
- Bremer Kluten - © Lucy M. Laube
Kaffee spielt traditionell eine wichtige Rolle in der Hansestadt Bremen. 1966 beispielsweise war das Geburtsjahr der bis heute beliebten Kaffeesorte Jacobs Krönung. Die Gefühlsebene der Kunden sollte angesprochen werden, so der Plan der Kampagne mit "Frau Sommer" von Klaus J. Jacobs. Doch nicht nur Krönung und Kaffee sind mit Bremen verbunden, auch der Bremer Klaben, das Bremer Kaffeebrot, Bremer Kluten, Knipp, Kohl und Pinkel sowie die Bremer Senats-Konfitüren.
Kluten aus Bremen – Bremer Kluten
Eine bremisch hanseatische Spezialität, die an Nährwert kaum zu unterbieten sein dürfte, sind die Bremer Kluten. Es handelt sich dabei um kleine rechteckige Blöcke aus Pfefferminzfondant, deren eine Hälfte in dunkle Schokolade getaucht wurde. Die äußere Hülle ist eher hart und trocken, innen ist die Pfefferminzmasse zäh-weich. Durch ihre rechteckige Form und die Zweiteilung in eine weiße Zucker-pur-Hälfte und eine dunkle Schokoladenseite, erinnern die Bremer Kluten an Dominosteine (nicht das Weihnachtsgebäck). Vorm Genuss lassen sich damit kreative Muster beispielsweise im Stil von Mondrian legen.
Knipp – eine deftige Grützwurst
Nicht nur die Hessen haben mitunter unappetitlich anmutende Wurstspezialitäten zu bieten. Knipp gibt es zwar nicht nur in Bremen, aber anderswo heißt es in der Regel auch anders – zum Beispiel Hackgrütze oder Pfannenschlag. Menschen, die nicht aus der unmittelbaren Umgebung der Hansestadt stammen, können mit dem häufig auf Bremer Speisekarten zu findenden Knipp meist nichts verbinden. Knipp enthält neben diversen Bestandteilen des Schweins (unter anderem dessen Kopf) Hafergrütze und Rinderleber. Das Ganze ist in Wurstform zu kaufen. Zubereitet wird es jedoch ohne Hülle, in der Pfanne gebraten, und so in ein deftiges Gericht verwandelt – häufig mit Bratkartoffeln und sauren Gurken, mitunter auch mit Apfelmus. Wegen akuter Fettigkeit kann Knipp schwer im Magen liegen.
Kohl und Pinkel – nebst Schnaps die Basis einer jeden Kohlfahrt
Mit dem Knipp verwandt ist die Pinkel, die traditionell zu Kohl gegessen wird. Auch Pinkel ist eine Grützwurst. Sie enthält Hafergrütze, Speck, Zwiebeln, Schmalz und Gewürze. Zu einem klassischen Grünkohlgericht gehören neben Kohl und Pinkel noch Kochwurst, Kassler, Bauchspeck und Bratkartoffeln. Da auch dieses Gericht nicht in die Rubrik leichte mediterrane Küche gehört, wird üblicherweise Schnaps dazu und danach getrunken. Der Winter ist die Grünkohlzeit, und damit die Zeit für Kohl und Pinkel-Fahrten, auch schlicht Kohlfahrten genannt, bei denen Landgasthöfe angesteuert werden, um sich hemmungslos der Völlerei hinzugeben.
Konfitüre aus Bremen – die Bremer Senatskonfitüre
Nach diesen deftigen und den Magen schwer herausfordernden Bremer Spezialitäten zurück ins Reich der süßen Köstlichkeiten. Im Bremer Martinshof, einer Werkstatt für behinderte Menschen, werden seit 2007 unter anderem die Bremer Senatskonfitüren hergestellt, die mittlerweile auch überregional einigen Anklang gefunden haben. Allwöchentlich wird beim Bremer Senatorenfrühstück die Senatskonfitüre beim gemeinsamen Frühstück vor der Senatorenrunde verspeist. So lässt es sich gleich entspannter Politik machen im kleinsten Bundesland. Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit 2010 hat der Martinshof ein neues Produkt auf den Markt gebracht: die Bremer Stadtmusikantenkonfitüre.
Klaben aus Bremen und Bremer Kaffeebrot
Eine spezielle Art des Christstollen ist der Bremer Klaben, der eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition hat. Bremer Klaben ist ein schweres Hefegebäck mit buntem Inhalt, jedoch ohne Butter- und Zuckerschicht obenauf. Der alljährliche Klabenanschnitt auf dem Bremer Marktplatz läutet zugleich die Vorweihnachtszeit ein. Ebenfalls aus Hefeteig ist das Bremer Kaffeebrot, ein Zwiebackgebäck, das in Scheiben geschnitten und – mit Butter, Zucker und Zimt versehen – geröstet wird. Wie der Name schon andeutet, wird das Kaffeebrot gern zum Kaffee gegessen beziehungsweise in diesen eingetaucht. Es geht aber auch mit Tee.
Kaffee aus Bremen – Krönung und Co.
Hier schließt sich der Kreis der Bremer Köstlichkeiten – natürlich gibt es derer noch viel mehr – zur Kaffeestadt Bremen. "Sag's nur, Rolf!", lässt Klaus J. Jacobs in einem Werbespot für die Krönung eine verzweifelte Nachbarin zu Frau Sommer sagen. "Ihm schmeckt nämlich mein Kaffee nicht. (…) Dabei gebe ich mir so viel Mühe." Bremen hat eine ganze Reihe von Kaffeefirmen, doch Jacobs Kaffee gehört zu den bekanntesten. Und so werden sich noch viele daran erinnern, was Frau Sommer ihrer Nachbarin antwortet: "Mühe allein genügt nicht, ihrem Kaffee fehlt einfach das ganze Aroma. Hier, nehmen Sie Jacobs Kaffee." (Louise Jacobs: Café Heimat)
Quelle: Louise Jacobs, Café Heimat. Die Geschichte meiner Familie. Ullstein 2006.
