
- Knutzeichnung - Adele Sansone
Die Geschichte von Knut ist geprägt von großer Freude und Leichtigkeit, aber auch umschattet von Trauer. Echtes Leben, das sich nicht an gewünschte Drehbücher hält. So wird dieser 5. Dezember 2011 sicher zu einem Gedenktag werden, ob der Zoo es so möchte oder nicht.
Die bisherigen Geburtstage von Knut - ein Fest für die Fans und den Bären
Eine Holzkerze, Symbol und gleichzeitig Spielzeug, Jutesäcke, alles vor dem entzückten Publikum; der erste Geburtstag wird auch vom Zoo zelebriert. Auch der zweite Geburtstag, auch der Dritte werden gebührend gefeiert. Die Anziehungskraft des nun nicht mehr ganz so kleinen Bären hält immer noch an. Beim dritten Geburtstag muss man die neue Mitbewohnerin Giovanna kurzzeitig mal wegsperren, damit sie dem Geburtstagskind nicht die Geschenke klaut. Auch der vierte Geburtstag wird, obwohl mit deutlichem Grummeln von Zoodirektor Blaszkiewitz als Begleitmusik, noch gebührend gefeiert. Einen Fünften gibt es nicht mehr.
2006 - Die Geschichte von Knut, dem putzigen Eisbären, in trockenen Fakten
Am 5. Dezember 2006 kommt Knut gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ernst zur Welt. Die Eisbärin Tosca, ihre Mutter, versucht einige Zeit vergeblich die Jungen anzulegen und scheitert. Der zuständige Tierpfleger Thomas Dörflein entschließt sich die Neugeborenen mit einer Stange aus dem Käfig zu holen und legt sie in den Brutkasten. Man beschließt, die Eisbärjungen mit menschlicher Unterstützung am Leben zu halten. Ernst stirbt am 3. Lebenstag, Knut aber kämpft sich mit Hilfe von Thomas Dörflein und Tierarzt Dr. Schüle durch.
"Rund um die Uhr" Betreuung für ein Eisbärenkind namens "Knut"
Thomas Dörflein wird von einem Tag auf den anderen "Ziehmama/Ziehpapa" von einem Eisbärenkind. Das Junge will anfangs im Zweistundentakt gefüttert, versorgt, gepflegt, gewärmt, schlicht am Leben erhalten werden. Die Kollegen übernehmen die Dienstpflichten von Thomas Dörflein mit, aus der Bärencrew wird die Mannschaft "drei Männer und ein Eisbärbaby", erweitert um den Tierarzt Dr. André Schüle, der auch noch die fotografische Dokumentation übernimmt.
Am 31. Dezember 2006 öffnet das Eisbärbaby erstmals seine Augen. Ein besonderer Moment für den wortkargen verschlossenen und erfahrenen Tierpfleger Thomas Dörflein: "Wenn einen das Tier aus seinen Knopfaugen so ansieht, dann ist es um einen geschehen!" Das meint der sonst knochentrockene Thomas Dörflein auf die wiederholten Fragen, wie man sich seinen unermüdlichen Einsatz für dieses kleine Lebewesen erklären könne.
2007 - Knut - Fernsehstar (rbb), Filmstar, Zoostar
Jänner 2007: große Männerhände, die ein Eisbärbaby und ein Milchfläschchen halten. Eine weiche Babybürste, die das Bäuchlein eines rosa-weißen Fellknäuels massiert. Diese Bilder prägen sich ein beim Publikum. Knut und sein Ziehpapa erobern die Herzen der ganzen Welt. Die ersten Videos, bald im wöchentlichen Takt, berichten von ersten Gehversuchen, vom Spielen, vom Zahnen. Vom Umzug in die größere Kiste, der Zuschauer ist immer quasi "live" dabei.
Der erste öffentliche Auftritt am 23. März 2007 wird zum Medienspektakel, wie es sich keiner in den kühnsten Träumen erwartet hätte. Für den Zoo war der Goldesel Knut geboren, inklusive Filme mit und über Knut. Ein Boom, der lange anhalten sollte.
2008 - 22. September 2008 - der erste Schock - Thomas Dörflein stirbt völlig unerwartet.
