt ein Eisbär, eine Handaufzucht, fixiert auf Menschen, wie man mit seinen Artgenossen kommuniziert? Ein Bericht über das mühsame Erlernen des Eisbären-ABCs.

Erste Begegnung mit einem fremden Eisbären? Sich Respekt verschaffen, ohne aggressiv zu sein? Wie zeigen, dass man in Spiellaune ist?

Eine schöne Studie am Bespiel von Knut und Gianna aus dem Zoo Berlin.

Die Knut-Freunde waren schon verzweifelt. Nun wurde der Bär bald drei Jahre alt und noch immer hatte er keinerlei Kontakt zu anderen Eisbären erhalten. Seine günstigste Sozialisierungsphase war ungenützt verstrichen. So gut ihn Thomas Dörflein, sein menschlicher Ziehvater , auch auf sein Leben vorbereitet hatte, einen Eisbären konnte er ihm nicht ersetzen. Da geschah es doch noch. Zuerst brodelte die Gerüchteküche.

Chronologie der Ereignisse: Ein Eisbär kommt nach Berlin

Schon im Frühjahr 2009 wurde gemunkelt, dass die Eisbärengruppe aus dem Münchner Zoo vorübergehend in Berlin Quartier nehme würde. Es handelte sich um die alte Eisbärin Lisa – Knuts Oma, Yoghi , einem Männchen und Giovanna , auch Gianna genannt, eine Eisbärin in Knuts Altersgruppe. Ob man die beiden nicht zusammen führen könnte – damit Knut endlich von einem Eisbären Eisbärisch lernt? Eine Fremdsprache, die er bis dato durch seine Aufzucht von Thomas Dörflein ja noch nie kennen gelernt hatte.

Die Bären sind da

Anfang September wurden aus den Gerüchten konkrete Ankündigungen. Am 8. September war es dann soweit, die Bären aus München waren in Berlin eingetroffen. Giovanna, kurz Gianna genannt, zog zunächst in eines der Innengehege im Bärenfelsen.

Zoo-Kurator Heiner Klös: „Zwei fremde Bären kann man nicht gleich aufeinander loslassen: Sie müssen sich durch ein Schmusegitter erst mal beschnuppern können.“ Nun ist das mit den Bären so eine Sache. Die müssen sich erst an die neue Umgebung gewöhnen, an die neuen Pfleger, deren Befehle und da man so einen ausgewachsenen Eisbären ja nicht unter den Arm nehmen kann, um in aus dem Gehege wieder rein zu holen, muss man sie durch das Füttern wieder in ihre Höhle locken können.

Gianna allerdings fraß die ersten Tage gar nichts. Dann endlich mal ein paar Kekse. Was sie gerne machte, war planschen. Knut war die ersten Tage zwar draußen auf seinem Gehege, allerdings merkte man ihm an, dass sich einiges geändert hatte. Er schnupperte, beobachtete, spielte kaum, war sichtlich beunruhigt.

Erster Ausgang im Zoo Berlin

Nach 14 Tagen endlich war Gianna erstmals öffentlich zu sehen. Knut bekam am 23. September für einige Tage Hausarrest. Er wurde jedoch hinter den Kulissen von seinen Pflegern nach Strich und Faden verwöhnt und bespaßt, um Gianna zum Kennen lernen das Revier zu überlassen. Gianna , die noch vor der Öffnung des Zoos um 7 Uhr bereits auf die Anlage durfte, wirbelte über ihr neues Territorium. Ein Sprint über die Anlage, ein Hechtsprung ins Wasser, ein wahrer Orkan fegte da durch den Berliner Zoo.

„Da wird sich Knut aber warm anziehen müssen. Oder lernen müssen, dass er ein Eisbär ist!“ So lauteten die Kommentare der täglichen Knut-Besucher. Als Knut einige Tage später wieder auf der Anlage war, folgte er mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen all den fremden Gerüchen.

Zum 1. Mal gemeinsam auf der Anlage

Am 29. September 2009 war es endlich soweit.

Die Meldung: „Knut und Gianna sind gemeinsam auf der Anlage“, ging durch die Presse, die Blogs und Foren.

Die Schieber wurden hochgezogen. Oben auf dem Felsen wachten 2 Pfleger über die Bären, jederzeit zum Eingreifen bereit. Knut und Gianna betraten die Anlage. Sie beschnupperten sich vorsichtig. Knut fasste ziemlich unmittelbar darauf eine Backpfeife von Gianna aus. Knut, eingeschüchtert, zog sich zurück. Schon Thomas Dörflein hatte beobachtet, dass Knut Unbekanntem gegenüber vorsichtig und zurückhaltend, manchmal sogar etwas ängstlich war. „Allerdings gibt er solange keine Ruhe, bis er mit dem Unbekannten zurecht kommt.“, lautete sein Nachsatz. Eigentlich ein kluger Schachzug von dem Bären.

Knut war dieses fremde Wesen nicht ganz geheuer. Als er wieder alleine auf der Anlage war, schlich er im Zeitlupentempo über das Gelände. Gianna wusste, wie man sich gegen Artgenossen durch setzt, und Knut, der sanftmütige, eben noch nicht. Knut bekam an diesem Tag seine ersten Lektionen in Eisbärisch.

Mit Bangen und Hoffnung schauten alle, Pfleger und Besucher, , auf die beiden Eisbären und die kommenden Wochen. Wie würde sich die Sache entwickeln? Hoffentlich zum Guten. Die den Artikel begleitenden Fotos haben wir den unermüdlichen Knut-Fotografen und Fotografinnen zu verdanken.

Knut am 19. März 2011 gestorben

Ein abschließender Artikel, der seine besondere Persönlichkeit noch einmal hervor hebt.

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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