Können Affen sprechen? Der Bonobo Kanzi sagt Ja.

Wie Kanzi kann dieses Bonobo-Baby Englisch lernen - Silke Kaiser
Wie Kanzi kann dieses Bonobo-Baby Englisch lernen - Silke Kaiser
Experimente zeigen: Zwergschimpansen verstehen die menschliche Sprache und können besser kommunizieren als taubstumme Kleinkinder.

Bonobos verstehen Englisch. Mit dieser These widerlegt Sue Savage-Rumbaugh die Überzeugung vieler Jahrhunderte, dass allein der Mensch zu Sprache fähig sei. Affen können nicht sprechen, aber Sprache verwenden.

Artikulieren können Affen nicht wegen ihrer flachen Zunge

Wenn Schimpansen menschliche Sprache zu imitieren versuchen, hört man nur ein undifferenziertes Kreischen oder dumpfes Rufen. So wie ihr Rachenraum beschaffen ist, werden Affen wohl nie selbst sprechen können. Zu diesem Ergebnis kam der Sprachwissenschaftler Philip Liebermann von der Brown University auf Rhode Island (USA), der in den sechziger Jahren die biologischen Grundlagen der sprachlichen Evolution erforschte. Seiner Erkenntnis nach fehlt Schimpansen eine dicke Zunge. Um einen Laut wie G oder K artikulieren zu können, drücken wir unseren Zungenrücken gegen den hinteren Gaumen und verschließen dort die Luftzufuhr. Die menschliche Zunge ist hiefür dick und liegt weit hinten im Mundraum. Die Zunge der Affen ist dagegen flach und dünn – anatomisch ungeeignet für menschliche Sprache.

Schimpansen geht beim Sprechen die Luft aus und sie sind schwerhörig

Affen verfügen auch nur über eine geringe Atemkontrolle. Ein gesprochener Satz verlangt aber, mit der Luft zu haushalten, bis der nächste syntaktische Einschnitt kommt, der in der Schrift durch Punkt oder Komma markiert wird. Immerhin sind einzelne Bonobos (Zwergschimpansen) schon fähig, einen Luftballon aufzublasen, aber sie könnten niemals eine Rede halten oder Oboe spielen. Bislang müssen Schimpansen daher als stumm gelten.

Dass Schimpansen auch taub sind, widerlegten Hörtests. Bis tausend Hertz hörten sie gut – das ist die Frequenz ihrer schrillen Schreie –, von 2000 bis 4000 Hertz, dem Bereich der menschlichen Sprache, hörten sie zwar noch, aber sehr schlecht.

Gebärdensprache und Lexigramme für Schimpansen

Die Psychologen Beatrice und Allen Gardner kamen wegen dieser körperlichen Gebrechen der Schimpansen auf die Idee, sie wie Taubstumme zu behandeln, die sprachfähig sind, ohne sprechen zu können. In Nevada lehrten sie 1966 dem Schimpansenmännchen Washoe 132 Zeichen der Gebärdensprachen American Sign Language (ASL). Washoe führte daraufhin kurze Dialoge mit seiner Wärterin. Kritiker wie Herbert Terrace hielten die kognitive Leistung jedoch für gering und sprachen von erfolgreicher Dressur. Es fehle an einem Verständnis für die künstlichen Zeichen der Sprache, für grammatische oder syntaktische Strukturen.

Eine der Studentinnen der Gardners, Sue Savage-Rumbaugh gehörte zu Kritikerinnen. Sie entwickelte mit Ernst von Glasersfeld und ihrem Mann Duane Rumbaugh „Yerkish“, eine Tastatur 384 abstrakter Symbole, die für Wörter stehen (Lexigramme). Als einige Schimpansen sich auch über Bananen unterhielten, aber das Symbol eines Dreiecks dafür verwenden mussten, war zumindest die Kritik verstummt, Affen hätten kein Verständnis für künstliche Zeichen.

Kanzi, das Sprachgenie unter den Bonobos, versteht Englisch

Am Language Research Center der Georgia University in Atlanta versuchte Sue Savage-Rumbaugh relativ vergeblich während der achtziger Jahre, dem Bonobo-Weibchen Matata Yerkish beizubringen. Ihren Adoptivsohn Kanzi brachte Matata zum Sprachunterricht mit, er zeigte aber kein Interesse und tollte herum. Ohne es gelehrt bekommen zu haben, verwendete Kanzi mit einem Mal die Lexigramme korrekt. Wenig später schlug der Wärter Sue vor, das Licht anzumachen, und Kanzi sprang auf und knipste es an. Wie ein Kind hatte Kanzi gelernt, Sprache zu verstehen und zu benutzen, indem er nur beiläufig immer wieder „Brocken aufschnappte“. Heute versteht Kanzi englische Sätze besser als ein zweieinhalbjähriges Menschenkind.

Quellen

Berger, Ruth (2008): Warum der Mensch spricht. Eine Naturgeschichte der Sprache. Frankfurt, M: Eichborn.

Zimmer, Dieter E. (1995): So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb, Sprachentstehung und Sprache & Denken. München: Heyne.

E.Seitz, ES

Emanuel Seitz - Meine Interessen sind Geschichte, Archäologie, Indogermanistik, Ethnologie, kurz: alles, was fremd oder alt ist, oder mit Sprache zu ...

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