
- König Ludwig II. v. Bayern: Landesausstellung 2011 - Bayerische Landesausstellung
Der Chiemsee und die Chiemgauer Alpen bilden bis zum 16. Oktober 2011 die malerische Kulisse für eine einzigartige historische Zeitreise ins Königreich Bayern. „Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit“, diesen Titel trägt die Bayerische Landesausstellung, die vom Haus der Bayerischen Geschichte, der Schlösserverwaltung des Freistaats Bayern und vom Landkreis Rosenheim ab Samstag, den 14. Mai 2011 in den Räumen des Schlosses Herrenchiemsee veranstaltet wird. Der Zeitpunkt der König-Ludwig-Ausstellung ist mit Bedacht gewählt, denn heuer jährt sich der Todestag des legendären „Märchenkönigs“ zum 125. Mal.
Am 13. Juni 1886 kam der 40-jährige Wittelsbacher unter mysteriösen Umständen im Würmsee, dem heutigen Starnberger See, ums Leben. Was sich damals genau abspielte, konnte bis heute nicht rekonstruiert werden. Wurde der für geisteskrank erklärte und daraufhin entmündigte und abgesetzte Monarch ermordet, beging er in einem Anfall von Schwermut Selbstmord oder war es am Ende ein tragischer Unfall? Fest steht, mit seinen Märchenschlössern machte er sich unsterblich.
König-Ludwig-Ausstellung im Schloss Herrenchiemsee: 14. Mai bis 16. Oktober 2011
Im Rahmen der König-Ludwig-Ausstellung erwartet die Besucher ab 14. Mai 2011 ein facettenreiches Multimedia-Programm mit zahlreichen Veranstaltungen und Überraschungen. So können erstmals die nicht ausgebauten Räumlichkeiten im Nordflügel des Schlosses besichtigt werden. In Anlehnung an das klassische Drama werden das Leben des Königs und die damaligen politischen Verhältnisse in fünf Akten dargestellt. Den Anfang macht der „Der junge Ludwig“. Anschließend folgen die Themenbereiche „Krieg und Kaiserreich“, „Ludwigs Gegenwelten“ und „Bayerns Weg zum Fortschritt“. „Ludwigs Tod und Königsmythos“ wird abschließend beleuchtet. Ziel der Bayerischen Landesausstellung sei es, so der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, „hinter das Klischee des Märchenkönigs zu blicken und die Besucher mit sinnlichen Eindrücken zu fesseln“.
Bayerische Landesausstellung 2011: Veranstaltungen und Führungen
Zahlreiche regionale Unternehmen und Veranstalter begleiten die König-Ludwig-Ausstellung mit eigenen Events und Attraktionen. So stehen die Herrenchiemsee-Festspiele vom 12. bis 24. Juli 2011 unter dem Motto: „Zurück zur Zukunft – Eine Hommage an Ludwig II.“. Komponisten und musikalische Werke aus der Zeit des „Kini“ stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Mit der Truppe „Gamsbart ahoi“ ist im Juni der bekannte Kabarettist Helmut Schleich zu Gast. Das passende Programm lautet „Ludwig IV. – Ein echter König geht nicht unter“.
Geschichtsinteressierte Einheimische, Urlauber und Tagesausflügler können sich fachkundig geleiteten Schloss-Führungen anschließen. Eine andere Möglichkeit, in die geheimnisumwitterte Welt König Ludwigs II. einzutauchen, bieten Kerzenschein-Lesungen aus Originalbriefen des Monarchen und eine nächtliche Insel-Wanderung. Zu empfehlen sind auch die „Hofstaat-Führungen“ in Prien. Historisch verkleidete Führer berichten dort vom Leben und Wirken des vorletzten bayerischen Königs.
