
- Gelber Diamant - Sigrid Harig/pixelio
In der Welt der Schmucksteine gilt der Diamant als der begehrenswerteste aller Steine, vor allem dann, wenn er groß und lupenrein ist. Allerdings bekommt der weiße Brillant jetzt zunehmend Konkurrenz von seinem selteneren Bruder, dem farbigen Diamanten.
Fremdatome machen Diamanten farbig
Geboren aus Kohlenstoff, der über Millionen von Jahren bei extrem hohen Temperaturen und Druck, hunderte von Kilometern tief in der Erde auskristallisierte, liegt der Grund für die einzigartigen physikalischen Eigenschaften – die Härte – von Diamanten in ihrer speziellen Struktur. Gelangen in der Wachstumsphase neben Kohlenstoffatomen auch andere Atome ins Kristallgitter von Diamanten, werden die farbig. In dem meisten Fällen handelt es sich dabei um Stickstoffatome, die eine gelbliche bis braune Färbung der Edelsteine verursacht.
Farbige Diamanten gelten als Launen der Natur. Die allermeisten Schmuckdiamanten entstehen als farblose oder nahezu farblose Edelsteine. Die Regenbogenfarben von Hellgelb bis Braun, von Rosa bis Purpur, von Blau bis Grün sind eine Seltenheit unter Diamanten. "Man kann sagen, dass auf 4.000 Karat farblose Diamanten etwa 3 Karat naturfarbige Diamanten kommen“, so Diamantenhändlerin Caroline Schmidt (Name von Redaktion geändert). "Dabei sind etwas 80 bis 90 Prozent braun oder gelb.“
Karatpreis für farbige Diamanten liegt über 1 Millionen Dollar
Wegen ihrer Seltenheit erzeugen farbige Diamanten weitaus höhere Karatpreise als farblose Diamanten oder andere farbige Edelsteine wie Smaragde, Rubine oder Saphire. Bei einer Auktion 1987 wurde ein purpur-roter Diamant bei Christie’s in New York für 926.000 Dollar pro Karat versteigert. Mittlerweile haben die Karatpreise die Hürde von einer Million Dollar längst überschritten. "Für den Betrachter unterscheiden sich farbige Diamanten deutlich von anderen farbigen Edelsteinen vor allem durch ihre hohe Brillanz – also ihre hohe Lichtbrechung“, sagt Schmidt. "Für ihre Qualitätsbestimmung gelten wie bei Diamanten allgemein die vier Cs: Colour, Cut, Clarity, Carat.“
Dabei gilt in puncto Colour (Farbe) bei farblosen Diamanten je klarer, desto besser, bei farbigen Diamanten je intensiver, desto besser. Für jeden Cut (Schliffart) gilt es den Idealschliff zu finden, so dass das Licht optimal im Stein reflektiert wird. Als Schliffarten gelten die Formen, die Edelsteinen gegeben werden, wobei die bekanntesten wohl Brillant, Prinzess, Navette, Tropfen und Herz sind. Bezüglich der Clarity (Klarheit) gilt je höher die Reinheit, desto wertvoller. Und letztlich trägt natürlich auch das Carat (Gewicht) zum Wert eines Steins bei, wobei ein Carat 0,2 Gramm entspricht. Je größer also ein Edelstein, desto wertvoller.
Pro 1 Million Karat Schmuckdiamanten nur 2 Karat farbige Steine
Farbige Diamanten kommen in fast allen Diamantenminen vor, allerdings sei mit der Entdeckung von rosafarbenen Diamanten in der Argyle Mine im Nordwesten Australiens Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die erste nennenswerte Quelle in 120 Jahren zu verzeichnen, so Schmidt. Hier werden pro eine Million Karat geförderte Schmuckdiamanten etwa zwei Karat farbige Steine gefördert. Zuvor hatte 1867 ein 21 Karat schwerer gelber Rohdiamant, die Eureka, in Südafrika das Diamantenfieber ausgelöst. Aber der wohl bekannteste und größte farbige Diamant stammt aus Indien: der blaue Hope, der zu den Kronjuwelen der englischen Königin gehört.
"Für farbige Diamanten gilt im Übrigen wie für alle Edelsteine, dass man beim Kauf dem Fachmann oder dem Juwelier vertraut“, sagt Caroline Schmidt. "Als Leihe kann man nicht unbedingt feststellen, ob das Angebotene auch dem Wert entspricht. Ansonsten ist es immer ratsam eine Expertise von weltweit anerkannten Laboren zu verlangen.“ Vertrauen sei überhaupt im Diamantenhandel sehr wichtig. So könne man nie mit 100-prozentiger Sicherheit wissen, ob man nicht doch einen sogenannten Blutdiamanten kauft. "Obwohl die meisten Diamanthändler dem Kimberly Prozess zugestimmt und unterschrieben haben, dass sie Diamanten nur aus legalen Quellen kaufen, gilt immer das gegenseitige Vertrauen, was im Diamanthandel sowieso sehr hoch gehalten wird.“ Während ein Blutdiamant nicht begehrenswert ist, so ist es ein blutfarbener Diamant allemal.
