Kochen im Wandel der vergangenen 30 Jahre

Hinter den Kulissen – damals und heute

Früher kochten Restaurantköche anonym. Auch das Interesse der TV-Zuschauer beschränkte sich in den Anfängen der Kochkunst auf wenige, kurze Sendungen im Vorabendprogramm.

In den 1970er-Jahren, als sich die Esskultur in Deutschland ganz langsam von den „Sauerbraten-Rotkohl-Klöße"-Sattessern der Nouvelle Cuisine zuwandte, waren die meisten Köche nur namenlose Statisten, die schwitzend im Hintergrund agierten. Nie wäre ein junger, aufstrebender Küchenchef auf die Idee gekommen, Gäste zu begrüßen - geschweige denn im Restaurant Empfehlungen auszusprechen oder die berühmte „Runde" zu drehen. Man agierte möglichst lautlos und unsichtbar hinter den Kulissen. Und wenn es Lorbeeren zu verteilen gab, war es die schwarzbefrackte Brigade des Service, die das Lob der zufriedenen Gäste bekam. Kein Mensch wäre in dieser Zeit auf die Idee gekommen, Köche, das Kochen und alles, was in irgendeiner Form damit zusammenhängt, im Fernsehen zu zeigen.

Niemand behauptete mit Stolz, ein Koch zu sein

Der Beruf des Kochs galt damals als wenig chic und der einzige, der es seinerzeit ins Rampenlicht der Öffentlichkeit bzw. ins Fernsehen geschafft hat, war Max Inzinger - der Held meiner Jugend. Der Verbündete der deutschen Hausfrauen. Hier erfuhr die moderne „Dienstmagd" der damaligen Zeit zwischen Drehscheibe und Vorabend-Werbung die neuesten Tricks und Tipps zum Thema „ wie gelingt mir der perfekte Toast Hawaii" oder „wie kreiere ich einen besonders schönen Käse-Igel".

Vom Toast Hawaii zur gebratenen St. Jakobsmuschel

Und die Menschheit war zufrieden - kannte man doch nichts anderes. Frankreich und die französische Küche mit all den feinen und unbekannten Speisen und Zutaten war Lichtjahre entfernt. Kaum einer wagte sich vorzustellen, wie Froschschenkel wohl schmecken könnten. Und der nichts Ahnende ertappte sich bei der Zubereitungs-Fantasie von Weinbergschnecken. Man hörte das damals nur von Freunden und Bekannten, die schon kulinarische Erfahrungen gesammelt hatten. Außerdem gehörte eine gewisse Portion Wagemut auch dazu, die Tiere zu essen, mit denen man als Kind möglicherweise gespielt hat. Da hieß es dann: „Wir waren in Frankreich zum Schnecken essen". Das klang dann so unerreichbar, nach Noblesse und großer, weiter Welt. Und der geschmacklichen Fantasie war bei diesem Ausspruch keine Grenzen gesetzt.

Heutzutage bringen einen diese Erinnerungen zum Schmunzeln - bekommt man doch schon in fast jeder Tankstelle Schnecken in Dosen, tiefgefrorene Garnelen oder ähnliche „Delikatessen". Selbst Fast-Food-Ketten bieten verschiedene Varianten von Fisch und Meeresgetier an, wenn auch meist seltsam verpackt mit süßlich-pappigen Fertig-Soßen, die einem sehr schnell das Grauen lehren können.

In der heutigen Zeit gilt der Beruf des Kochs als cool

Und auch die TV-Landschaft hat sich im Bezug auf das Kochen und kulinarische Themen dramatisch verändert. Heute sehen wir auf fast allen Kanälen junge und auch in die Jahre gekommene, smarte Koch-Eleven in blütenweißen oder auch modisch-chicen schwarzen Designer-Kochjacken, übersät mit Sponsoren-Buttons in hochglanzpolierten Edelstahl-Küchen. Von Schweiß keine Spur, die Herren lassen vorbereiten und sind nur noch die coolen Vollender. Wobei auch hier bei genauerem Hinsehen der eine oder andere bisweilen schwere handwerkliche Faux-pas fast schon die Regel ist. Die Hilflosigkeit der großen Küchenchefs ist plötzlich ganz nah. Doch leider kommt es nicht unbedingt auf das Können an. Nein, viel wichtiger ist eine professionelle Bühnenpräsenz und auf keinen Fall vergessen: Das neue Kochbuch vorstellen! Richtig interessant wäre es, eine echte Live-Koch-Show mit den so genannten Profi-Köchen zu sehen. Ohne Netz und doppelten Boden. Man kann sich vorstellen, was bei diesen ganzen Koch-Sendungen von den TV-Sendern herausgeschnitten bzw. nachbearbeitet wird. Insbesondere dann, wenn der Profi-Koch gegen den Amateur antritt. Wobei es bestimmt lustig wäre, ein "Making of" zu sehen, mit allen Pannen und Fehlern, die passieren, wenn Menschen arbeiten.

Helmut Riegel, Helmut Riegel

Helmut Riegel - Im Jahr 1977 begann ich eine Ausbildung zum Koch. Die Leidenschaft am Kochen entdeckte ich jedoch schon viel früher: Mein erstes ...

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