
- Der Stern von Michael Jackson ( - Flickr
Es gibt Nachrichten, die erschüttern die Welt. Weil sie berühren, tiefer gehen. Die Geschichte von Michael Jackson ist eine tragische Geschichte, eine Geschichte voller Widersprüche und Rätsel, voller Genialität und Wünsche. Die Nachricht vom Tod des am 29. August 1958 in Gary, Indiana, geborenen Musikers erschütterte die ganze Welt. Eine Generation ist mit Michael Jackson aufgewachsen, hat die Höhen und Tiefen seines Lebens miterlebt. Ein Leben, das bis zu seinem Tod am 25. Juni 2009 in Westwood, Los Angeles, der Musik gewidmet war und ihn zum „erfolgreichsten Musiker aller Zeiten“ und „King of Pop“ gemacht hat. Ein Leben, das eine Tragödie war, ein Stück, das nicht auf der Bühne spielte, sondern vor allem in der Welt der Medien. So verbreitete sich auch sein Tod innerhalb kürzester Zeit über den Kurznachrichtendienstes Twitter auf der ganzen Welt.
Michael Jackson: Ein Kind, das keines sein durfte
"Die Natur will, dass Kinder Kinder sind, bevor sie Erwachsene werden", schrieb Jean Jacques Rousseau. Der am 18. Juni 1712 in Genf geborene französisch-schweizerische Schriftsteller und Philosoph war damit ein Vorreiter der Theorie, dass man Kinder anders als Erwachsene behandeln soll. Er veröffentlichte den vielbeachteten und zu Anfang umstrittenen Erziehungsroman "Emile ou de l'éducation (Emil oder über die Erziehung), in dem er an dem Jungen Emile dessen Entwicklung beschrieb. Dadurch wollte er zeigen, wie sich ein Kind zu einer Persönlichkeit entwickeln kann. „Der Ursprung allen Handelns liegt im Willen eines freien Wesen“, schrieb Rousseau. Michael Jackson hatte diesen freien Willen nicht und auch seine Kindheit war fremdbestimmt. Bereits mit sechs Jahren stand er das erste Mal auf der Bühne, angetrieben von seinem Vater Joe Jackson, der Michaels musikalische Genialität schnell erkannte.
Genialität war Fluch und Gnade für das getriebene Wunderkind
Jackson wurde schnell zum „Wunderkind“ der Neuzeit. In der von seinem Vater gegründeten Band Jackson Five, in der er mit seinen Brüder Jackie, Tito, Jermaine und Marlon auf der Bühne stand, wurde er bald der Bandleader und feierte mit der Band erste Erfolge. Die Jackson Five gingen Anfang der 1970 Jahre erstmals auf Welttournee. Schon 1971 begann Michael Jackson seine Solokarriere und schnellte mit der Single „Got to be there, Maria“ auf Platz 4 der amerikanischen Charts und Platz 5 der britischen Charts.
Die Liste seiner weiteren musikalischen Erfolge liest sich wie ein wahr gewordenes Märchen. Allein das Album „Thriller“ wurde mit 60 Millionen verkauften Exemplaren zum meistverkauften Musikalbum der Welt. Für einen Werbespot mit der „Ikone des Pops“ wurden von Pepsi 12 Millionen Dollar bezahlt und das Guiness-Buch der Rekorde führt Jackson mit dem Eintrag „erfolgreichster Unterhaltungskünstler aller Zeiten“.
Immer auf der Suche nach der eigenen Kindheit
Doch der Erfolg und sein Reichtum machten Michael Jackson nicht glücklich. Auch das über 28 Millionen Dollar teure Anwesen „Neverland Ranch“, auf der er auf über 11 km² Fläche eine Spieloase mit Zoo, Kino, Museen und Vergnügungspark baute, konnte ihm seine Kindheit nicht ersetzen.
Mike Hellwig, ein deutscher Familientherapeut und Verfasser des Buches „Befreie dein inneres Kind“ hat sich mit dem Thema der verlorenen Kindheit befasst: „Der Versuch, die verlorene Kindheit nachzuholen und (...) stellvertretend (...) zu finden, was früher gefehlt hat, ist ein Unterfangen, das uns unser Lebensglück kosten kann. (...) Wir sind Getriebene: Immer begleiten uns unsere verinnerlichten Eltern, und wir spüren das unendliche Bedürfnis, ihre Liebe und Anerkennung zu finden.“
Michael Jackson war ein Getriebener, ein Perfektionist, der sich in der Musik ausleben konnte, Neues und Geniales wie den „Moonwalk“ erfand. Und er wollte sich lösen, konnte das verletzte Kind in sich nicht ertragen, ließ sich in zahlreichen Schönheitsoperationen das Gesicht „wegoperieren“, um ein anderer zu werden. Er wollte geliebt werden und wurde oft gejagt – vielleicht weil er so anders war, vielleicht aber auch, weil Erfolg untrennbar mit Neid und Missgunst verbunden ist. Vom Kindesmissbrauch wurde er freigesprochen, doch was immer tatsächlich geschehen ist, Jackson hat sicherlich nie verstanden, warum er so angegriffen wurde. Ein Kind will immer nur Liebe und Anerkennung und Michael Jackson ist nie wirklich erwachsen geworden.
Auf der Suche nach der Liebe: Michael Jackson hinterlässt selbst drei Kinder
Sein Privatleben war, auch was die Liebe angeht, stets von den Medien beäugt und somit fast immer zum Scheitern verurteilt. Seine erste Ehe 1994 mit Lisa Marie, der Tochter von Elvis Presley dauerte nur eineinhalb Jahre und blieb kinderlos. Sie wurde stets als PR-Ehe in der Öffentlichkeit gehandelt, da bereits die ersten Kindesmissbrauchvorwürfe gegen Jackson aufkamen. Nach der Scheidung heiratete er 1996 die Krankenschwester Debbie Rowe und wurde 1997 zum ersten Mal Vater.
Sein Sohn heißt Michael Joseph Jackson jr und wurde „Prince Michael“ genannt. Ein Jahr später kam seine Tochter Paris auf die Welt. Nach der Scheidung 1999 erhielt er das Sorgerecht für seine beiden Kinder. Sein zweiter Sohn „Prince Michael II“ wurde 2002 von einer Leihmutter geboren. Seinen eigenen drei Kindern (Prince Michael I (12), Paris (11) und Prince Michael II (7) war er – wie immer wieder aus Insiderkreisen berichtet wurde – ein liebevoller Vater. Im Herzen wohl aber vor allem ein Spielkamerad und weiteres Kind.
Michael Jackson schenkte uns seine Träume
Michael Jackson hat uns an seinen Träumen, seiner versäumten Kindheit teilhaben lassen, hat in der Musik seine Seele mit verschenkt und damit seine Fans berührt. Dafür sollten wir ihm danken. Die Umstände seines Todes, ob es nun Medikamentenmissbrauch oder „nur“ Herzversagen war – vielleicht durch den selbstgemachten Stress und die eigenen Ansprüche an einen perfektes neues Comeback – spielt zurecht für seine wahren Fans keine Rolle. Jacko ist Jacko und er lebt in seiner unvergesslichen Musik weiter.
