Körpermodifikation

Tradition und Mode von Körperveränderungen

Neben Tattoos und Piercings gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Möglichkeiten den eigenen Körper zu verändern. Dieser Artikel stellt eine kleine Zusammenfassung dar.

Menschen bemalen und verändern ihren Körper seit Urzeiten. Schon unsere Vorfahren tarnten ihre Haut mit Naturfarben und malten sich kriegerische und spirituelle Zeichen auf den Körper. Noch heute sind bei Naturvölkern der unterschiedlichsten Regionen rituelle Körpermodifikationen ein Mittel, um beispielsweise den Status zu bezeichnen oder den Übergang von einem Lebensabschnitt in den anderen zu zelebrieren.

Traditionelle Körpermodifikationen bei anderen Kulturen

Wie schon erwähnt, gibt es in vielen Kulturen Traditionen der Körpermodifikation. Die bekannteste ist wahrscheinlich die Beschneidung der männlichen Genitalien im Islam und Judentum. Weitaus unbekannter ist hingegen die Tradition, ein „Ibitoe“ zu werden, der in einigen Stammeskulturen nahe der Küste Neuguineas verehrt wird. Ein „Ibitoe“ ist ein Mann mit einer schmalen Taille, vergleichbar mit einem Dandy. Die Ehre, ein „Ibitoe“ zu werden, ist nur wenigen Jungen gegönnt. Den Auserwählten werden zunächst in der Pubertät die Ohrläppchen und die Nasenscheidewand durchstochen, was man bei uns als „Septum-Piercing“ bezeichnet. Dann wird ein Onkel mütterlicherseits gebeten, dem Jungen einen Gürtel aus Baumrinde anzulegen. Dieser wird nur noch abgenommen, um ihn durch einen engeren zu ersetzen. So werden die unteren Rippen zusammengepresst und der Junge bekommt eine Hühnerbrust.

Eine weitere kulturell fundierte Körpermodifikation ist das Einsetzen eines „Oeteng“ in die männliche Vorhaut. Bei den Dayaks in Borneo erlauben die Männer, um ihre Keuschheit auf Reisen oder auf der Jagd zu versichern, dass ein Medizinmann des Stammes seine Vorhaut mit einer Nadel durchsticht, die dort bleibt, bis sich ein dauerhaftes Piercing entwickelt hat. Die Frauen haben so die Möglichkeit einen Stock durch den Stichkanal zu stecken und an beide Enden kleine Wachskugeln zu hängen, die mit bunten Bändern verziert sind. Sollten diese Bänder bei der Rückkehr des Mannes verändert sein, kann die Frau davon ausgehen, dass der Mann untreu war.

BodMod in unserer westlichen Welt heute

In der westlichen Welt sind Piercings und Tattoos wohl die bekanntesten Körpermodifikationen (engl. „Bodymodification“, kurz „BodMod“), doch seit den 80er Jahren ist ein Trend zu beobachten, der über diese Arten hinausgeht: Implantate, Spaltungen von Körperteilen, Schmucknarben und medizinisch- ästhetische Eingriffe werden immer populärer. Aus traditionellen Riten übernommene Techniken werden modernisiert und der breiten Masse zugänglich gemacht. Doch neben den traditionellen und künstlerisch- modischen Beweggründen, werden auch selbstzugefügte Verletzungen, aber auch die konventionellen Methoden, wie beispielsweise das Färben der Haare, als Körpermodifikation bezeichnet.

Körperveränderungen durch medizinisch- ästhetische Eingriffe

Den Möglichkeiten der chirurgischen Eingriffe, um den Körper einem bestimmten Schönheitsideal anzupassen, scheinen schlichtweg unbegrenzt. Das Färben der Haare, die Entfernung und sogar das Frisieren der Schambehaarung, die Veränderung des Körpergewichts durch Diäten und Muskeltraining stehen in der heutigen westlichen Gesellschaft auf der Tagesordnung. Durch Make-up und Sonnenstudios sind tägliche Veränderungen für jeden zugänglich. Aber auch chirurgische Eingriffe, um die Brust zu vergrößern, das Fett abzusaugen, die Vorhaut des Mannes zu entfernen, Falten zu straffen, oder die Nase zu verkleinern erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Aktuelle modische und extreme Formen von Bodymodifikationen

Neben dem Tätowieren und Piercen haben sich weitere, extremere Formen von BodMods entwickelt. Hier seien nun nur einige genannt:

  • Zu den neuen Arten der Körpermodifikation zählt beispielsweise das Implantieren von Objekten unter die Epidermis (Oberhaut).
  • Bei der Skarifizierung werden Schmucknarben erzeugt, bei der die Haut beispielsweise durch ein Cutting oder Branding mit einem Muster versehen wird.
  • Eine weitere Möglichkeit, seinen Körper dauerhaft zu verändern, ist das Spalten von Körperteilen. Am bekanntesten ist hierbei die Zungenspaltung, die meistens mit einem Skalpell vorgenommen wird.
  • Auch die Suspension, also das Aufhängen von Personen an Gestellen oder Bäumen mit durch die Haut gestochenen Haken zählt zu den BodMods. Weitere Arten, die dem Piercen, der Skarifizierung und der Suspension gleichen sind unter anderem Play- Piercings (siehe Percings), Dehnungen, Fleischtunnel und Zahnveränderungen.

Gründe für eine Körpermodifikation

Natürlich sind die Beweggründe für eine Körpermodifikation so unterschiedlich wie die Menschen, die sich zu einem BodMod entscheiden. Sei es aus modischen oder persönlichen Gründen, die Fragen nach dem "Was" und "Wo" bleiben zuletzt bei den Menschen, die sich einer Körperveränderung unterziehen wollen. Dennoch sollte man sich vor einem Eingriff, also einer Körpermodifikation, sei sie nun dauerhaft oder temporär, über die Risiken informieren. Nicht wenige BodMods können schwere gesundheitliche Folgen haben und sollten daher nur mit dem Bewusstsein für solche Gefahren und von einem Profi vorgenommen werden.

Judith Binias, Judith Binias

Judith Binias - Judith Binias, Jahrgang 1985 freiberufl. Autorin/Regisseurin Kurzvita Abitur: 2005 Regiearbeiten: 2009: J. Binias: "Das ...

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