
- Betreuungsgeld - Stephanie Hofschlaeger
Nach einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim wird das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld für Mütter, die ihre Kinder zu Hause erziehen, vor allem Mitnahmeeffekte verursachen. Im Rahmen dieser Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen durchgeführt wurde, wurden insbesondere die Kosten des Betreuungsgeldes und dessen Auswirkungen auf die Einkommenssituation und das Arbeitsangebot der Eltern untersucht.
Zweck der Studie zum Betreuungsgeld
Der Zweck der Studie zum Betreuungsgeld ist es, die Wirkungen einer deutschlandweiten Einführung eines Betreuungsgeldes für Familien mit Kindern unter drei Jahren im Voraus zu untersuchen. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund:
- Wer wird das Betreuungsgeld voraussichtlich in Anspruch nehmen?
- Wie würde sich das Betreuungsgeld auf den Arbeitsmarkt auswirken, insbesondere auf das Arbeitsangebot von Müttern und Vätern?
- Kann sich die Betreuungssituation von Kindern, insbesondere bei den Ein- bis Dreijährigen, durch das Betreuungsgeld ändern?
- Wie wirkt sich die Einführung eines Betreuungsgeldes auf das verfügbare Einkommen der Haushalte aus?
- Welche Kosten würden durch die Einführung des Betreuungsgeldes entstehen?
Hintergrund zum Betreuungsgeld
Bis zum Jahr 2013 muss die Bundesregierung für jedes dritte Kleinkind einen Krippenplatz zur Verfügung stellen. Um dieses Angebot für Eltern zu kompensieren, die einen angebotenen Krippenplatz nicht in Anspruch nehmen, diskutiert die Bundesregierung derzeit die Einführung eines Betreuungsgeldes. Danach sollen Eltern, die ihr ein- bis dreijähriges Kind zu Hause erziehen, neben dem Elterngeld ein Betreuungsgeld in Höhe von 150,00 Euro monatlich erhalten.
Mütter mit und ohne Betreuungsgeld
Die Studie zum Betreuungsgeld zeigt allerdings, dass sich die meisten Mütter mit Betreuungsgeld genauso verhalten wie ohne Betreuungsgeld. In Deutschland haben Mütter und zunehmend auch Väter den Wunsch, ihre Kleinkinder zu Hause zu betreuen. Daher werden Mütter auch nach dem geplanten Ausbau der Betreuungseinrichtungen nur selten mit der Aufnahme einer Arbeit beginnen, sodass vom Betreuungsgeld vor allem Mitnahmeeffekte zu erwarten sind.
Das Betreuungsgeld verursacht hohe Kosten
Nach der Studie wird die Einführung eines Betreuungsgeldes den Staat voraussichtlich zwischen 1,4 und 1,9 Milliarden Euro im Jahr kosten.
Ein großer Teil dieses Geldes für das Betreuungsgeld fließt dabei an Migrantenfamilien, Familien mit niedrigen Einkommen und Eltern mit niedriger Qualifikation. Für diese Gruppen schafft das geplante Betreuungsgeld durchaus Anreize, auf die neu geschaffenen institutionellen Betreuungsmöglichkeiten zu verzichten. Allerdings würden dann gerade die Kinder den Betreuungseinrichtungen fernbleiben, die von Kinderkrippen und ähnlichen Einrichtungen am stärksten profitieren könnten.
Demnach könnte die Einführung eines Betreuungsgeldes die für richtig erkannte, frühe institutionelle Förderung für Kinder aus bildungsfernen Familien eher gefährden als fördern.
Betreuungsgeld wirkt sich auch negativ aus
Das geplante Betreuungsgeld könnte sich gemäß der Studie auch negativ auf die Arbeitsmarktpartizipation der Frauen auswirken. Viele Frauen, die in Teilzeit beschäftigt sind, wären bereit, ihren Beruf ganz aufzugeben, um sich rein der Kindererziehung zu widmen. Lediglich für hochqualifizierte Mütter gehen vom Betreuungsgeld kaum Anreize aus. Bei ihnen würden die Einkommenseinbußen bei eigener Kinderbetreuung deutlich höher ausfallen als 150,-- Euro Betreuungsgeld im Monat.
Download der Studie zum Betreuungsgeld
Im Internet steht die Studie zur geplanten Einführung des Betreuungsgeldes zum Downlaod zur Verfügung.
