Das jüngste ZDF-Politbarometer basiert auf telefonischen Umfragen zwischen dem 22. und 24. Mai 2012, die die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen bei 1312 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in der Bundesrepublik Deutschland durchführte. Die Umfrage führte die Interviewten durch verschiedene, nicht voneinander abhängige Themengebiete von Eurobonds, Bundesliga-Relegationsspiel, über die Zukunft Griechenlands und der Linken in Deutschland bis hin zu den aktuellen Prozentzahlen der Parteien und ihrer Politikerinnen und Politiker sowie den Rauswurf von Umweltminister Röttgen.

Ablehnung der Eurobonds

Vehement fordert der neue französischen Präsident Eurobonds. Sie erfahren bei 79 Prozent der Befragten wie schon im November 2011 Ablehnung quer durch alle Parteien. Die Euro-Krise soll aber neben dem Schuldenabbau auch durch Maßnahmen für mehr Wachstum behoben werden. 62 Prozent der Wähler meinen, dass dies nur durch neue Schulden möglich ist. Nur 27 meinen, dies sei möglich ohne neue Schulden.

Bleibt Griechenland beim Euro?

Schon im Politbarometer November 2011 meinten 49 Prozent der Befragten, Griechenland solle aus der Eurozone ausscheiden. Diese Zahl hat sich jetzt im Mai auf 60 Prozent erhöht. Nur noch 31 Prozent sind für ein weiteres Verbleiben Griechenlands in der Eurozone. Dass der Euro Deutschland mehr Vor- als Nachteile gebracht hat und noch bringt, meinten noch im Februar 51 Prozent. Dieser Prozentsatz hat sich im Mai auf 45 Prozent verringert.

Die Demissionierung Norbert Röttgens aus seinem Ministeramt

50 Prozent der Befragten halten die Entlassung von Umweltminister Röttgen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel für falsch, 39 Prozent für richtig. 39 Prozent der Wähler glauben, die Entlassung habe Merkel geschwächt und ebenfalls 39 Prozent meinen, ihre Entscheidung sei ohne negative Auswirkungen auf die Werte der Kanzlerin. 15 Prozent sehen in der schnellen Entlassung eine positive Wirkung für die Kanzlerin. Ihre Begründung, nur mit der Entlassung sei ein Neubeginn in der Energiewende möglich, können 74 Prozent der Befragten nicht nachvollziehen.

Schwenk von schwarz-gelb auf rot-grün, aber ohne Mehrheit

In der Umfrage zum Politbarometer Mai 2012 konnten sich die großen Parteien und die Grünen jeweils um 1 Prozentpunkt verbessern auf Werte von 36 Prozent für die CDU/CSU, SPD auf 31 Prozent und die Grünen auf 14 Prozent. Die FDP und die Linke bleiben bei 4 bzw. 5 Prozent, während die Piraten mit minus 2 auf 7 Prozent kommen. Damit haben weder schwarz-gelb noch rot-grün eine Mehrheit. Eine große Koalition rückt immer näher.

Die Liste der 10 beliebtesten Politikerinnen und Politiker

Hierbei wurde wie immer eine Bewertungsskala von plus 5 bis minus 5 zugrunde gelegt. Bis auf die Bundeskanzlerin konnten alle Persönlichkeiten ihre Werte verbessern oder halten. Gegenüber dem April verlor Angela Merkel 0,2 Punkte, führt aber mit 1,6 die Liste hauchdünn vor Wolfgang Schäuble und Peer Steinbrück mit ebenfalls 1,6 an. Dann folgen Frank-Walter Steinmeier mit 1,5 und Thomas de Maizière mit 1,1. Auf Platz 6 liegen punktgleich mit jeweils 0,6 Ursula von der Leyen, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel Auch die beiden Schlusslichter konnten etwas verbesserte Werte vorweisen:Guido Westerwelle mit minus 1,0 von minus 1,3 und Philipp Rösler mit minus 1,5 von minus 1,6.

Die Einschätzung der Lage bei den Linken

67 Prozent der Befragten halten die Linke in wichtigen politischen Fragen für zerstritten. Dass Oskar Lafontaine nicht für den Parteivorsitz kandidieren wird, halten im Westen 34 Prozent für gut und 42 Prozent für schlecht. Völlig anders sehen das die ostdeutschen Wähler: 48 sehen darin einen Vorteil für die Linke, 34 Prozent Nachteile. Fast identisch ist in West und Ost die Frage beantwortet worden, ob die Linke eher eine ostdeutsche oder gesamtdeutsche Partei ist: 62 Prozent im Westen und 58 Prozent im Osten halten die Linke für eine ostdeutsche Partei.

Das Chaos-Relegationsspiel in Düsseldorf und die EM

61 Prozent der Befragten halten die Entscheidung des DFB-Sportgerichts, das Chaos-Spiel um den Aufstieg zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin nicht zu wiederholen, für richtig und nur 28 Prozent für falsch.

In zwei Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine, von der alle Spiele live übertragen werden. 46 Prozent glauben, die deutsche Mannschaft werde den Titel holen, und 43 Prozent zweifeln am EM-Sieg der deutschen Mannschaft.

Quellen: ZDF-Politbarometer Pressemeldung. Forschungsgruppe Wahlen