
- Strache: Aussprache mit Königshofer? - michaelthurm/flickr.com
28.7.2011: Der freiheitliche Abgeordnete Werner Königshofer ist es gewohnt, mit seinen Aussagen für Aufsehen zu sorgen. Dieses Mal zieht der Tiroler eine Verbindungslinie zwischen dem Attentat in Norwegen und der Fristenlösung.
Anschläge in Norwegen und die Abtreibung von ungeborenen Kindern auf einer Stufe
Auf seiner Homepage redet Königshofer davon, dass man sich im Angesicht dieser Katastrophe den Wert des menschlichen Lebens neu bewusst machen muss und auch darüber nachdenken sollte, dass in Europa jedes Jahr Millionen unschuldiger Kinder bereits im Mutterleib getötet werden und dieser millionenfache Kindesmord aber in unserer Gesellschaft bereits zum alltäglichen Leben gehören würde.
Aufregung um Königshofers Facebook-Einträge
Mit diesen Äußerungen hatte sich Königshofer allerdings nicht zum ersten Mal zu den Anschlägen in Norwegen geäußert. Auf seiner - mittlerweile gelöschten - Facebookseite hatte er diese in Relation zur "islamistischen Gefahr" gesetzt und festgestellt, dass islamistische Terroristen bereits "tausendmal öfter" zugeschlagen hätten. Außerdem bezeichnete er die Toten in Norwegen auch als Opfer eines politischen Missbrauchs, da diese für eine "Stimmungsmache gegen Rechts" herhalten müssen.
Königshofer auch in eigener Partei umstritten
Auch unter seinen Parteifreunden findet Werner Königshofer bereits immer mehr Kritiker. Einer davon ist FP-Vize Norbert Hofer. Dieser sagte, dass er Königshofer zwar kein Ultimatum stellen werde, aber Anfang August, wenn FP-Chef H. C. Strache aus dem Urlaub zurück kommen werde, müsse eine Entscheidung bezüglich Königshofer fallen.
Einige seiner Parteifreunde fordern angeblich bereits den Rücktritt von Werner Königshofer. So weit will Hofer noch nicht gehen. Einen derart massiven Schritt könne er sich derzeit noch nicht vorstellen, allerdings müsse Königshofer "seine Worte mäßigen". Auch der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer meinte zwar, dass er nicht davon ausgehe, dass Königshofer mit seinen Worte die Anschläge in Norwegen relativieren wollte, es aber "inakzeptabel" wäre, wenn dies tatsächlich der Fall war.
Migranten als "Kanaken" bezeichnet
Ende Mai zürnte Königshofer noch über einen straffällig gewordenen Asylwerber: „Ich würde diesen Kanaken schnappen, in die marokkanische Botschaft in Wien bringen und verlangen, dass er binnen 24 Stunden außer Landes gebracht wird. So muss man mit diesem Gesindel verfahren.“ Auch aufgrund dieser Aussage gab es bereits eine Aussprache mit Hofer. Dieser musste nun zugeben, dass die letzten Gespräche wohl nicht den gewünschten Erfolg erzielt hatten. Dass Königshofers Aussagen zudem oft den "Hang zum Extremen" hätten, schade außerdem der ganzen Partei.
FPÖ will den Tonfall ihrer Kampagnen überdenken
Generell möchte die FPÖ anscheinend den Tonfall ihrer Kampagnen überdenken. Man müsse laut Hofer sehr viel stärker hervorstreichen, wofür man sei und weniger, wogegen. Die nun von allen Seiten geforderte "Abrüstung der Worte" brauche man allerdings nicht, vielmehr sei mehr Ehrlichkeit gefragt: „Es wäre falsch, zu sagen, dass alle Ausländer schlecht sind. Aber genauso wenig stimmt, dass – Asylwerber einmal ausgenommen – alle willkommen sind.“
Update: Königshofer ausgeschlossen
Werner Königshofer hat es offenbar zu weit getrieben: Er wurde mit sofortiger Wirkung aus der FPÖ und dem freiheitlichen Parlamentsklub ausgeschlossen. Das Maß sei "endgültig voll", so Strache.
Quellen: DiePresse.com: FPÖ: Strache entscheidet über Königshofers Schicksal & derStandard.at: FP-Königshofer stellt Fristenlösung in Relation zu Norwegen-Massaker