König Ludwig II., ein Monarch in einer falschen Epoche
Ludwig erblickte am 25. August 1845 als ältester Sohn von Kronprinz Maximilian, dem späteren König Max II. von Bayern, und Kronprinzessin Marie Friederike das Licht der Welt. Nachdem sein Vater am 10. März 1864 plötzlich verstorben war, bestieg der 18-jährige Kronprinz Ludwig den Thron. Ludwig II., dessen homophile Neigungen zu seinen Lebzeiten für Unmut sorgten, war nie verheiratet. Die spontane Verlobung mit Sophie in Bayern, der jüngeren Schwester der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi), einer Tochter des Herzogs Max in Bayern, erfolgte am 22. Januar 1867, hatte aber nur wenige Monate Bestand. Eine lebenslange innige Freundschaft verband Ludwig II. indes mit Sisi. Seine wahre Liebe gehörte aber den Werken des Komponisten, Dramatikers und Theaterregisseurs Richard Wagner. Nach der ersten Begegnung 1864 entwickelte sich zwischen den beiden ein ganz spezielles Abhängigkeitsverhältnis: Ludwig II. fungierte als Bewunderer Wagners und großzügiger Mäzen, Wagner als Traumerfüller, väterlicher Freund und Berater des Königs.
Ludwig II. trauerte zeit seines Lebens der Epoche des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. nach, der im absolutistischen Frankreich über uneingeschränkte Macht verfügt hatte. Dies war im konstitutionellen Königreich Bayern ausgeschlossen. Auch die Niederlage im deutschen Bruderkrieg 1866, die preußische Hegemonie, die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 und der Verlust der Selbstständigkeit Bayerns belasteten Ludwig II. schwer. Um der ungeliebten Wirklichkeit zu entfliehen, ließ sich der öffentlichkeitsscheue Monarch eine Fantasiewelt mit Märchenschlössern bauen. Die mittelalterliche Vergangenheit wurde dabei idealistisch verklärt. Ludwigs II. Vorlieben für die germanische Sagenwelt, heroische mythologisch-aufgeladene Musikdramen und Opern, kostspielige Prachtbauten, die Einsamkeit der Berge und die nächtliche Dunkelheit zeugten von seiner psychischen Labilität und einem fortschreitenden Realitätsverlust.
Neue Spekulationen um seinen geheimnisvollen Tod
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben“, diesem Lebensmotto blieb der "Märchenkönig" auch bei seinem mysteriösen Ableben treu. Nach offizieller Lesart fanden Doktor Bernhard von Gudden und sein Patient Ludwig II. bei dessen Selbstmordversuch den Tod. Ihre Leichen trieben am späten Abend des 13. Juni 1886, so die Überlieferung, unweit von Schloss Berg im seichten Wasser des Starnberger Sees. Von Gudden hatte dem Monarchen eine unheilbare Geisteskrankheit attestiert und damit seiner Entmündigung und Absetzung Vorschub geleistet.
Wie Stefan Jetz, der Vorsitzende der Königstreuen, unlängst überraschend mutmaßte, war es „weder Mord, noch Selbstmord, sondern offenbar ein Unfall“. Beide seien wohl beim gemeinsamen Spaziergang in Streit geraten und beim Eingreifen der Polizisten fielen dann Schüsse, so Jetz. Die Tatsache, dass Pfarrer Michael Beck bei der Totensalbung den König nicht umdrehen durfte, könnte tatsächlich für eine tödliche Schussverletzung sprechen, die man von offizieller Seite verheimlichen wollte.
Das Schloss Herrenchiemsee auf der Herreninsel
Als Standort für sein Schloss Herrenchiemsee hatte sich König Ludwig II. die malerische Herreninsel ausgesucht. 1873 erwarb er das größte Chiemsee-Eiland, um dort einen "Tempel des Ruhmes" zu Ehren des französischen Königs Ludwig XIV. zu errichten. Natürlich musste es ein Abbild von Versailles sein. Nach jahrelanger Planung wurde 1878 der Grundstein gelegt. Als Ludwig II. am 13. Juni 1886 verstarb, war das Schloss, in dem er nur wenige Tage verbracht hatte, noch nicht ganz fertiggestellt. Es sollte für immer unvollendet bleiben. Bereits am 1. August 1886 wurden die Ludwig-II-Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Zu den Sehenswürdigkeiten des "Bayerischen Versailles" zählen das Prunktreppenhaus, das Paradeschlafzimmer, die Große Spiegelgalerie und die Gartenanlagen. Zu empfehlen ist auch ein Besuch des Augustiner Chorherrenstifts (Altes Schloss). Das König-Ludwig-II-Museum (Neues Schloss) hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Quellen:
Haus der Bayerischen Geschichte
Nöhbauer, Hans F., Auf den Spuren König Ludwigs II., München 2007.
