Das Museum Kolumba in Köln

 Museum Kolumba - Kolumba Köln, copyright Hélène Binet
Museum Kolumba - Kolumba Köln, copyright Hélène Binet
Kolumba - das Kunstmuseum des Erzbistums Köln - wurde von dem Architekten Peter Zumthor auf Relikten der zweitausendjährigen Geschichte der Stadt gebaut.

Langsamkeit, Konzentration und spielerisch-kreative Auseinandersetzung bilden die Essenz des Museumskonzeptes von Kolumba. Seit 1992, lange vor dem Bau des außergewöhnlichen Museums, wurde das Konzept „Museum der Nachdenklichkeit“ in vielen Ausstellungen erprobt. Eingeweiht wurde Kolumba im September 2007.

Planungsphase mit allen Beteiligten

Kolumba ist umfassend das Ergebnis eines ganzheitlichen Verständnisses und wurde in der Planungsphase von Peter Zumthor, seinem Team, Mitarbeitern der Bauabteilung und den Kuratoren des Bistums individuell entwickelt. Im Fokus der Planung stand von Beginn an die Zusammenführung der drei Komponenten: Ort, Architektur, Sammlung. Es sollte eine Architektur entstehen, die Antwort gibt auf diesen spezifischen Ort in Köln, der Ruine der Kolumba-Kirche und der Sammlung des Erzbistums. Diese Sammlung beinhaltet sakrale Werke aus mehreren Jahrhunderten und zeitgenössische Kunst. In einem neuen Museumsbau sollte, gegensätzlich zur Eventkultur, eine nachhaltige Museumsarbeit integriert werden, im Sinne von Bewahren, Erforschen, Vermitteln.

Außen Sorgfalt und Handwerklichkeit

Entstanden ist ein Museumsgebäude, das sich konsequent auf den historischen Ort bezieht. Diese konsequente Architektur stellte Peter Zumthor auf die Grundrisse und die Außenmauern der Kirchenruine. Dadurch erfolgte sozusagen der Wiederaufbau eines durch den Krieg zerstörten Stadtraumes. Neues und Altes bleibt lesbar. Für das neue Gebäude wurden extra Backsteine, der Kolumbastein, entwickelt. Die handgefertigten, flachen, warmgrauen Steine wurden mit breiten Fugen vermauert. Es entfaltet sich eine ästhetische Einheit von erhaltenen Ruinenwänden und den neuen, handwerklich meisterlich ausgeführten, Maurerarbeiten.

Innen – Sorgfalt und Begegnung

Der Zugang zum Museum führt durch eine große gläserne Tür. Fühlbar angenehm, ein metallischer Türgriff, mit Leder umwickelt. Nicht nur die ausgesprochen sorgfältigen Handwerksarbeiten mit ihren besonderen Details fallen ins Auge. Im Eingangsbereich zum Beispiel finden sich Furniere von Eukalyptus und Roseneiche. Von hier aus wird der Besucher in das Foyer geführt, in einen Zwischenbereich. Die hohe, helle Treppe führt in die Ausstellungsräume, gibt aber von unten keinen Einblick preis. Eine Glaswand verbindet das Foyer mit dem Innenhof, dem ehemaligen Kolumba-Kirchhof, heute minimalistisch angelegt mit Skulptur und Bäumen; zum Verweilen, Ausruhen und Nachdenken.

Hinter einem drehbaren Stahlportal und einem Ledervorhang, der starken Luftzug verhindert, öffnet sich der Blick auf eine zweitausendjährige Geschichte. Zu besonderen Punkten der Archäologie führt ein Steg aus Padoukholz, der die Ausgrabung überspannt. Dieser größte Raum des Gebäudes wird umschlossen von einem perforierten Mauerwerk, durch das Licht und Luft einströmen. Neben dem faszinierenden Lichtspiel greift das gitterähnliche Mauerwerk den fragilen Charakter der Ruinenreste auf. Die Kapelle ist ebenfalls einbezogen in dieses Ambiente, bleibt aber als sakraler Raum separat erhalten. Der Steg endet in einem kleinen Außenraum, der früheren Sakristei. Schier belassen, mit einer Eisenskulptur von Richard Serra.

Raum und Kunst

Maß, Proportion, Wegführung, Licht und Schatten, Material und Funktion, Intimität und Öffentlichkeit – diese tragenden Elemente dominieren im Museum auf allen Ebenen. Treppen führen die Besucher in die Ausstellungsräume, die sich über drei Geschosse verteilen. An den grau gemauerten Wänden in den Treppenaufgängen finden sich Handläufe wie Handschmeichler. Fußböden sind Flächen aus Terrazzo und Mörtel, helle, lehmverputzte Wände, offene Ausblicke durch raumhohe Broschenfenster auf Erhabenes und Banales. Luftigleichte Seidenvorhänge in verschiedenen Grautönen gießen Schattenbilder auf glänzende Böden; Ruhebänke aus Leder; im Lesezimmer die Wandvertäfelung aus Mahagoni.

Die Kunst präsentiert sich nicht in Dauer- oder Wechselausstellungen. Zum 14. September wird in jedem Jahr das Haus neu eingerichtet, mit Werken aus der eigenen Sammlung; ein „Museum auf Zeit“. Einige wenige Werke sind dauerhaft präsentiert. Ein Raum steht für zeitgenössische Positionen in einem eigenen Ausstellungsrhythmus zur Verfügung. Ansonsten werden jährlich die Kunstwerke im neuen Kontext gezeigt. Werke aus verschiedenen Perioden unserer Kunst- und Kulturgeschichte sind zusammen, gegeneinander, gestellt. Im besten Sinn versteht sich Kolumba als ästhetisches Labor. Mischungen werden probiert. Formale Ausrichtungen der Kunstgegenstände im architektonischen Rahmen und im Abstand zueinander sind sorgfältig gewählt. Immer bleibt viel Raum zwischen den Werken, der von den Besuchern mit eigenen Inhalten gefüllt werden kann.

„Das Museum ist ein Ort der Langsamkeit, der Konzentration, der spielerisch-kreativen Auseinandersetzung; ein Füllhorn unverbrauchter, staunenswerter, neuer und alter Sichtweisen menschlichen Weltverständnisses in individuellen Bildfindungen.“ So heißt es im Faltblatt von Kolumba.

Aktuelle Ausstellung Kolumba

"denken" - eine Ausstellung über Wege, die Welt zu erfahren.

In dem Begleitheft zur Ausstellung steht: „Wie denkt es sich ohne Worte in Bildern, in Musik, in der Architektur? Die Ausstellung ermöglicht den Blick in das Atelier, in die Arbeit der Künstler, ihre Grundlagen und Recherche.“

Parallel zur Präsentation findet monatlich ein Werkgespräch statt, mit Blick auf ein Kunstwerk, jeweils für eine Stunde, an jedem 1. Mittwoch. Am 7. Dezember steht die Arbeit „On the Surface“ von John Cage im Blickpunkt. Es ist keine Komposition, wie man bei John Cage vermuten würde. Bei diesem Werk handelt es sich um Farbradierungen auf handgeschöpftem Papier.

Quelle:

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Auswahlkatalog 2

Gabriele Caspers - Interessen: Kunst Kultur Architektur alltagsnah

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