Komödienspiele: 50 Jahre Porcia

Ensemble 2010 - komödienspiele porcia
Ensemble 2010 - komödienspiele porcia
Prägnanter Stil und durchwegs eigene Produktionen zeichnen die Komödienspiele in Spittal an der Drau aus. Am Programm: Klassiker und Zeitgenossen.

„Die Komödie der Irrungen“, die vermutlich erste Komödie von William Shakespeares stellten die „Väter“ der Komödienspiele Porcia Herbert Wochinz und H.C. Artmann 1961 an den Beginn ihres ambitionierten Projektes.

Pioniere für Sommertheater im Schloss

Die Idee, ausgerechnet in der Bezirksstadt Spittal an der Drau (Kärnten/Österreich), in einem äußerst renovierungsbedürftigen aber mit Renaissancecharme ausgestatteten Schloss, komödiantische Inszenierungen anzubieten, kam den beiden Künstlern Herbert Wochinz und H.C. Artmann anlässlich eines Ausfluges. Damit waren sie ihrer Zeit weit voraus - heute gibt es in vielen Schlosshöfen urlaubtstauglich leichte Dramatik.

Die Bevölkerung reagierte nicht nur positiv auf die vielen Künstler, die von nun an im Sommer das Stadtbild prägten. Doch als Spittal via Fernsehaufzeichnungen der Inszenierungen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rückte und auch öffentliche Gelder zur Subventionierung flossen, wurde die Kooperationsbereitschaft sichtlich größer. So kredenzte eine Wirtin den Schauspielern täglich ein Mittagsmenü um drei Schilling, ein Geschäftsmann brachte regelmäßig Obst zur Stärkung und private Vermieter sorgten für eine günstige Unterbringung.

Vereintes Ensemble des Wiener Theaters am Fleischmarkt

Aber nochmals zurück an den steinigen Anfang: Ausgestattet mit einem mageren Budget aber dafür mit viel Enthusiasmus steckten die beiden das gesamte Ensemble des Wiener Theaters am Fleischmarkt an. Die Schauspieler hatten teilweise knappe zwei Wochen Zeit für Proben, teilweise wurden mehrere Stücke parallel geprobt. H.C. Artmann übersetzte zahlreiche Komödien pointiert für das hauptsächlich deutsche und österreichische Publikum und war so maßgeblich am Erfolg der Inszenierungen beteiligt.

Etwas zwischen Commedia dell´arte und zeitgenössischer Komödie

Dem Konzept anspruchsvolle Komödien zu zeigen, bleibt man nun mittlerweile schon 50 Saisonen lang treu, obwohl es natürlich jede Menge Weiterentwicklungen gab. Schnelles temperamentvolles Spiel und der Stil der Commedia dell´arte zeichnen die Porcia-Dramaturgie bis heute signifikant aus. Was Herbert Wochinz dreißig Jahre lang aufgebaut hat, wurde 1991 vom ungarnstämmigen Regisseur Tamás Ferkai fünf Jahre sehr erfolgreich weiter geführt und 1996 in die Hände von Peter Pikl gelegt. Der neue künstlerische Leiter adaptierte die Programmgestaltung und würzte das klassische Komödienangebot peu á peu mit neuer Theaterliteratur. Er rief jährlich eine Kinderproduktion, Gastauftritte renommierter österreichischer Künstler und Einladungen zum Lachen im Keller mit Szenen und Sketche der gerade anwesenden Künstler ins Leben. Ein Beispiel der guten Theaterspürnase Pikls: 2005 erfolgte die Uraufführung der Auftragsarbeit von Rene Freund „Die goldene Nase“ in Spittal. Mit dem neuen Titel „Klinik unter Almen“ ist die flotte Komödie um das Geschäft mit dem Schönheitswahn ein wahres Erfolgsstück, das an vielen Theatern gezeigt wird.

Ergänzt wird das breite Spektrum noch um die Komödienschule, in der Laien jeden Alters an lustvollen Workshops teilnehmen können.

Mit Blick nach vorn

„Es geht mir darum, mit unserem Theater neben dem Stammpublikum, auch ein neues und vor allem auch junges Publikum zu locken.“, so der experimentierfreudige Intendant Pikl. Dafür gehen die Komödienspiele neuerdings auch an exotische Theaterorte, um ihr Spiel zu zeigen. Bevor die Hauptspielzeit der Komödienspiele am 15. Juli mit der Premiere „Höllenangst“ (Johann Nepomuk Nestroy) losgeht, gibt es drei zeitgenössische „Theaterschmankerl“: Im ehemaligen Bauhof der Firma Strabag werden zwei skurrile Einakter des Salzburger Autors Walter Müller in der Regie von Peter Pikl gezeigt. „Schirokko“ lässt einen Mann aus Dachau und einen Salzburger am Strand von Griechenland darüber streiten, wessen Herkunft das schwerere Los sei. (ab 2. Juli). „Die Liebenden in der Untergrundbahn“ ist eine sehr junge Produktion, in der unter anderen alle Jungschauspieler, die gerade ihre Abschlussprüfung an der Kärntner Schauspielschule am Konse absolviert haben, herausgefordert werden. Bespielt wird der Bahnhof, Reisende sind Teil der Inszenierung, wer das Stück sehen will bekommt am Bahnhof Karten und dazugehörigen Klappstuhl um die Geschichte um ein junges Paar, das sich im Labyrinth der U-Bahnstation aus den Augen verloren hat, nicht nur körperlich, sondern auch beziehungsmäßig.

Hört man den profilierten Intendanten zu, wenn er vom bereits Erreichten und noch zu erreichenden erzählt, spürt man ein überaus ansteckendes Feuer – man darf also auf weitere Neuerungen durchaus gespannt sein. Porcia steht für Work in Progress und keinesfalls für verstaubtes Sommertheater. Sieben Wochen durchgehende Spielzeit mit durchwegs eigenen Produktionen sind weitere Punkte, in denen sich die Komödienspiele Porcia von anderen Sommerbühnen abheben. Dazu braucht es natürlich auch Partner, wie den organisatorischen Leiter, Udo Kröll, der als Regieassistent zu den Komödienspielen kann und nun seit 1995 neben schauspielerischen Engagements darauf achtet, dass die Verwaltung wie am Schnürchen läuft.

Kinderprogramm

Über 40 Komödien haben im Burghof des Schlosses schon für befreiendes Lachen gesorgt. Im Jubiläumsjahr gibt Georges Feydeaus „Die Liebesfessel“, „Ein besserer Herr“ von Walter Hasenclever und die Wiederaufnahme der vorjährigen Erfolgsproduktion „Der Dieb der nicht zu Schaden kam“ von Komödiengroßmeister Dario Fo. Auch beim Kinderprogramm setzt man in diesem Jahr auf Klassisches, obwohl in den Vorjahren stets zeitgenössische Stücke am Programm standen. Angelica Ladurner hat „Der Kalif Storch“, ein Märchen von Wilhelm Hauff speziell für das Ensemble in Porcia bearbeitet. Doch vor all dem steigt am 1. Juli ein dramatisch komödiantisches Fest im Schloss, bei dem sicher auch die Hausherrin, die umtriebige Gräfin Salamanca anwesend sein wird.

CJ, Jon

Christina Jonke - Geboren in Villach, Kindheit in Napplach im Mölltal und Triest, lebt jetzt in Klagenfurt. Nach VS und AHS, Lehre zur ...

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