
- Hygiene und Körperpflege im Badehaus - Factorum Dictorumque Memorabilium, gemeinfrei
Viel des Wissens über Gesundheit, Äquadukte und Hygiene, welches die alten Griechen und Römer besassen, geriet während des Mittelalters in Vergessenheit. Während es auf den Strassen nach Dreck, Unrat und Exkrementen stank, wurde aber zumindest beim Körper auf Sauberkeit und Hygiene geachtet. Körperpflege, Baden und Kosmetik hielten einen hohen Stellenwert inne.
Die tägliche Körperpflege des Hochmittelalters
Insbesondere während des Hochmittelalters wurde der Reinlichkeit des eigenen Körpers grosser Wert beigemessen, dies vor allem dank der aus dem Orient überschwappenden Bäderkultur. Unter Adligen war es üblich, täglich zu baden. Traf ein Gast auf einer Burg oder im Herrenhaus ein, so wurde ihm ein Bad bereitet. Die Tochter des Hauses war dafür zuständig, ihm beim Waschen, Kämmen und Salben behilflich zu sein. Gebadet wurde für gewöhnlich im Schlafzimmer. Wer es sich leisten konnte, mischte aromatische Kräutern ins Badewasser und parfümierte sich damit auch nach dem Bad. Aus Gründen der Geselligkeit und Gastfreundschaft wurde die Wanne oftmals gemeinsam bestiegen. Das einfache Volk hingegen wusch sich wesentlich seltener. Verwendet wurde hierfür ein fettlösendes Gemisch aus Wasser und Asche. Bei Tisch wurde jeweils eine Schüssel zur Säuberung der Hände gereicht. Zum Abtrocknen musste allerdings das Tischtuch herhalten. Einzig im Kloster war das Baden verpönt und nur zweimal jährlich gestattet.
Badehäuser und die Tätigkeit des Baders
Der Grossteil der Bevölkerung konnte sich kein eigenes Bad leisten. Um trotzdem in den Genuss eines Bades zu kommen, liessen Bischöfe und Landsherren im 12. Jahrhundert zunehmend Badehäuser errichten. Gegen eine geringe Gebühr waren diese jedem zugänglich und lediglich die Ärmsten konnten sich dessen Besuch nicht leisten. Eine Geschlechtertrennung kannte man dazumal nicht. So liessen sich Männer wie Frauen je nach Stand mit warmem Wasser begiessen oder sich einen Bottich herrichten. Auch das Schwitzbad, bei dem heisse Steine mit Wasser übergossen wurden, war bereits bekannt. Der zuständige Bader war nicht nur für das Baden selbst zuständig, sondern auch für verschiedenste medizinische Behandlungen. So behandelte er Geschwüre und Wunden, zog Zähne und war für den Aderlass zuständig.
Das Badehaus als Ort des Vergnügens
Die Badehäuser dienten keineswegs alleine zur Reinigung des Körpers, sondern stellten vielmehr einen Ort des Vergnügens dar. Dies einerseits durch die Geselligkeit, des Weiteren aber auch durch Essen, Trinken und Musik. Die Bademägde waren überdies zunehmend nicht nur beim Bad behilflich, sondern bereiteten den Herren auch anderweitig Vergnügen, was den Badehäusern unweigerlich einen zweifelhaften Ruf und das Missfallen der Kirche einbrachte. Diese bewirkte im 15. Jahrhundert eine strenge Trennung von Männer- und Frauenbädern. Nur wenig später ging die Badekultur zu Ende. Einerseits dürfte die Kirche dafür verantwortlich sein, andererseits breiteten sich Seuchen wie Pest und Syphilis aus, wobei Kranken der Zutritt in die Badeanstalten erst spät verwehrt wurde. Dies führte zu einem Rückschlag im Hygienebewusstsein. Während der Renaissance und Barockzeit wurde Wasser gar als Überträger von Krankheiten angesehen, woraufhin sich die Bevölkerung mit einer dicken Schmutzschicht zu schützen versuchte.
Kosmetik und das Erscheinungsbild im Mittelalter
Auch auf das äussere Erscheinungsbild legte die mittelalterliche Bevölkerung grossen Wert. Beim Bader oder Barbier konnten sich Frauen und Männer die Haare stutzen lassen. Auch Bleichmittel und Puder wurden bereits verwendet, um die gewünschte Haarfarbe zu erzielen. In gehobenen Kreisen schminkten sich Damen als auch Herren Wangen und Lippen mit dem roten Farbstoff der Schildlaus. Der Rest der Haut hingegen hatte möglichst blass zu sein um dem Schönheitsideal des Mittelalters gerecht zu werden.
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Quellen und Weiterführende Informationen:
- Die Hygiene in den Häusern des Mittelalters
- Leben im Mittelalter.net: Hygiene im Mittelalter
- Die dunkle Zeit – das Mittelalter: Das Badehaus
- Hsg Berlin: Medizin und Hygiene
- Amuseum: Hygiene im Mittelalter
- Reisen in die Vergangenheit: Lebensalltag im Mittelalter, Verlag Das Beste 1995
