
- Tier-Femdsprachen - Hefele
Zuerst kam Monty Roberts mit seinem Buch: „Der Mann, der mit den Pferden spricht“ (der Original-Titel lautet interessanterweise: „The man who listens to the horses“). In seinem weltweiten Bestseller beschreibt der Pferdeflüsterer seine Methode, die auf langen Beobachtungen der Kommunikation der amerikanischen Mustangs untereinander in der freien Wildbahn basiert und bei der es darum geht, nicht den Willen eines Pferdes zu brechen, es zu dressieren, sondern die Pferdesprache anzuwenden, Vertrauen beim Pferd hervorzurufen. Sein so genanntes Pferdisch rief einen gewaltigen Boom auch in anderen Haustier-Bereichen hervor, so dass alle möglichen Nachahmer wie Hunde-Flüsterer, Katzen-Nannys, Vögel-, Hamsterversteher und dergleichen sich plötzlich aus allen Ecken und Enden meldeten und natürlich mehr oder weniger sinnvolle Ratgeber veröffentlichten.
Schwierige Probleme bei der Verständigung der Tierrassen untereinander
Doch irgendwer scheint sich bei der Erschaffung des Faunateils der Welt teuflische Scherze erlaubt zu haben. Wer meint, die einzelnen Tierrassen müssten es doch leichter als die Menschen haben und sich in Körpersprache quasi international miteinander verständigen können – weit gefehlt. Vergleicht man einmal die drei wichtigsten Begleiter des Menschen, Pferd, Hund und Katze, dann wird klar, warum sie untereinander Verständigungsschwierigkeiten haben und deshalb oft wie „Hund und Katze“ aufeinander losgehen.
5,3 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, Pferdebesitzer besitzen bevorzugt zusätzlich auch Hunde und im Stall sollen die Katzen die das Futter vernichtenden Mäuse entfernt halten. Deshalb hier die unterschiedlichen Bedeutungen der wichtigsten Körpersprache-Zeichen dieser Tiere.
Ohrenstellung
Was Tiere alles mit ihren Ohren anstellen, da können Menschen nur Bewunderung dafür hegen. Deshalb ist es ein Verbrechen, das auch bei uns in der Bundesrepublik Deutschland entsprechend verfolgt wird, aus sogenannten Rasse- oder Schönheitsaspekten den Tieren Ohren und Schwanz zu kupieren, also wichtige Sinnesorgane zu verstümmeln.
Hunde können traurig ihre Ohren hängen lassen, sie aufmerksam halb aufstellen oder nach hinten anlegen, was heißt: „Ich habe Respekt vor Dir, vielleicht auch ein bisschen Angst“- wenn dazu auch noch die Rute zwischen die Hinterläufe eingekniffen wird.
Pferde können ja noch viel mehr mit ihren Ohren: Gleichzeitig eines nach hinten stellen, um auf den Reiter oben darauf zu achten, und eines nach vorne, um den Weg vor sich abzuchecken sowie auch noch jedes Ohr einzeln kreisen lassen. Doch wie interpretiert wohl ein Hund angelegte Ohren eines Pferdes? Dass das Riesentier mit 700 kg Respekt vor ihm habe? Wehe dem Hund, der da nicht schnell ausweicht! Kann ein tödlicher Irrtum werden, auch wenn das Pferd ein friedlicher Pflanzenfresser ist im Gegensatz zum Fleisch-und Aas fressenden Hund. Angelegte Ohren beim Pferd bedeuten nämlich: „Achtung, Du störst meine Kreise, lege Dich nicht mit mir an!“ Kann auch nur Misstrauen, Skepsis ausdrücken, die verschwindet und die Pferdeohren zum Nachvorneklappen bewegt, wenn man ruhig auf das Tier einredet oder, noch besser, ein Leckerli dabei hat. Wenn aber die ein Fohlen säugende Stute so auf einen zukommt, dann nicht lange „verhandeln“!
Und wenn der Wolfsnachkomme dann auch noch auf die Hinterbeine springt, um die riesigen Pferde zweibeinig hoch aufgestellt zu begrüßen, das ist die Hengst-Angriffs-Stellung, die Pferde als Affront betrachten müssen. Also legt das Ross die Ohren an und geht auf den Hund los, der nun wiederum analog der Hundesprache angelegte Ohren für dargebrachten Respektsbeweis ihm gegenüber hält. Bevor Hunde das kapieren, hat der Tierarzt schon einiges zu tun.
Schwanzwedeln als Treppenwitz der Schöpfung
Mit dem Schwanz wedeln bedeutet beim Hund: Freude, Zuneigung, besonders gern als Begrüßungsritual und zur Kontaktaufnahme gebraucht, soll heißen: „Guck mal, ich mag Dich und bin ganz harmlos!“ Auch: Vorfreude auf das Leckerli. Übrigens nennt man es beim Hund natürlich nicht Schwanz, sondern Rute.
Und bei der Katze? Aufgestellter Schwanz bei der Katze, hin und her peitschend bedeutet Misstrauen, Warnung, kurz vor einem eventuellen Angriff: „Achtung, mit mir ist nicht gut Kirschen essen! Besser, Du ziehst Leine!“ Mancher Hund weiß erst nach leidvoller Erfahrung, was es heißt, wenn er schwanzwedelnd die Katzen begrüßen wollte und den peitschenden Schwanz beim Gegenüber für ein Willkommen hält. Nach oben beschriebenen Unterschieden bricht für den Hund eine Welt zusammen, wenn er vom Kater für die höfliche Geste seinerseits mit ausgefahrenen Krallen eine übers Gesicht gewischt bekommt. So kann es nie zu inniger Freundschaft zwischen Hund und Katze kommen.
