Koller durch dolle Poller, Salzburger Schildbürger

Poller am Michaelis-Tor - Jo Scholten
Poller am Michaelis-Tor - Jo Scholten
Technische Konstruktion für eine Salzburger Altstadt frei von Autos bereitet Probleme

Wer als Autofahrer die schöne Alpenlandschaft durchfahren hat und über die Autobahn schnell den Weg zur Salzburger Altstadt am Rudolfskai gefunden hat, kann den Poller Koller der Einheimischen kennenlernen. Rechts abbiegen dann steht der Fahrer vor einer Säule aus Metall, die sich wie von Geisterhand bewegt automatisch in den Boden versenkt. Dahinter liegt der schöne Mozartplatz mit vielen Menschen und wenigen Fahrzeugen, abgesehen von den malerischen Fiakern.

Pollertourismus, wann passiert wieder was

Als Empfangskomitee wartet nach überfahren der Barriere manchmal ein Fernsehteam. „Haben sie Zeit für ein Interview“, fragte Kameramann Martin Krebitz. „Sind sie ein Pollertourist“, so die Kollegin. „Wie Bitte?“, wir waren erstaunt. „Sie dürften hier eigentlich gar nicht einfahren können ohne Fernbedienung“, erläutert der Kameramann, der unter anderen für ORF und ATV arbeitet. „Sie sind sozusagen in der Mausefalle, hinaus fahren kann man erst am anderen Morgen um sechs, dann sind die Poller bis elf Uhr am Vormittag für Lieferanten geöffnet“. „Schneller Hilfe verspricht der Dienst der Polizei, der kostet 100 Euro“, so Taxifahrer und Pressefotograf Wolfgang Moser. Ein Radfahrer passiert die Metallsäule, die sich auch in diesem Fall ohne Fernbedienung absenkt und die Durchfahrt freigibt. „Die Induktionsschleife“, erklärt Martin Krebitz. Jetzt schnell den Moment ausnutzen und durch, mag man spontan denken.

Gravierende Mängel sind lange bekannt

Wolfgang Moser rät ab, insgesamt sind seit Einführung des Systems im Juni schon über sechzig gravierende Unfälle an den Pollerschleusen passiert. Sei es das überraschte Autofahrer im Windschatten anderer Fahrzeuge folgten und vom aufsteigendem Metall gerammt wurden oder die Säulen Eigenleben entwickelten. Dunkle Ölspuren auf dem Asphalt sind Zeugen der bereits zerborstenen Ölwannen. Sogar ein Polizeifahrzeug ist schon in die Pollerfalle geraten. Lieferanten und Postboten, sogar Ärzte, die ihren Patienten helfen wollen, klagen. Unmöglich 250 Pakete zuzustellen und bis 11 Uhr die Innenstadt zu verlassen oder im Notfall für den Patienten parat zu sein.

Ortsfremde sind die Dummen

Doch meist sind es technikgläubige Ortsfremde, die mit gravierenden Karambolagen überrascht werden. Doch genau bei der Technik hapert es bei dem Salzburger Poller-System. Die fragliche Ingenieursleistung in Form einer Autohebebühne verfügt über keine mechanischen und sensorische Feinfühligkeit, die im Gefahrenfall Beschädigungen am Poller und den Fahrzeugen vermeidet. Ganz zu schweigen von entsprechenden Markierungen auf der Fahrbahn, um eine der Möglichkeiten zu nennen, ortsfremde Chauffeure schon im Vorfeld zu Warnen. Die Sachschäden haben einen sechstelligen Eurobetrag erreicht, dafür ist die Salzburger Altstadt um einiges idyllischer geworden. Zum Glück für die Menschen und die Pferde der Fiaker, die genießen die neue Freiheit. Auch wenn die Pferdchen skeptisch blicken, wenn wie sich der Poller im Boden versenken, sie würden sowieso niemals auf die Poller treten. Denken sollte man eben den Pferden überlassen.

Bild- und Textautor, Jo Scholten

Hermann Josef Scholten - Freier Journalist, Bild- und Textautor. Arbeiten aus der Produktion sind bislang unter anderen in GEO, stern, Merian, Playboy, Kölner ...

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