Köln für Müßiggänger

Laisser faire hat in der rheinischen Metropole Tradition

Köln zieht Touristen und Geschäftsleute aus der ganzen Welt magisch an. Wenn auch der Dom die Hauptattraktion ist, so hat die Stadt wesentlich mehr zu bieten.

Sogar das Straßenpflaster birgt Geschichte. So kann der Besucher nicht nur beim Blick nach oben zu den Türmen der vielen romanischen Kirchen, denen der gotische Dom den Rang abgelaufen hat, sondern auch rechts und links und sogar unter den Füßen einiges entdecken.

Wer nach Köln kommt, denkt natürlich zuerst an die römischen Überreste und an die Spuren, die der Katholizismus prägte. Der Kölner in der Fremde denkt eher an ein kleines 0,2-Liter-Glas, gefüllt mit goldgelbem Gerstensaft und verschlossen mit einer herrlichen Schaumkrone. So gegensätzlich die Gedanken sein mögen, die bei der Nennung der Großstadt am Rhein auftauchen, so eint sie doch ein positives Grundgefühl.

Die Stadtgeschichte reicht bis ins Jahr 15 n. Chr. zurück, als die spätere Stadtgründerin Julia Agrippina hier das Licht der Welt erblickte. Außer zahlloser Reste, die an sie erinnern, - Wasserleitungen, das Pflaster der alten Hafenstraße, das Dyonisos-Mosaik, über das man das Römisch-Germanische Museum gestülpt hat - ließen die römischen Eroberer in Köln ein Stück ihrer Lebensweise zurück. Diese wird sichtbar, wenn die ersten Sonnenstrahlen von wärmeren Jahreszeiten künden. Sofort werden vor den Lokalen, und seien sie noch so klein, Tische und Stühle aufgestellt, die auch alsbald – und sei es von winterbemantelten Mittagspäuslern – genutzt werden. Die „nördlichste Stadt Italiens“ verfügt über 20 000 Außengastronomieplätze und überbietet damit die Biergartenmetropole München. Die schönsten Biergärten liegen außerhalb des Innenstadtbereichs, zum Beispiel im Volksgarten oder oder am Aachener Weiher.

Auch kulinarisch weltoffen

Touristisch und deshalb auch etwas teurer geht’s dagegen in der Altstadt und dem angrenzenden Rheingarten zu, wo an Schönwetterabenden weit mehr als die vorhandenen Freiluftplätze besetzt werden könnten.

Kulinarisch ist Köln natürlich international. Man sollte aber durchaus den Mut haben, die kölsche Brauhausküche zu probieren. An den blankgescheuerten Holztischen der Brauhäuser gibt es vorwiegend Deftiges, das sich wohltuend von einer lieblosen Schnitzel-Pommes-Versorgung abhebt.

Haben den Kölnern schon die Römer Weltoffenheit beigebracht, so taten die Pilgerströme des Mittelalters und die französischen Besatzer, die 1794 die Stadt übernahmen, ihr Übriges. So kurz diese Zeit war - etwa 20 Jahre -, die Franzosen haben Köln vom Mittelalter in die Neuzeit gestoßen. Viele Errungenschaften wie Straßenbeleuchtung und erste Schritte zur Stadthygiene hat Köln ihnen zu verdanken.

Zur Geschichte ihrer Stadt haben die Kölner eher ein pragmatisches Verhältnis. Im Zentrum ist sichtbar, dass Köln keine antiquarische Ausstellung ist, sondern dass alles Überlieferte immer wieder neu benutzt und verändert wurde. Auf engstem Raum liegt die Stadtgeschichte wie in Schichten übereinander. Die Ablagerungen der Zeit sind in einem kleinen Radius auszumachen, und es sind keine großen Wege zurückzulegen, um sie zu erkennen. In der 2 000-jährigen Geschichte Kölns konzentrierten sich die öffentlichen und politischen Gebäude immer im Ostteil der Stadt auf den „Hügeln“ oberhalb des Rheins. Römische Stadthalter, fränkische Fürsten, mittelalterliche Erzbischöfe, Großkaufleute, Bürgermeister, die Kirche und der WDR, die Handwerkskammer, Museen und die Luxushotels, alles das war und ist auf dem schmalen Areal versammelt, das heute auf der einen Seite vom Rhein und auf der anderen von der Nord-Süd-Fahrt begrenzt wird.

So wandelt man gleichzeitig auf römischen, fränkischen, französischen und preußischen Spuren, von denen jede für sich genommen schon viel erzählt. Zahllose Märchen und Legenden ranken sich um die einzelnen Sehenswürdigkeiten und machen eine Stadterkundung mit Kinderaugen (es gibt spezielle Führungen) auch für Erwachsene zum Erlebnis. Die bekannteste Legende ist wohl die gereimte Geschichte von den „Heinzelmännchen zu Köln“, die August Kopisch eher zufällig den Kölnern auf den Leib schrieb. In ihr ist die Kölner Wesensart jedoch so trefflich geschildert, dass sich die Bürger bis heute gut damit identifizieren lassen. Der Heinzelmännchenbrunnen kann deshalb gut als Ausgangspunkt einer Stadterkundung zu Fuß gewählt werden und als Endpunkt allemal. Denn zu seinen Füßen trinkt man das im Brauhaus Früh gezapfte Kölsch und lässt die Stadtgeschichte einfach vor dem inneren Auge vorbeiziehen.

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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