
- Auf ihrem Blog finden sich Rezepte und Infos - anna's finest
Wenn Anna zu Tisch bittet, findet das nicht etwa in gewohntem Rahmen eines Restaurants statt. Die studierte Designerin und leidenschaftliche Köchin lädt zu sich nach Hause ein. Hier wird nach allen Regeln der Esskunst getafelt und zwar ganz und gar all'italiana.
Im Mehrfamilienhaus, an der inzwischen fast beängstigend ruhigen Sihlfeldstrasse *, steigen einmal im Monat bis zu zehn Gourmets und Leckermäuler die Treppen von vier Stockwerken hoch. „Das Essen muss erst verdient sein“, denkt sich wohl der eine oder andere, wenn er oben angelangt ist. Anna, die Gastgeberin, empfängt ihre Gäste und führt sie in ihr Wohnzimmer, das regelmäßig zur Gaststube umfunktioniert wird. Dort nippen bereits weitere Teilnehmer der außergewöhnlichen Tafelrunde an ihrem Prosecco. Sie stellen sich einander vor, als wären sie bei Bekannten eingeladen. Nur dass sich die Leute in dieser Runde nicht kennen. Der italienische Schaumwein tut jedoch bald seine Wirkung und die Gäste, die zu diesem Zeitpunkt nur eines verbindet – die Neugierde, was sie nun erwartet – kommen ins Gespräch. Anna bittet zu Tisch.
Zu jedem Gang ein passender Wein
Der urige Holztisch ist spartanisch mit Silberbesteck und niedlichen Vasen voll mit frischen Nelken vom Markt gedeckt. Die Gäste haben Glück: statt der üblichen fünf Gänge wird Anna heute einen zusätzlichen auftischen. Einfach so, weil ihr das Kochen Spaß bereitet. Ihre jüngere Schwester erklärt das Wein-Konzept: Die Gäste bezahlen pro Deziliter: Ein Glas des Weissweines Pecorino Histonium kostet sechs Franken und der Rotwein Barbera d’Asti «Vespa» sieben Franken. Die Weine werden übrigens von der Weinhändlerin Maria Bühler speziell auf das jeweilige Menu abgestimmt.
Die erste Vorspeise wird aufgetischt. Ein Klassiker der sizilianischen Gemüseküche mit ihren nordafrikanischen Einflüssen: Caponata, ein süß-saurer Auberginen-Sellerie-Eintopf mit grünen Oliven, Kapern, Pinienkernen, Rosinen und Basilikum. „Auf die Teller kommen nur frische, qualitativ hochwertige und möglichst nachhaltig und mit Respekt gegenüber Natur, Mensch und Tier produzierte, am liebsten regionale und saisonale Produkte“ – getreu der Slowfood-Philosophie «gut, sauber und fair». Die Gäste spüren, da kocht jemand mit Herzblut. Während dem Verköstigen des ersten Gangs wird es einen Moment lang still gefolgt von „hmmm…“ und „köstlich“.
Der zweite Gang, Purea di piselli alla menta, ein cremiges, fast süßliches Erbsenpüree mit ziemlich viel Rahm und Butter drin, zu dem Anna eine grillierte Polentaschnitte auftischt, entzückt die Gaumen der Gäste genauso wie die dritte Vorspeise: Pomodoro Carlo, eine halbe San Marzano-Tomate mit einer Füllung aus kleingeschnittenen schwarzen Oliven, Stangensellerie, Knoblauch und Basilikum, serviert mit einer hausgemachten Balsamicoreduktion.
Frisches Gemüse vom Markt
Als Hauptgang gibt es einen Risotto mit Babyzucchini und Zucchiniblüten. „Die kann man den ganzen Sommer über beim Marktstand Haab Walser auf dem Helvetiaplatz in Zürich aus deren Eigenanbau einkaufen“, erzählt die Köchin. Auf ihrem Blog verrät Anna zusätzliche Tipps, wie die Blüte sonst noch zubereitet werden kann, um bei Gästen so richtig Eindruck zu schinden. Danach kommt ein Robiola di Roccaverano auf den Tisch, ein Ziegenfrischkäse aus den Hügeln der Langhe im Piemont, dazu gibt es fantastische frische grüne Feigen und Marmellata di cipolle rosse di Tropea „den besten und süßesten roten Zwiebeln, “ verspricht Anna. Zum Dolce erhalten die Gäste ein Amaretti-Semifreddo mit marinierten Pfirsichen. Die Rezepte hat sie übrigens aus dem vor kurzem erschienenen Kochbuch «La Cucina Verde» von Carlo Bernasconi, Journalist und Kochbuchautor mit norditalienischen Wurzeln, in dem er seine «schönsten italienischen Gemüserezepte» niedergeschrieben hat.
So funktioniert Annas Tafelrunde
Per E-Mail und auf ihrem Blog kündet Anna jeweils die nächste Tafelrunde und die wichtigsten Eckpfeiler des Menus – immer zu einem spezifischen Thema – bekannt. Hier gilt „first come, first served“, denn maximal zehn Plätze gibt es zu ergattern. Im Preis von 65 Franken erhalten die Besucher neben dem Fünf-Gang-Menu, Apéritiv, Mineralwasser à discretion und Kaffee.
(*Bis vor kurzem führte auf der West- und Sihlfeldstrasse der gesamte Auto- und Schwerverkehr durch Zürich. Dank der Westumfahrung konnte die Stadt Zürich diese Achse zu einer ruhigen 30er Zone umfunktionieren).
