
- Sommer 2011: Weihnachten in der Kö-Galerie - Jörg Tilmes
Am Abend des 08. Juli 2011 eröffnete die aserbaidschanische Schmuckdesignerin und Autorin Leyla Jafarova an der Einkaufsmeile Königsallee in Düsseldorf ihre europaweit erste Niederlassung. Während die Marke Jafarov mit 120 handverlesenen Gästen glanzvoll ihr Debüt feierte, zeugte ein Besuch in der nur wenige Meter entfernten Kö-Galerie von einer weitaus negativeren Entwicklung: Neue Herren der von Star-Architekt Walter Brune entworfenen und gebauten Luxusmall strafften das Design, glätteten die Architektur, raubten dem Haus charakteristische Merkmale und zeugten durch die Präsentation von Weihnachtsschmuck an einem hochsommerlichen Abend von Inkompetenz. Eine Momentaufnahme mit den entsprechenden Fotos dazu.
Die Entstehung der Kö-Galerie
Bauherr und Architekt Walter Brune eröffnete seine Kö-Galerie im Jahr 1986. Das Objekt bietet drei Etagen mit Ladenlokalen, zahlreiche Büroetagen und einen, Platz für 1.000 Autos bietenden, Tiefgaragenkomplex. Von der Gesamtfläche mit 54.500 Quadratmetern entfallen rund 24.000 Quadratmeter auf die Ladenflächen. Die Kö-Galerie erhielt ihren Namen durch ihre Lage an der Königsallee, die im Volksmund kurz Kö genannt wird. Die zur Zeit der Eröffnung gewählten Materialien Marmor, bildhauerisch bearbeiteter Sandstein und messing- sowie goldfarbenes Metall entsprachen dem seinerzeit gebräuchlichen Stil der mittleren 1980er Jahre. Doch auch in 2011 hätten sie von ihrem als edel empfundenen Look nichts eingebüßt, doch neue Herren führten fragwürdige Änderungen herbei.
Walter Brune hat sein Vorzeigeobjekt im Jahr 2006 an ein Joint-Venture unter Führung der Investmentbanking-Gesellschaft Merrill Lynch verkauft. An diesem Geschäft beteiligt ist die Firma ECE, die sich auf das Betreiben solcher Einkaufsmalls versteht. Der Herbst 2011 wurde als Datum dafür festgelegt, die seit 2009 bei laufendem Betrieb durchgeführten Renovierungsarbeiten abzuschließen, nach deren Ende die neuen Eigentümer den Düsseldorfern einen neuen Look versprachen. 40 Millionen Euro sollen kalkuliert sein, so ein Fachmann, doch die Optik des einst edlen Hauses wandelt sich in Richtung Billig-Shop. Allein der Ersatz der teuer wirkenden, durchsichtig gebauten Hydraulik-Aufzüge gegen profane Rolltreppen schockiert die Stammkunden.
Kö-Galerie: Umbau, Eindruck, neue Mieter
Suite101.de hatte am Abend der Eröffnung der Schmuckmanufaktur Jafarov in der Kesting-Galerie im Hause Königsallee 36 die Gelegenheit genutzt, der Kö-Galerie einen Besuch abzustatten. Die Bauarbeiten waren zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange; im Haupteingangsbereich aus Richtung Königsallee hingen die Kabel von der Decke. Das Gold und Messing ist weitestgehend verschwunden und einem schnell Dreck annehmenden Weiß an den Decken gewichen. Die schönen Aufzüge, mit denen sich der Kunde auf stilvolle Weise zwischen den drei Etagen bewegen konnte, wichen billig aussehenden Rolltreppen. Dort, wo einst die beliebte Gourmet-Etage im Basement – Marché von Mövenpick – ihre Gäste empfing, finden sich nun ein Drogerie- und Supermarkt.
Marché verließ schon früher den Ort, an dem 20 Jahre erfolgreich Besucher verköstigt wurden. Zu hohe Forderungen des Vermieters sollen die Schweizer Betreiber bei den Verhandlungen zu einem neuen Mietvertrag verscheucht haben. Die Nachfolge-Gastronomie floppte; das dort eingerichtete Lichtburg-Kino musste mit der Neugestaltung dem Drogeriemarkt DM und der Supermarktkette Rewe weichen. Vom Chic und Charme des Speisens in der Kö-Galerie ist nichts mehr übrig. Der Durchgang zur Haupthalle der Sparkasse Düsseldorf an der Berliner Allee wurde geschlossen. Das im Seitenflügel zur Steinstraße hin beheimatete Einrichtungshaus von Ernesto Mezei – unter einem Betondeckel verschwunden.
Änderungen in der Gestaltung der Kö-Galerie
Mezei war über viele Jahre lang ein beliebter Paradiesvogel im noblen Einkaufshaus und bediente zahlreiche prominente Kunden wie Claudia Schiffer oder Hape Kerkeling. Aus dem Keller ins Obergeschoss vertrieben, rechnete sich der Laden nach Angaben eines Informanten nicht mehr. „Wir wissen nicht, wo der hin ist“, so eine Mitarbeiterin am Informations-Counter in der Kö-Galerie zu Suite101.de; unwissend, uncharmant, nicht hilfreich. Zwar haben sich mit den Läden Hut Couture, Aigner, Björn Borg, Offermann und Sonja Kreis neue Mieter in der Kö-Galerie eingefunden, aber den Charme hat das Haus durch den Wegfall architektonischer Details wie die obere kleine Mall, die Aufzüge und die Restaurants im Basement verloren.
„Die Begradigung der Ladenfronten im Obergeschoss rauben der Kö-Galerie jeden architektonischen Pfiff“, so ein Fachmann auf Rückfrage zu den Änderungen: „Die Supermärkte im Basement verleihen der Kö-Galerie einen Billigheimer-Charakter, wie sie ihn nie zuvor hatte.“ Zwar gab es auch zuvor in dem Seitenflügel zur Grünstraße einen Supermarkt der Marke Kaisers, doch fiel der optisch weit weniger unangenehm auf, so der Makler: „Die Rolltreppen sehen furchtbar aus und zerschneiden die räumliche Größe des Foyers; der Entfall des Durchgangs zur Sparkasse ist ein Tritt in den Hintern gegenüber Kunden, die Service erwarten. Die haben keine Ahnung vom Charme und Grundgedanken der Kö, die neuen Macher.“
Kö-Galerie: Verlust an Volksnähe
Dass das Haus für seine Dekoration schon im Hochsommer 2011 Weihnachtsschmuck nutzt, sorgte beim Fachmann nur für ein verständnisloses Kopfschütteln: „Bei denen ticken die Uhren offenbar ganz anders als bei den Düsseldorfern.“ Deutliche Worte, unterlegt durch das Titelbild zu diesem Artikel. Und abschließend ergänzt mit der Feststellung, dass die Kö-Galerie an Luxus, an Charme, an Angebotsvielfalt und durch den Entfall der großen Gastronomie auch an Volksnähe verloren hat: „Marché in der Kö-Galerie, das war die legitime Nachfolgerin des Benrather Hofes, wo sich Hinz und Kunz mit Schicki und Micki verstanden und bestens versorgt gefühlt haben. Alles weg jetzt. Und nun?“ Der Fachmann meint, dass die Einkaufsmeile Königsallee um eine Attraktion ärmer sei.