Blogs und Foren rund um Knut, der rbb als Heimatsender, alles herzerwärmend in einer eher kalten Zeit. So hätte es endlos weitergehen dürfen. Doch am 22. September 2008 stirbt Thomas Dörflein. Ein Schock. Wie geht es mit Knut weiter? Verkraftet er, knapp zweiährig den Verlust seiner Bezugsperson? Glücklicherweise treffen die betreuenden Pfleger Ronnie Henkel, Marcus Röbke und Sylvia Weckert die richtigen Entscheidungen. Knut, der noch Monate früher herzergreifend nach seinem Papi jammerte, wenn der freihatte, wird bespaßt, mit den alten Kleidern von Thomas Dörflein als Geruchserinnerung versorgt und insgesamt gut über die Runden gebracht.
2009 - Knut und seine eisbärischen Kontakt-Versuche mit Giovanna
Von September 2009 bis Juli 2010 dauert die Periode der eisbärmäßigen Angewöhnung. Knut, von Menschenhand aufgezogen, lernt, wenn auch etwas holprig, endlich eisbärisches Benehmen und Eisbärsprache. Doch das Zusammensein ist nicht auf Dauer angelegt, da der Zoo Berlin für Giovanna nur als Ausweichquartier geplant war.
2010 - Knut und die drei Damen, Tosca, Katjuscha und Nancy
Fast ist man als Zoobesucher der Ansicht, dass Knut die wieder erlangte Einsamkeit genießt. Da beschließt die Zooleitung ihn endgültig mit den drei älteren Eisbärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha zu vergesellschaften. Ob dies eine wirklich weise Entscheidung ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist, dass Knut anfänglich zwar gut mit einer Eisbärin, in diesem Fall Tosca, zurechtkommt, aber durch drei Bärinnen vielleicht etwas überfordert ist. Zeiten der Ablehnung, aber auch des Annäherns wechseln sich ab. Dass es möglicherweise da bereits Anzeichen einer Erkrankung gibt, die durch die schwierigen Umstände übersehen werden, ist ebenfalls möglich.
Tragisch ist auch der Umstand, dass der Zoo Berlin hinter den Kulissen bereits die Weichen für ein junges Eisbärmädchen, als besser passende Partnerin für Knut stellt. Tonja kommt auch nach Berlin - allerdings zu spät. Da ist Knut bereits seit Monaten tot.
2011 - 19. März 2011 - Knuts letzter Lebenstag im Zoo Berlin
Es ist der Tag des Supervollmonds, da geschieht das kaum Fassbare: Knut, der sich alleine auf der Anlage befindet, dreht sich mehrfach im Kreis, kollabiert, stürzt in den Wassergraben und ertrinkt.
Aufgrund einer Gehirnentzündung, die durch eine Infektion ausgelöst worden war, sei er ins Wasser gefallen und ertrunken. Auch das Rückenmark sei durch die Entzündung krankhaft irreparabel geschädigt gewesen, verlautbaren Zoo Berlin und das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Nach dem auslösenden Virus wird nach wie vor gesucht . Auch wenn diese Auskunft nicht befriedigend ist, rechtfertigt es nicht solche Aktionen, soferne nicht dichterisch übertrieben wurde.
Was bleibt von Knut, dem Eisbären aus Berlin?
Vielleicht ein Denkmal. Als kleiner Trost für seine Anhänger, als Erinnerung, wie auch bei anderen verstorbenen Zoolieblingen. Als Dank vom Zoo für sein Zugpferd, denn er war unbestreitbar eine besondere Tierpersönlichkeit. Wo das versprochene Denkmal ist? Fragen Sie den Zoo!
Viele Tierfreunde haben durch Knut das nahe Wunder Zoo wieder entdeckt, viele auch neues Umweltbewusstsein entwickelt. "Die Liebe des Menschen zu wilden Tieren ist auch die Liebe zum verlorenen Paradies." (Helge Timmerberg) Leider fiel die Tür zum Paradies wieder zu.
Happy Birthday Knut und sei es auf Wolke Sieben. Danke, dass du da warst.
